Das europaweit erste Corona-Denkmal ist in Dorsten enthüllt worden

Glosse

Dorsten ist um ein Wahrzeichen reicher: In der Innenstadt wurde ein spektakuläres Corona-Denkmal eingeweiht. Eine Lichtinstallation, die für heftige Diskussionen sorgen dürfte, wird folgen.

Dorsten

, 06.05.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das erste Corona-Denkmal Europas wurde am Mittwoch in der Dorstener Innenstadt eingeweiht.

Das erste Corona-Denkmal Europas wurde am Mittwoch in der Dorstener Innenstadt eingeweiht. © Michael Klein

Die Stadt Dorsten ist um ein spektakuläres Wahrzeichen reicher: In der Innenstadt ist das erste Corona-Denkmal Europas enthüllt worden. Die Fachwelt spricht bereits von einer „künstlerischen Sensation“.

Keine Öffentlichkeit dabei

Wegen des Corona-Kontaktverbots fand die Einweihung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. So bekamen am Mittwoch (6. Mai) nur wenige Bürger zufällig mit, dass das Kunstwerk des berühmten Bildhauers Wilhelm Lehmbruch in der Essener Straße am Eingang der neu gestalteten Fußgängerzone aufgestellt worden ist.

Aus reinster Bronze

Die Skulpturen-Gruppe aus Bronze zeigt zwei überdimensionierte Figuren, die sich gedankenlos mit Handschlag begrüßen wollen. Doch der Künstler lässt sie in ihren Bewegungen erstarren, in gebührender und schützender Distanz - mehr als ein Meter liegt zwischen den beiden Statuen. „Zeig Anstand - halt Abstand“ schwebt wie ein unausgesprochenes Mantra über dieser Szenerie.

Zwei typische Vertreter

Lehmbruch porträtiert typische Vertreter zweier Bevölkerungsgruppen, die von der Corona-Krise besonders betroffen sind. Hier der stiernackige Bürger, der wegen des erzwungenen Bewegungsmangels und der mit fortwährender Nahrungsaufnahme bekämpften Langeweile im Homeoffice feister und immer feister geworden ist. Und dort der gramgebeugte Bauer, der wegen ausbleibender fremdländischer Erntehelfer selbst die Spargelstangen mit seinen schrundigen Fingern aus der gülle-getränkten Ackerkrume klauben musste.

Eine Schaf-Figur komplettiert das neue Kunstwerk.

Eine Schaf-Figur komplettiert das Kunstwerk. © Michael Klein

Blökendes Schaf

Zu ihren Füßen steht ein Schaf. So ist die Troika zugleich Menetekel geworden für globale Tier-Epidemien wie Vogelgrippe, Schweinepest, Rinderwahnsinn und Ziegenpeter.

Vorsitzende Sabine-Petra Schwanen-Bachemberg vom „Dorstener Kunstverein Virtuell-Virusell“ übergab der Stadt die Skulptur als Geschenk. Sie ist stolz, dass Wilhelm Lehmbruch, ein „Großmeister der Moderne“, das Denkmal entworfen hat.

Restrospektive im Kleinklärwerk

Die Werke des Duisburger Künstlers erzielen Millionenpreise auf Auktionen. Auch in Dorsten ist er kein Unbekannter: Lehmbruch hatte im Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 seine aufsehenerregenden Plastiken aus Bruchlehm ausgestellt - und zwar im Kleinklärwerk des Creativ-Quartiers in der stillgelegten Kohlrabi-Schichtanlage Altendorf-Ulfkotte.

Stimmungsvoller Lichterkranz

Bürgermeister Tobias Stockhoff kündigte bei der Einweihung an, dass das Corona-Denkmal nachts angestrahlt werden soll. Die dafür geplanten Beleuchtungskörper dürften aber noch für heftige Diskussionen sorgen.

Denn der Illuminations-Designer Friedhelm Funzel hat einen provokanten Lichterkranz in der stacheligen Kugelform des Coronavirus‘ kreiert, dessen Covid-19-Watt-Strahler in wechselnden Farbtönen leuchten sollen.

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