Coronavirus: Erste Frisöre in Dorsten schließen, um Kunden und sich selbst zu schützen

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Frisöre dürfen offiziell noch geöffnet haben. Erste Salons machen nun auf eigene Faust dicht. Andere werben damit, auch in Zeiten der Corona-Krise für ihre Kunden da zu sein.

Dorsten

, 20.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jürgen Rütter bringt es auf den Punkt: „Für mich als Frisör ist es unmöglich, den empfohlenen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern einzuhalten“, sagt er. Soll ich etwa mit einer Heckenschere mit langem Stiel die Haare schneiden?“

Seit Donnerstag ist sein Salon an der Klosterstraße geschlossen. „Aber wirtschaftlich gesehen, ist es eine schwierige Situation. Die Einnahmen fehlen, aber die Kosten laufen weiter. Wir hoffen auf staatliche Unterstützung, sonst müssen wir wieder öffnen – trotz Corona-Krise.“

Viele Termine für die kommenden Wochen wurden abgesagt

Vernunft auf der einen Seite, dringend benötigte Einnahmen auf der anderen. In vielen Dorstener Friseursalons hat sich der Terminplaner für die kommenden beiden Wochen geleert. Unsicherheit und Existenzängste plagen Saloninhaber und Angestellte.

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In einem anderen Dorstener Salon heißt es: „Viele Kunden sagen ihre Termine ab. Wir bewerten die Situation jeden Tag neu und schauen, welche Möglichkeiten es bezüglich wirtschaftlicher Unterstützung gibt. Wir hoffen, diese Krise als Betrieb überleben zu können.“

Eine Mitarbeiterin äußert sich kritisch: „Ich bin auf den Job angewiesen, fühle mich aber unwohl dabei und verstehe nicht, dass die Regierung die Salons auflässt und uns Frisörinnen dieser Gefahr aussetzt.“ Es ist die einzige kritische Äußerung hier - Kolleginnen halten die Fortsetzung ihrer Arbeit für unbedenklich.

Hinweise auf aktuell wichtige Verhaltensregeln finden sich auch an der Tür des Frisörsalons Marmaris.

Hinweise auf aktuell wichtige Verhaltensregeln finden sich auch an der Tür des Friseursalons Marmaris. © Bianca Glöckner

In Zeiten der Krise haben die Salons ihre ohnehin hohen Hygienestandards verschärft. „Sämtliche Arbeitsgeräte, Sitzflächen und Tische werden nach jedem Haareschneiden gründlich desinfiziert“, schildert Kerstin Chemnitzer, die in ihrem Salon an der Recklinghäuser Straße bisher nur moderate Umsatzrückgänge verzeichnet. „Auch in Zeiten der Corona-Krise bleiben die Menschen eitel und wollen nicht auf ihren Friseurtermin verzichten.

Großer Salon ermöglicht Sicherheitsabstand zwischen Kunden

Ihr großer Salon ermögliche es, zwischen Kunden mehrere Meter Sicherheitsabstand zu halten, sagt Kerstin Chemnitzer. „Wir achten sehr auf die Gesundheit unserer Mitarbeiter, um die Möglichkeit einer Ansteckung zu minimieren. Unsere Kunden sind so vernünftig, dass sie bei einer Erkältung ihren Termin absagen.“

Für Jürgen Rütter ist eine Schließung alternativlos. „Der Schutz der Gesundheit unserer Mitarbeiter und unserer Kunden lässt uns keine andere Wahl, als unseren Salon vorübergehend zu schließen“, steht an der Eingangstür seines Salons. Ein anderer Salon wirbt mit einem Schild: „Wir dürfen für Sie da sein! Freuen Sie sich auf ein paar Minuten Entspannung und genießen Sie Ihren Aufenthalt.“

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