Coronavirus: Wulfener Musikwoche ist eine große Herausforderung

hzWulfener Musikwoche

Die 26. Wulfener Musikwoche ist im Gemeinschaftshaus Wulfen gestartet - unter Corona-Bedingungen und nur als geschlossene Gesellschaft mit 39 Teilnehmern.

von Sabine Bornemann

Wulfen-Barkenberg

, 07.08.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das übliche Abschlusskonzert entfällt und wird durch eine Aufzeichnung in Bild und Ton ersetzt.

Für Chormusik gelten besondere Regeln: Nur Haushaltsgemeinschaften dürfen direkt nebeneinander sitzen. Alle anderen Teilnehmer sitzen einzeln im Abstand von drei Metern zum Nebenmann und vier Metern zur Vorderfrau verteilt in der ganzen Agora des Gemeinschaftshauses. So sind alle auf sich allein gestellt, haben meist auch keinen Partner in der gleichen Stimmlage neben sich.

Denn die Literatur, die der musikalische Leiter Wolfgang Endrös für diese alternative Musikwoche ausgewählt hat, enthält auch mehrere dreichörige Werke. Die Sitzverteilung orientiert sich also daran, dass die drei Chorblöcke untereinander ausgewogen besetzt sind, jeweils mit 13 Stimmen bei gleicher Verteilung der Lagen.

Die eingerosteten Stimmen mussten geweckt werden

Was bedeutet das für die Sänger? Zunächst waren alle etwas „eingerostet“, denn wenn man monatelang keinen Ton mehr gesungen hat, muss die Stimme erst wieder geweckt werden. Wolfgang Endrös macht deshalb zu Beginn immer eine Einheit „Stimmbildung“ - wegen Corona ohne stark aspirierende Konsonanten, die mehr Aerosole verursachen. Das weiche italienische Latein in den Stücken von Gabrieli, Groce, Willaert und Monteverdi kommt den Sängern dabei entgegen.

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Die Herausforderung dieser Musik liegt weniger im Finden der einzelnen Töne, die sich oft in harmonischen Plateaus bewegen, sondern eher im pünktlichen und rhythmisch richtigen Einsatz der versetzten Einzelstimmen. Blocksätze kommen nur selten vor. So muss jede und jeder selber zählen und kann nicht auf einen Stimmnachbarn warten, um sich dran zu hängen.

Zu Anfang einige Unsicherheiten

Das verursachte zunächst Unsicherheit, aber inzwischen fangen die Teilnehmer an, engagierter aufzutreten, zumal der Chorleiter jeden Fehler hört und dann weiß, was er noch mal üben muss. Dafür ist eine Probe ja da. Der Chorklang insgesamt ist viel besser gemischt und ausgesprochen sauber intoniert. Mit einem Schmunzeln verriet Wolfgang Endrös noch einen wohltuenden Effekt: „Der Chor ist sehr diszipliniert bei der Sache, denn kaum einer hat jemanden neben sich, mit dem er quatschen könnte.“

Endlich wieder zusamen Musik machen

Wer sich auf dieses Experiment eingelassen hat, ist begeistert. Endlich kann man wieder zusammen Musik machen, wenn auch mit Auflagen. Und Wolfgang Endrös gelingt es zusätzlich hervorragend, als Hintergrundinfos zu den Werken die Rolle von Venedig als Musikmetropole plastisch zu vermitteln – ein anspruchsvolles Musikseminar.

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