Dieser Dorstener Tierschützer hat 33 ungarische Hunde gerettet

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Um Hunden die Chance auf ein besseres Leben zu schenken, reiste Peter Ludwig unter Corona-Auflagen nach Ungarn. So kam er zu dem Ehrenamt, deswegen engagiert er sich und so war die Reise.

Dorsten

, 29.10.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Peter Ludwig ist immer noch gerührt, wenn er von seinem ersten Auslandseinsatz berichtet. 33 Hunde konnten er und seine zwei Begleiterinnen aus einem ungarischen Tierheim nach Deutschland holen und sie dort ihren neuen Besitzern übergeben.

Als Welpe in einer Plastiktüte ausgesetzt, lebt Maja heute bei Familie Ludwig

Der Dorstener und seine Frau übernahmen 2011 ihren ersten Hund vom Tierschutzverein Cani F.A.I.R., der ein privat geführtes Tierheim in Miskolc (Ungarn) unterstützt. „Livy lebte zweieinhalb Jahre dort“, weiß Peter Ludwig. Schon vor Livy hatten die Ludwigs immer wieder Hunde aus dem Tierschutz. „Als ich auf Cani F.A.I.R. gestoßen bin, war ich ganz angetan. Die haben nicht so auf Drama gemacht, wie man das vielleicht sonst vom Auslandstierschutz kennt“, erzählt der promovierte Chemiker.

Zu Livy gesellte sich bald Maja – ebenfalls aus Miskolc. „Sie hatte man als Welpe in einer Plastiktüte gefunden. In Ungarn war sie kurzzeitig vermittelt, kam dann aber zurück, weil sie sehr schüchtern war“, erzählt Peter Ludwigs Ehefrau.

Wegen Corona: Einreise nur mit Sondergenehmigung möglich

Dem Verein blieb Peter Ludwig verbunden. Beim jährlichen Hunde-Treffen sind er, seine Frau und die Hündin immer dabei. Auch die ungarischen Tierschützer kommen zu dieser Gelegenheit gerne nach Deutschland, um ihre Schützlinge in der neuen Heimat wiederzusehen. „Diese Jahr ging das wegen Corona natürlich nicht“, so Ludwig.

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Auch für ihn und die Tierschützerinnen war es schwer, im Oktober nach Ungarn einzureisen. Nur 24 Stunden durften sich die Deutschen in dem Land aufhalte Eine vom ungarischen Tierheim ausgestellte Sondergenehmigung ermöglichte überhaupt erst den Grenzübertritt. Eigentlich bleiben die deutschen Tierschützer circa eine halbe Woche in Ungarn, machen Fotos der zu vermittelnden Tiere vor Ort, tauschen sich mit den Kollegen aus.

So sieht ein Teil der 33 Schützlinge aus, die nun in Deutschland leben. Sie sind zwischen drei Monaten und 17 Jahren alt.

So sieht ein Teil der 33 Schützlinge aus, die nun in Deutschland leben. Sie sind zwischen drei Monaten und 17 Jahren alt. © Privat

Dieses Mal war all das nicht möglich. Freitag um 19 Uhr ging es im umgebauten Sprinter los in Richtung Osteuropa. Nach vier Stunden Schlaf in einem Appartement und einer Pizza zum Frühstück luden die Tierschützer am Samstag um 19 Uhr die Spenden aus dem Sprinter aus und 33 Hunde ein.

Die Rastplätze der A3 als Brücke in ein neues Leben

Peter Ludwig kontrollierte gemeinsam mit der Tierärztin vor Ort die Identifikationsnummern der gechipten Tiere mit der in den EU-Ausweisen. An die Außenseite der Transportboxen heftete er den Ausweis und den Steckbrief des Tieres.

Kostbare Fracht: Der eigens umgerüstete Sprinter war gefüllt mit Transportboxen.

Kostbare Fracht: Der eigens umgerüstete Sprinter war gefüllt mit Transportboxen. © Privat

Diese organisatorischen Vorbereitungen seien entscheidend, denn die Hunde wurden gleich dem endgültigen Besitzern und den Pflegestellen übergeben.

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Entlang der A3 gaben die Tierschützer die Hunde ab dem Rastplatz Regensburg Ost, über die Raststätte Medenbach Ost bis zum Parkplatz für Fahrgemeinschaften in Hilden an insgesamt sieben Haltepunkten in die Obhut der neuen Besitzer oder Pflegestellen.

Viele Menschen würden bei den Stichworten „Sprinter“ und „Übergabe am Rastplatz“ gleich an dubiose Machenschaften denken, weiß das Ehepaar Ludwig.

Die Tierschützer wählen das neue Zuhause sorgfältig aus

Bei Cani F.A.I.R. sei es aber gewiss anders: Wer einen Hund auf der Homepage des Vereins entdeckt, kann die Pflegestelle bzw. den Verein kontaktieren. Die Ehrenamtler führen ein Gespräch mit den Interessenten, schauen, ob Hund und Halter zusammenpassen würden. Dann schaut sich der Verein die Gegebenheiten vor Ort an. Stimmt alles, wird ein Übernahmevertrag ausgefüllt. Gegen eine Schutzgebühr und das Versprechen, den Hund im Notfall wieder an den Verein zu übergeben, wird das Tier nach Deutschland geholt. Der Vierbeiner ist dann schon gechipt, auf die gängigsten Krankheiten gecheckt, hat ein großes Blutbild mit im Gepäck, Wurmkur und Giardentest, Spot-On-Behandlung gegen Ektoparasiten, Impfungen und in der Regel eine Kastration hinter sich.

Applaus für die Tierretter

Während der Reise wurden die neuen Besitzer über eine WhatsApp-Gruppe auf dem Laufenden gehalten.

Die Tierschützer transportierten die Hunde nachts. An der Tür jeder Transportbox: Der Steckbrief und der EU-Ausweis des Hundes.

Die Tierschützer transportierten die Hunde nachts. An der Tür jeder Transportbox: der Steckbrief und der EU-Ausweis des Hundes. © Peter Ludwig

An die letzte Station in Hilden kann sich Peter Ludwig noch besonders gut erinnern. 19 Hunde wurden dort ausgeladen. Auf dem großen Parkplatz standen die neuen Besitzer Corona-konform in weitem Abstand zueinander Spalier und klatschten für die Tierschützer. Selbst zwei Wochen später treibt das Erlebte dem Dorstener Tränen in die Augen.

Auf jeden Fall will er bei der nächsten Fahrt wieder dabei sein. „Ich habe ja Zeit“, meint er. Und: „Mich begeistert einfach, dass man den Hunden so helfen kann.“

Ziel der Kooperation: Hilfe zur Selbsthilfe

Durch die Kooperation mit den deutschen Tierschützern hat sich das Tierheim Miskolc zu einem Vorzeige-Tierheim gemausert. Nach einem schweren Unwetter, der die in Eigenregie gezimmerten Zwingern zerstörte, wurde 2006 ein kompletter Neubau errichtet - mit OP, Quarantänestation, Ausläufen und Zwingern. Neben einer Tierärztin, die die Insassen versorgt sowie Hunde von finanziell schlechter gestellten Menschen kostenfrei behandelt, setzt das Tierheim auf Bildungsarbeit. Schüler werden zu Informationsveranstaltungen eingeladen und der ein oder andere Interessierte verliebt sich bei den regelmäßigen „Gassi-Geh-Tagen“ in einen der Vierbeiner.

Tierschutz in Ungarn

Cani F.A.I.R

Die erste Vorsitzende von Cani F.A.I.R., Sonia Reisner, informiert über Auslandstierschutz. Wenngleich der Umgang mit Haustieren in Ungarn anders sei als in Deutschland, habe sich einiges getan, meint Sonja Reisner.
Sonia Reisner adoptierte ihren dritten Hund aus Ungarn. Ozkar, der nun Ragna heißt, kam ebenfalls im Oktober nach Deutschland.

Sonia Reisner adoptierte ihren dritten Hund aus Ungarn. Ozkar, der nun Ragna heißt, kam ebenfalls im Oktober nach Deutschland. © Privat

  • „Tötungsstationen gibt es nur noch an gewissen Orten. Die Städte können Tötungen anordnen, wenn die Tierheime zu voll werden.“ Kürzlich sei es so gewesen, dass das städtische Tierheim in Miskolc Hunde hätte töten sollen. Die Mitarbeiter wendeten sich aber zuerst an das private Tierheim, das von Cani F.A.I.R. unterstützt wird. Sie nahmen einige Vierbeiner auf und retteten so das Leben der Tiere.
  • Um die 300 Hunde beherbergt das Tierheim in Ungarn. Die vermittlungsbereiten Vierbeiner sind auf der Homepage des Vereins (www.canifair.de) aufgelistet. Listenhunde darf der deutsche Tierschutzverein hierzulande nicht vermitteln.
  • Etwa fünfmal im Jahr werden Hunde aus Ungarn nach Deutschland gebracht. Meistens gehen die Tiere auf Pflegestationen oder gleich zu den neuen Besitzern, selten in ein deutsches Tierheim. „Das machen wir in Ausnahmefällen, um die ausländischen Tierheime zu entlasten“, so Sonia Reisner.
  • Als Konkurrenz zum hiesigen Tierschutz will die erste Vorsitzende die Arbeit des Vereins nicht verstanden wissen: „Wer als Familie einen Hund aus dem Tierschutz sucht, findet im Tierheim unter Umständen nur Listen- oder Problemhunde.“ Für Anfänger seien die aber nicht unbedingt geeignet. „Der Hund aus dem Ausland macht den Hunden vor Ort nicht den Platz streitig“, stellt Reisner klar, die sich zusätzlich im Marler Tierheim engagiert.
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