Coronavirus: Wohnungslose sind Opfer der Hamsterkäufe in Dorsten

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Die Wohnungslosenhilfe leidet Not, seitdem die Panik wegen Corona um sich greift. Wegen Hamsterkäufen fällt für die wirklich Not leidenden Menschen in Dorsten nur noch wenig ab.

Dorsten

, 12.03.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

10 bis 30 Männer und Frauen kommen in der Woche täglich in die Beratungsstelle der Wohnungslosenhilfe an der Borkener Straße 37. Weil sie Hunger haben. Weil sie ihre Wäsche waschen wollen. Oder duschen möchten. Oder einfach nur mal ein paar Stunden im Trockenen sitzen möchten, seitdem Dauerregen unsere Region heimsucht.

Spenden können montags bis donnerstags von 8 bis 13 Uhr und freitags von 8 bis 12.30 Uhr in der Beratungsstelle der Wohnungslosenhilfe, Borkener Straße 37, abgegeben werden. Ein Abholservice besteht ebenfalls für Menschen, die die Spenden nicht selbst vorbeibringen können. Spender melden sich dann unter Tel. (02362) 69718.

„Lebensmittel und Konserven können wir dringend gebrauchen“, sagt Vanessa Greef-Groß, Leiterin der Anlaufstelle für Menschen in besonderen Lebenslagen. Die Vorratsregale in der Beratungsstelle seien leer, so Greef-Groß.

Eine Packung Milch, eine Box mit Eiern

Tatsächlich weist das Regal noch eine Packung haltbare Milch auf, ein paar Nudeln, eine Box mit Eiern und eine Dose mit Kakaopulver und eine Flasche Curry-Ketchup. Das war’s dann aber auch schon. Die Wohnungslosenhilfe bekam vor Corona immer genug Spenden, um die Besucher morgens zum Frühstück oder für eine warme Mahlzeit durchzufüttern. „Wir haben dann gemeinsam aus den Vorräten gekocht“, erzählt die Beratungsstellenleiterin. Das fällt zurzeit flach, da die Lebensmittel ausgegangen sind.

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Vanessa Greef-Groß hat eine Erklärung für den Engpass: Seit das Coronavirus um sich greift, tröpfeln die Spenden nur noch. Bis auf einige wenige Gönner raffen andere Menschen augenscheinlich nur für sich zusammen, was sie ergattern können, wie leer gefegte Regale in den Supermärkten veranschaulichen.

Botschaft auf Facebook gepostet

„Aufgrund der (unangemessenen) Hamsterkäufe sind nur noch wenige Dosen im Supermarkt erhältlich. Bitte denkt auch an die Leute, die am Rande der Gesellschaft leben! In Ausnahmefällen können wir einen Abholservice vereinbaren.“ Diese Botschaft hat Greef-Groß auf Facebook hinterlassen und gleichzeitig um Spenden für ihre Beratungsstelle gebeten.

Herbert Rentmeister von der Dorstener Tafel kann die Hamsterkäufe ebenfalls nicht nachvollziehen: „In Kürze werden wahrscheinlich wieder tonnenweise Lebensmittel weggeworfen, die die Leute, die diese Lebensmittel gehortet haben, gar nicht essen können.“

Dorstener Tafel springt ein, Spenden dringend nötig

Während die Tafel ankündigte, der Wohnungslosenhilfe mit einer Erstspende aus dem eigenen Lager beistehen zu wollen, bittet Vanessa Greef-Groß die Bevölkerung über unser Medium um Hilfe. „Wir wollen nicht betteln, freuen uns aber, wenn haltbare Lebensmittel wie Konserven, Nudeln, Brot und Toast bei uns abgegeben würden.“ Auch die Waschmittelvorräte gingen zur Neige und müssten wieder aufgefüllt werden. Artikel für die Körperhygiene sind ebenfalls herzlich willkommen.

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