Coronavirus: Stadt entscheidet über Veranstaltungen mit weniger als 1000 Besuchern

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Bei Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern hat die Landesregierung schon über die generelle Absage entschieden. Werden weniger erwartet, sind die Städte gefragt. Der Kreis hilft dabei.

Dorsten

, 11.03.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Erlass des NRW-Gesundheitsministers vom Dienstag lässt keinen Spielraum: Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen müssen zur Eindämmung der Corona-Ansteckungsgefahr abgesagt werden. Aber was ist mit all den Veranstaltungen, zu denen weniger als 1000 Menschen erwartet werden?

Über die haben laut Erlass die Städte und Gemeinden das letzte Wort. In Städten ohne eigenes Gesundheitsamt, wie zum Beispiel Dorsten, Haltern und Castrop-Rauxel, schlägt das Kreisgesundheitsamt ein Vorgehen vor, das das Ordnungsamt schließlich verfügen muss.

Das erklärte am Mittwoch in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Kreishaus Recklinghausen Landrat Cay Süberkrüb am Beispiel einiger prominenter Veranstaltungen, die die Stadt Recklinghausen jetzt abgesagt hat: Der Zirkus Roncalli muss einpacken, der „Hurz“ wird verlegt, die Ü30-Party ist abgesagt, die Palmkirmes ebenfalls.

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Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche machte deutlich, dass kein Veranstalter glücklich über die Absagen gewesen sei, aber alle letztlich Verständnis signalisiert hätten. Allen sei nämlich klar, dass man Ansteckungsketten jetzt unterbrechen muss, um die weitere Ausbreitung des Coronovirus zumindest zu verlangsamen.

Risikogruppen schützen und das Infektionsgeschehen verzögern

„Wir müssen das Infektionsgeschehen nachhaltig verzögern, um Risikogruppen zu schützen“, appellierte Süberkrüb an gesellschaftliche Solidarität mit kranken und geschwächten Mitmenschen, für die eine Infektion lebensbedrohlich werden kann.

Bei der Einzelfallprüfung für Veranstaltungen unter 1000 Besuchern werde vor allem nach drei Kriterien geschaut: Werden sie von vielen Risikogruppen, zum Beispiel älteren und geschwächten Menschen, besucht? Finden sie an Risiko-Orten, zum Beispiel in engen Räumen statt? Führen sie zu einer Zusammenballung vieler Menschen, die dadurch mindestens 15 Minuten lang großer Nähe zu anderen Menschen ausgesetzt sind? In diesen Fällen empfiehlt der Kreis eindeutig eine Absage.

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Bei aller Verärgerung und Enttäuschung, im Zweifel sollte man Veranstaltungen eher absagen, rät Christoph Tesche seinen Bürgermeisterkollegen im Kreis.

Der Landrat hofft nicht nur auf einheitliche Entscheidungen im Kreisgebiet, sondern will schon am Donnerstag mit Kollegen anderer Ruhrgebietskreise und -städte über einheitliche Standards für möglichst große Bereiche sprechen.

Über die Kurzformel für die Entscheidung waren sich Süberkrüb und Tesche längst einig: „Alles, was nicht unbedingt notwendig ist, sollte abgesagt werden.“

Und ob man ins Restaurant, Kino oder in den Gottesdienst gehe, sei in die Verantwortung jedes Einzelnen gelegt.

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