Coronavirus und Wasserverbrauch - die Erkenntnisse der RWW

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In der Corona-Krise sollen sich die Menschen häufig die Hände waschen. Das sollte Auswirkungen auf den Wasserverbrauch haben, oder? Die RWW hat noch ein anderes Phänomen untersucht.

Dorsten

, 14.04.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Corona-Krise betreibt die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW) keinen gesonderten Aufwand, um die Qualität des Trinkwassers sicherzustellen. „Die in Dorsten eingesetzte Aufbereitungstechnik ist in der Lage, Viren wie beispielsweise Corona, sofern sie überhaupt in diesem Grundwasser vorkommen, wirkungsvoll zurückzuhalten“, sagt der verantwortliche Bauingenieur der RWW, Michael Plath.

In Holsterhausen und in der Üfter Mark gewinnt RWW ihr Trinkwasser aus bis zu 120 Metern Tiefe. Es sei gut geschützt, so Plath, und bereits von hervorragender Qualität. Lediglich das im Grundwassers enthaltene Eisen mache eine Aufbereitung erforderlich.

RWW-Wasserwerk in Dorsten-Holsterhausen

Michael Plath vor den Mehrschichtfiltern im Wasserwerk Holsterhausen. © Andreas Koehring/RWW

In Dorsten versorgt RWW über ihr rund 430 Kilometer langes Rohrnetz mehr als 76.000 Einwohner. Jeder von ihnen verbraucht etwa 127 Liter pro Tag - für die Körperpflege, um die Toilette zu spülen, zum Kochen und Trinken, für die Waschmaschine, aber auch zum Händewaschen.

Da wäre es nicht verwunderlich, wenn der Wasserbrauch gestiegen wäre. Doch Platz widerspricht: „Das könnte man meinen, ist aber nicht so. Es sind auch nur weniger als zehn Prozent des täglichen Wasserverbrauchs, die zum Händewaschen benötigt werden.“

Normale Schwankungen, aber andere Spitzen

Insgesamt hat RWW im März 5,2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser an all ihre Kunden verteilt. Das ist ein halbes Prozent mehr als im Februar und für das erste Quartal auch nur 0,4 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. „Mal liegt die Menge leicht darüber, mal darunter, je nach Witterung. Das sind ganz normale Schwankungen, die immer wieder vorkommen“, erläutert Plath.

Zur Sache

Leitungen regelmäßig spülen

Wegen des Coronavirus bleiben derzeit zahlreiche Geschäfte, Gastronomiebetriebe, Schulen, Vereinsgebäude und Ladenlokale geschlossen. Somit werden in diesen Gebäuden auch die Trinkwasserleitungsanlagen nicht wie sonst üblich genutzt. Daher empfiehlt die RWW, zum Schutz und Erhalt der Trinkwasserqualität regelmäßige Spülintervalle vorzunehmen. Das verhindert eine Verkeimung. Dazu können die Eigentümer alle Entnahmestellen wie Wasserhähne und Duschen aufdrehen sowie Toilettenspülungen betätigen. Die beste Methode sei, abwechselnd solange kaltes und heißes Wasser durch die Leitungen laufen zu lassen, bis die Temperatur annähernd gleichbleibt.

Der Bauingenieur hält es aber für denkbar, dass die Menschen momentan zwar häufiger und länger ihre Hände waschen, aber vielleicht beim Einseifen das Wasser bewusst abstellen. Erkennbar sei jedoch, dass sich das Abnahmeverhalten momentan leicht verändert hat.

Die Tagesmenge ist zwar nahezu gleich geblieben, die morgendlichen Verbrauchsspitzen haben sich aber von zuvor 7 Uhr auf etwa 9 Uhr verschoben. Schulkinder schlafen länger, Berufstätige müssen nicht so früh aufstehen, weil sie von Zuhause aus arbeiten - also duschen sie vielleicht später.

Abläufe angepasst

Um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen und damit die Versorgungssicherheit hoch zu halten, hat die RWW einige interne Abläufe und Prozesse angepasst, „davon merken unsere Kunden aber nichts.“ Beispielsweise werden die technischen Anlagen jetzt von zwei Leitständen aus bedient – eine Schicht in Mülheim, die nächste in Dorsten, immer im Wechsel.

Zudem erhalten die Techniker ihre Arbeitsaufträge aktuell zum Teil digital und starten von Zuhause aus zu den Baustellen. Zählerstände können die Kunden online abgeben, ein Austausch ist bis auf Weiteres eingestellt.

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