Dorstens kleinster Stadtteil bietet vor allem viel Lebensqualität

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Geschäfte? Gibt es nicht. Große Arbeitgeber? Fehlanzeige. In Deuten ist nicht viel los, könnte man meinen. Doch Dorstens kleinster Stadtteil hat ganz andere Qualitäten.

von Gregor Rößmann

Deuten

, 22.07.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wo das Ruhrgebiet aufhört und das Münsterland beginnt, da liegt Deuten. Die Dorfbewohner sind vor allem Deutener - und ja: irgendwie natürlich auch Dorstener. In Dorstens kleinstem Stadtteil mit etwa 1700 Einwohnern hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Und mancher, der viele Jahre in der weiten Welt unterwegs war, ist wieder dorthin zurückgekehrt.

Den meisten gefallen die Ruhe, die funktionierenden Nachbarschaften, das Vereinsleben und natürlich die Natur, das wird in Gesprächen mit den Bewohnern schnell deutlich. Einkaufsmöglichkeiten gibt es bis auf einen Bäcker-Service nicht. Industrie und große Arbeitgeber auch nicht. Nach wie vor prägt die Landwirtschaft die Gegend, obwohl viele Höfe in den Bauernschaften Sölten, Altdeuten und Brosthausen aufgegeben wurden.

Milchbauer? „Das ist nicht jedermanns Sache“

Von den fünf Höfen, die die Familie Kötters einst in Altdeuten betrieb, gibt es noch einen. Markus Kötters und sein Vater Josef (80) haben als Milchbauern lange Arbeitstage - „das ist nicht jedermanns Sache“, sagen sie. Mit 100 Milchkühen ist auch ihr Betrieb immer weiter gewachsen, um am Markt bestehen zu können.

Drei Generationen einer landwirtschaftlich geprägten Familie: Die Kötters bewirtschaften in Deuten einen Milchviehbetrieb.

Drei Generationen einer landwirtschaftlich geprägten Familie: Die Kötters bewirtschaften in Deuten einen Milchviehbetrieb. © Gregor Rößmann

„Heute ist es nicht einfach, den Nachwuchs für die Landwirtschaft zu begeistern“, sagen sie. „Krankheitszeiten müssen schnell durch Unterstützer des Betriebshilfsdienstes aufgefangen werden, der Fachkräfte vermittelt.“ Die Kötters klagen nicht, obwohl sie für ihre rund 2500 Liter Milch pro Tag keine fairen Preise bekommen. Sie bilden mit den Landwirten in der Region eine starke Gemeinschaft. Und ja: „Natürlich wird es weitergehen.“

Tennis ist auch was für die Mädchen

Die Landwirtschaft prägt Deuten, der Sport aber auch. Fußball- und Tennisverein sind, gemessen an der Größte des Stadtteils, überaus erfolgreich. Das Vereinsleben wird liebevoll gepflegt und ist fester Bestandteil der Freizeit von Jung und Alt.

So trifft sich am Tennisplatz auch regelmäßig eine eingeschworene Herrenrunde. Die freundlichen Gründungsmitglieder erzählen gerne von damals, als die alte Steag-Hütte am heutigen Vereinsgelände stand und neben dem beliebten Fußballverein eine sportliche Alternative den Anfang nahm. „Endlich konnten wir im Dorf auch den Mädchen etwas bieten“, erinnert sich Wilhelm Evers. Die Anmeldezahlen waren so hoch, dass sogar eine Warteliste existierte.

Ihr zweites Zuhause ist der Tennisplatz: Wilhelm Evers, Berthold Janowitz, Jaap Oudshoorn, Josef Krampe, Werner Ogrzewalla und Werner Oberhein (v.l.) freuen sich, wie sich ihr Verein entwickelt hat.

Ihr zweites Zuhause ist der Tennisplatz: Wilhelm Evers, Berthold Janowitz, Jaap Oudshoorn, Josef Krampe, Werner Ogrzewalla und Werner Oberhein (v.l.) freuen sich, wie sich ihr Verein entwickelt hat. © Gregor Rößmann

Josef Krampe erinnert sich noch an den kleinen Laden und die Tankstelle, die es damals im Ort gab. „Es war sehr ruhig hier, aber man war ja nicht aus der Welt.“ Wegziehen wollten die wenigsten, fuhr man doch zum Arbeiten hinaus in die Städte und hatte in Deuten seinen Ruhepol. Daran hat sich wenig geändert.

Bewusstsein für die Natur entwickeln

Der Heimatverein hat mittlerweile einen Generationswechsel vollzogen. Geschäftsführerin Anne Heßbrügge, ausgebildete Landschaftsführerin, bringt sich mit viel Energie ein und stellt stolz die Streuobstwiese am Lasthausener Weg vor. Mit der Natursteinmauer und den alten Obstsorten ist hier ein Insektenmagnet entstanden. „Es ist wichtig, den Menschen wieder ein Bewusstsein für die Wichtigkeit unserer Natur zu geben“, sagt sie. Dann radelt sie weiter zum Storchennest, das auch von den Vereinsmitgliedern betreut wird.

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