Riesige Nachfrage: Dorsten bietet Firmen Masken-Sammelbestellung an

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Dorsten unterhält ein riesiges Corona-Lager für die Notversorgung systemrelevanter Berufsgruppen. Doch jetzt können alle Firmen Bestellungen aufgeben. Die Stadt nennt das „pragmatisch“.

Dorsten

, 02.05.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

An mehreren geheimen Orten lagert die Stadt Dorsten Tausende Atemschutz- und Mund-Nase-Masken, Schutzanzüge und Hygieneartikel - „für die Notversorgung systemrelevanter Berufe“, wie es vor wenigen Tagen hieß. Doch den Begriff „Notversorgung“ interpretiert die Stadt inzwischen offenbar neu.

Am 24. April hat die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft Windor per Newsletter Unternehmen in Dorsten die Möglichkeit eröffnet, Desinfektionsmittel und Mund-Nase-Schutz „für Kunden und Mitarbeiter über eine zentrale Beschaffung zu erwerben“.

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Der Begriff „Notversorgung“ fiel in dem Angebotsschreiben nicht, wohl aber fünf Tage später in einer zweiten E-Mail und nach einer Anfrage der Dorstener Zeitung. Windor interpretiert die Bestellungen von mehr als 100 Firmen nun als Indiz, dass nach Einführung der Maskenpflicht mancherorts offenbar große Not herrscht. Ungeachtet der Tatsache, dass es OP-Masken „zum Selbstkostenpreis von 63 Cent“ derzeit wohl nirgendwo günstiger gibt. Auch das mag ja ein Grund für die hohe Nachfrage gewesen sein.

„Das ging durch alle Branchen“

20.000 medizinische Einweg-OP-Masken und 2000 Stoffmasken sowie eine sehr geringe Menge Hand- und Flächendesinfektion sind nach Angaben der Stadtverwaltung geordert worden. „Die Bitte um Unterstützung ging durch alle Branchen“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne. Vor allem Firmen, die sich mit dieser Thematik nie auseinandersetzen mussten, stünden jetzt vor der Aufgabe, Schutzausrüstung für Mitarbeiter oder Kunden „in einem für sie vollkommen fremden Markt“ zu besorgen.

Böhne spricht deshalb von „pragmatischer Wirtschaftsförderung“, denn „fehlende Schutzausrüstung hätte in manchen Unternehmen „den Betriebsneustart infrage gestellt, in anderen akut den Weiterbetrieb“.

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Gerüstet für die zweite Welle

Das Notfall-Lager wird von dem Windr-Angebot insgesamt nicht berührt, betont die Stadtverwaltung. „Die Bestände bleiben stabil für eine nach wie vor nicht ausgeschlossene zweite Infektionswelle bei gleichzeitigen Lieferengpässen, die dann unweigerlich eintreten werden“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne. Die Lagerbestände müssten dann insbesondere für das Gesundheitssystem zur Verfügung stehen. Versorgungskritisch seien insbesondere FFP2-Masken, die den Träger selbst in hohem Maße vor einer Infektion schützen und die zwingend in Krankenhäusern und Arztpraxen, Pflegeheimen und Pflegediensten benötigt würden.

Nach der kurzfristigen Starthilfe, die es nur bis zum 1. Mai und erst nach einer „Plausibilitätsprüfung“ gab, kann laut Windor allerdings „wie ursprünglich geplant“ zu den gleichen Konditionen für den langfristigen Bedarf nachgeordert werden. Lieferzeit dann: zwei bis drei Wochen.

Weiterverkauf ist ausgeschlossen

Inzwischen und ebenfalls auf Nachfrage hat Windor das Vorgehen weiter präzisiert. „Die Stadt beschafft Masken nur für den eigenen Bedarf der Unternehmen. Sie sind nicht für den Weiterverkauf bestimmt.“ Jedem Besteller werde ein Zeitkorridor genannt, in der das Paket kontaktlos abgeholt werden kann.

Und natürlich wolle die Stadt auch nicht in den Markt eingreifen: „Es gibt in Dorsten eine Reihe Anbieter für Mund-Nase-Schutz“, heißt es vonseiten der Wirtschaftsförderung. Sie hat auch eine kleine Übersicht auf ihre Homepage gestellt. Firmen, die aus der Not heraus vielleicht ein neues Geschäftsfeld gefunden, aber womöglich nicht die Möglichkeit haben, in ganz großem Stil und zu vergleichbaren Konditionen zu bestellen.

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