Weltweit spucken Düsen aus Dorsten Fäden für Vliesmasken aus

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Spinnereien geht die Düse. Sie können gar nicht so schnell liefern wie bestellt wird: Maskenvlies. Ein Dorstener Ingenieurbüro liefert das Know-how zum Herzstück vieler Spinnereien weltweit.

Dorsten

, 30.04.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieter Sossna ist Managing Director und Gründer der Firma Sossna GmbH. Seine Tochter Susanne Sossna leitet das Unternehmen. „Meine Tochter ist die Chefin, ich bin eigentlich Ruheständler“, erklärt Dieter Sossna.

Seit Neuestem ist das Ingenieurbüro der beiden an der Fürst-Leopold-Allee 96 auf dem ehemaligen Hervester Zechengelände heimisch geworden. „Wir sind hier unbekannt“, sagt Sossna. In der unmittelbaren Umgebung ist das, was Sossna Spinnerets konstruiert, kaum gefragt. Weltweit aber schon.

Vor dem Werk in Changzou werden die Düsen in Augenschein genommen - die Abstände müssen tausendstel Millimeter genau sein, sonst wird das Webergebnis unregelmäßig.

Vor dem Werk in Changzou werden die Düsen in Augenschein genommen - die Abstände müssen tausendstel Millimeter genau sein, sonst wird das Webergebnis unregelmäßig. © privat

Denn Sossna liefert das Know-how und die Konstruktionspläne für Düsen aus Edelstahl, die in Spinnereien „als das Herzstück jeder Anlage“ gelten. Produziert werden diese Düsen nach Plänen aus Dorsten in einer chinesischen Fabrik. Die Technologie hat Dieter Sossna 1991 aus der ehemaligen DDR nach Changzhou exportiert.

Technologie aus der ehemaligen DDR exportiert

„Den Auftrag habe ich bekommen, kurz nachdem ich mich selbstständig gemacht hatte“, erzählt er. Als angestellter Ingenieur eines Anlagenbauers für Chemiefaseranlagen in Westdeutschland waren Sossna die Technik und das Geschäft mit Spinndüsen aus dem Effeff bekannt. Und auch der chinesische Markt war ihm nicht fremd: „Dort war ich häufig über Monate für meine damalige Firma unterwegs.“

Düsen aus dem Werk in Changzhou sind rund um den Globus heiß begehrt. „Wer uns nicht kennt, ist nicht im Geschäft“, sagt der Firmengründer. Denn: „Es gibt international und national nur fünf Firmen, die auf hohem Niveua Düsen für die Textilindustrie herstellen. Eine davon ist die Fabrik in Changzhou“, so der Seniorchef. Sossna Spinnerets hält Anteile am Düsen-Vertrieb der Fabrik in Changzhou - das zahlt sich aus.

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Hier werden die Maskenstoffe aus Dorstener Düsen in China produziert
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60 Millionen Tonnen Chemiefaser werden weltweit jährlich von Düsen in Spinnereien ausgespuckt und zu Textilien oder auch Kunstrasen verarbeitet. „Ziemlich sicher tragen viele Dorstener zu 70 Prozent Fasern aus Düsen aus Dorsten am Körper“, sagt Sossna. Nun eben auch Masken mit dem Maskenvlies aus Spinnereien, die mit den Düsen von Sossna Spinnerets arbeiten.

Explodierende Nachfrage nach Masken kurbelte Geschäft an

Für Sossna Spinnerets war das Spinnvlies für Corona-Schutzmasken, insbesondere in Deutschland, lange Zeit „nur ein Nebengeschäft“. Das hat sich seit der weltweiten Verbreitung des Coronavirus‘ und der explodierenden Nachfrage nach Schutzmaskenvlies schlagartig geändert.

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Plötzlich musste das chinesische Werk wie verrückt Gas geben bei der Düsenproduktion für die Vliese: „In der Fabrik in Changzou ist der Teufel los“, sagt Dieter Sossna. Dort würde jetzt 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche gearbeitet. „Auf besonderen Wunsch der Regierung.“

Schutzmasken aus Dorsten nach China geliefert

Als in China wegen des Coronavirus‘ die Rolläden in den Firmen heruntergelassen wurden, durfte die Fabrik in Changzhou mit Ausnahmegenehmigung der Behörden als eine der ersten bereits Anfang Februar wieder zu Werke gehen und Düsen herstellen. „Wir haben für die 300 Arbeiter hier in der Umgebung von Dorsten Schutzmasken und Desinfektionsmittel besorgt“, sagt Sossna.

Die Düsen aus Changzou

Die Düsen aus Changzou © privat

Dann erreichte Corona die westliche Welt, Schutzmasken und Mittel waren allerorten rar. „Da haben sich die Chinesen bei uns revanchiert, und wir bekamen als eine der Ersten Masken geliefert“, sagt Dieter Sossna. „Wir haben dann, so gut wir konnten, Krankenhäuser, Unternehmen, befreundete Firmen damit bestückt“, erzählt er.

In 65 Ländern der Welt arbeiten die Düsen

Das aber nur nebenbei. Denn das Herzstück von Sossna Spinnerets sind und bleiben die Düsen. Sie arbeiten in 65 Ländern der Welt rund um die Uhr in Spinnereien, um Maskenvliese auszuspucken.

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