Gegen Eichenprozessionsspinner setzt Dorsten auch auf „EPS-Fallen“ und „Raupen-Melder“

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Juckreiz, Atemnot - der Eichenprozessionsspinner hat im letzten Jahr viele Menschen und Tiere in Dorsten gequält. Da gab es aber den „Raupen-Melder“ und die „EPS-Falle“ noch nicht.

Dorsten

, 11.01.2020, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

So schlimm wie 2019 war die Raupen-Plage noch nie in Dorsten. Über 1000-mal wurden dem Ordnungsamt im Frühjahr und Sommer Bäume gemeldet, an denen der giftige Eichenprozessionsspinner (EPS) gesichtet wurde. „Die Zahl hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt“, sagt Christoph Fortmann. Besonders übel war es in Wulfen, Hervest, Holsterhausen und der Feldmark.

Der Leiter des Ordnungsamtes und seine Kolleginnen und Kollegen waren für viele Menschen der Blitzableiter. Denn sie erhielten nicht nur Hinweise, wo sich die kleinen Raupen befinden, sondern bekamen am Telefon oft auch den Unmut von Menschen zu spüren, die sich mit der Plage alleingelassen fühlten. „Die Reaktionen waren nicht immer schön.“

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Niemand weiß, wie es 2020 wird. Ein trockener August und ein bislang milder Winter lassen aber die Vermutung zu, dass der Eichenprozessionsspinner sich möglicherweise wieder „prächtig“ entwickelt. „Niemand sollte glauben, dass dieses natürliche Phänomen vollständig in den Griff zu bekommen ist“, meint Dezernentin Nina Laubenthal. Aber die Stadtverwaltung ist nach eigenem Bekunden diesmal besser vorbereitet.

Gegen Eichenprozessionsspinner setzt Dorsten auch auf „EPS-Fallen“ und „Raupen-Melder“

Wegen der Vielzahl der Fälle mussten im vergangenen Jahr Spielplätze, wie hier in Rhade, zeitweise gesperrt werden. © Guido Bludau


Denn im Rathaus wurde in den letzten Monaten zum Beispiel eine Kartierungssoftware mit dem Namen „Der Raupenmelder“ entwickelt. Über den normalen PC-Webbrowser und via Smartphone können Bürger ab März einen Befall melden und müssen nicht mehr zwingend im Ordnungsamt anrufen. Durch Aktivierung der GPS-Funktion in den Handys werden die befallenen Bäume punktgenau abgebildet, das erleichtert die weitere Arbeit enorm.

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„Wir können dann Prioritäten festlegen und entscheiden, ob und wann wir die Raupen bekämpfen“, sagt Andreas Fuest (Grünflächenamt). Schulen und Kindergärten stehen in dieser Liste weit oben, dort wird die Stadt mit eigenen Trupps sprühen, auch präventiv, oder die Raupen von den Bäumen saugen. An vielen anderen Stellen kommen wieder externe und auf Baumpflege spezialisierte Firmen zum Einsatz, das hat Dorsten im letzten Jahr 300.000 Euro gekostet.

Zur Sache

Arbeitsgruppe erarbeitete Strategie

Die Stadtverwaltung ist rechtlich nicht verpflichtet, gegen die Auswirkungen des Eichenprozessionsspinners vorzugehen. „Aber wegen der großen Betroffenheit der Bürger tun wir, was wir können“, sagt Dezernentin Nina Laubenthal. Im September 2019 hat die Stadtverwaltung eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die neue Strategie entwickelt hat. Neben der Bekämpfung der Auswirkungen der Raupen-Plage geht es auch um bessere Information und Aufklärung. Laubenthal: „Ein möglicher Kontakt mit den Härchen des Eichenprozessionsspinners kann durch strategisches Handeln eingedämmt, aber niemals ausgeschlossen werden.“

Gespritzt wird in Dorsten generell ein Biozid namens „Foray ES“, das nach bisherigen Erkenntnissen den höchsten Wirkungsgrad hat und nur gegen freifressende Schmetterlingsraupen wirkt. „Wir haben uns umfassend informiert, dieses Mittel scheint uns am besten geeignet“, betont Fuest. „Es gibt noch viele andere Methoden, die aber zum Teil noch nicht ausreichend erprobt sind.“

Trotzdem hat sich die Stadtverwaltung entschlossen, zwei Testgebiete einzurichten, um alternative Methoden auszuprobieren:

  • Auf dem Friedhof Schultenfeld in Wulfen-Barkenberg kommt das Präparat „Tp-Nema“ zum Einsatz. Dort gibt es mehr als 100 Eichen. Das Präparat ist deutlich teurer als andere Mittel, hat angeblich keine Auswirkungen auf andere Raupenarten, soll aber nur begrenzt tauglich sein.
  • Im Barloer Busch wird mit Unterstützung des Hegerings eine sogenannte „EPS-Falle“ getestet. Das sind kleine Beutel mit Duftstoffen, die an Bäumen angebracht werden und sich in der Sonne auf 70 Grad aufheizen. Die Eichenprozessionsspinner wandern blindlings hinein, ihre giftigen Härchen werden unschädlich gemacht.

Bessere Kommunikation mit Bürgern

Die Stadtverwaltung lockert darüber hinaus die Vorgaben für Privateigentümer. Sie dürfen auf eigene Kosten Nistkästen für natürliche Feinde der Raupen und EPS-Fallen aufhängen, städtische Bäume in der Nachbarschaft ihrer Gärten besprühen oder Raupen entfernen lassen. „Das muss aber vorher mit der Grünflächenabteilung abgesprochen werden“, betont Nina Laubenthal.

Im vergangenen Jahr gab es diese Möglichkeit nicht. Damals hatten betroffene Anlieger geklagt, dass sie alle Bäume in der näheren Umgebung behandeln lassen würden, wenn sie es dürften.

In den Außenbereichen will die Stadt in diesem Jahr Warnschilder aufstellen. Ganze Waldabschnitte mit Flatterband zu sperren - das wäre dann doch zu aufwendig.

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