Hausarrest für alle - was eine Erziehungswissenschaftlerin Eltern rät

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Ausnahmesituationen erfordern Ausnahmen: Die Dorstener Erziehungswissenschaftlerin Maria Frenzel macht Eltern normalerweise Kursangebote. Die sind wegen Corona entfallen. Die Fragen bleiben.

Dorsten

, 19.04.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während ältere und alleinstehende Menschen in dieser Zeit der Coronakrise besonders durch Isolation und Einsamkeit belastet sind, haben Familien mit Kindern dagegen mit zu großer Nähe und zu viel Trubel im häuslichen Bereich zu kämpfen.

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Die Dorstenerin Maria Frenzel ist Erziehungswissenschaftlerin. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die pädagogische Unterstützung bzw. Beratung von Eltern und Erziehern. Im Paul-Gerhardt-Haus hat sie in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Kursen für Eltern angeboten. Diese Möglichkeit gibt es zurzeit nicht. Dafür haben Eltern jetzt ganz andere Probleme, weiß Frenzel.

Maria Frenzel

Maria Frenzel © Elisabeth Deppermann

Sie ist deshalb grundsätzlich montags zu einer offenen Telefonberatung von 10 bis 12 Uhr bereit, Tel. 02362 42185. „Für ganz normale Fragen der Erziehung in ganz unnormalen Zeiten stehe ich den Eltern telefonisch gern zur Verfügung“, sagt sie.

Unterschiedliche Fragen je nach Alter

Je nach Alter der Kinder und Lebenssituation der Familie stellen sich den Eltern unterschiedliche Fragen. Nicht alle wollen oder müssen in dieser Situation zum Nottelefon greifen. „Alle aber – Eltern und Kinder - sind in dieser besonderen Situation auch mit besonderen Fragen oder Problemstellungen konfrontiert“, sagt Maria Frenzel.

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Und sie fügt hinzu: „Kleine Kinder wissen oft gar nicht so recht, was los ist. Sie spüren, dass etwas ganz Besonderes ‚in der Luft liegt‘; und wenn die Eltern dann auch noch Angst um den Arbeitsplatz haben, sich um die wirtschaftliche Existenz der Familie sorgen und angespannt reagieren, spüren die Kinder sehr wohl, dass Gefahr droht. Bei Gefahr aber suchen alle Kinder ganz besonders die Nähe der Eltern.“

Überlebensstrategie in schwierigen Zeiten

Das sei eine Überlebensstrategie, die nicht erst für Kinder im Kindergartenalter gilt, sondern auch für die Kleinsten. Maria Frenzel: „Es ist ein Impuls, der jedem von uns von allem Anfang an in die Wiege gelegt worden ist. In einer Situation aber, in der man rund um die Uhr - also 24 Stunden lang - mit der Familie zusammen ist, evtl. auch noch im Homeoffice arbeitet und kaum zur Ruhe kommt, ist diese Schutz suchende Tendenz kleiner Kinder eher kontraproduktiv und erhöht nur noch zusätzlich den Stress.“

Daher sei es notwendig, auch kleinen Kindern zu erklären, was eigentlich los ist. Allerdings müsse das kindgerecht geschehen, eventuell spielerisch. Man könne beispielsweise einen roten Punkt auf die Hand malen, der weiterwandert, wenn man anderen die Hand gibt und sich so immer weiterverbreiten kann. So verdeutlicht man Kindern, wie das Coronavirus weitergegeben wird und wie man verhindert, dass er weitergegeben wird.

Entspannung in angespannten Zeiten

Wichtig sei zudem, in angespannten Situationen für Entspannung zu sorgen. „Niemand kann 24 Stunden lang arbeiten, für den Haushalt verantwortlich sein und die Kinder betreuen. Alte Idealvorstellungen müssen jetzt bei Seite geschoben werden.“ Im Augenblick gebe es andere Prioritäten, als vom Fußboden essen zu können.

Wichtig sei es, für die Kinder den Tag zu strukturieren, vor allem solange Kitas und Schulen ihren normalen Betrieb noch nicht wieder aufgenommen haben. „Struktur im Tagesablauf gibt Sicherheit“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin.

Auch Jugendliche brauchen die Möglichkeit, sich auszutauschen. Normalerweise leben sie davon, ihre Freunde zu treffen, was jetzt nicht möglich ist. „Es ist wichtig, ihnen in dieser Situation Verständnis zu zeigen und auch mit ihnen über die gegenwärtige Lage zu reden“, sagt Frenzel.

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