Stadt Dorsten hat ein Finanzproblem - das sind die Folgen für Mitarbeiter und Bürger

hzStellenplan der Stadt

Die Stadt Dorsten hatte ein riesiges Finanzproblem. Doch jetzt beträgt die Lücke nur noch 43.000 Euro. Das hat Auswirkungen auf das Personal, aber auch auf die Bürger dieser Stadt.

Dorsten

, 08.11.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf etwas mehr als 56 Millionen Euro belaufen sich die Personalkosten der Stadt. Sie beschäftigt 1200 Mitarbeiter. Wegen eines Haushaltsdefizites von 43.000 Euro muss die Stadt in allen Bereichen Kosten sparen. Das trifft auch das Personal. Betriebsbedingte Kündigungen sind im öffentlichen Dienst aber nicht möglich. Dazu hat Verwaltung zu viele Pflichtaufgaben zu erfüllen, außerdem gibt es ein Tarifrecht, das die Mitarbeiter schützt.

Auch mit diesem Haushaltsdefizit von 43.000 Euro würde der Dorstener Etat von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt werden. Kämmerer Hubert Große-Ruiken hat deshalb schon im September deutlich gesagt, es gebe „keine Alternative, auch 15 bis 20 Stellen aus dem Stellenplan 2019 temporär oder dauerhaft nicht zu besetzen“.

Auswirkungen bekämen auch die Bürger zu spüren

Das hätte spürbare Auswirkungen auf das Personal, aber auch auf die Bürger: „Damit macht man sich nicht beliebt“, sagt Hauptamtsleiter Norbert Hörsken. Das vorhandene Personal müsse wegen der Einsparungen in den Fachabteilungen eine höhere Arbeitslast bewältigen. Die Bürger müssten sich auf längere Wartezeiten gefasst machen oder auch darauf, dass manche lieb gewonnene Dienstleistung so nicht mehr erfüllt werden kann.

Glücklich ist darüber niemand im Rathaus. Der Bürgermeister nicht, der Verwaltungsvorstand auch nicht. Abteilungsleiter, Personalrat und Gleichstellungsbeauftragte erst recht nicht. Das machten sie in einem Gespräch mit der Dorstener Zeitung deutlich. Alle meinten, dass Verwaltung für die Menschen da sei - „wir reden über Menschen, Bürger wie Mitarbeiter“, sagte Personalratsvorsitzende Waltraud Hadick.

Zusammen haben sie nach den Hiobsbotschaften zum Haushalt im September ein Sparpaket geschnürt. Und auch ein paar Extras darin eingebaut, um dem Personal über die schwierigen Zeiten zu helfen. Denn man wolle als Arbeitgeber attraktiv bleiben. So wird es im Rathaus ein betriebliches Gesundheitsmanagement geben.

Eine Vollzeit- und eine Teilzeitstelle Gesundheitsmanagement

Dafür werden eine Vollzeit- und eine Teilzeitstelle eingerichtet. Aufgabe dieser Mitarbeiter wird es sein, zu verhindern, dass Personal im Rathaus längerfristig gesundheitsbedingt ausfällt. Durch persönliche Gespräche, durch Maßnahmen zur Gesunderhaltung, durch Sportangebote oder schlicht mithilfe geeigneter Schutzbekleidung, die in der kühleren Jahreszeit Außendienstmitarbeiter vor Erkältungskrankheiten schützt.

Ein externer Gutachter hat errechnet, dass „eine anhaltende Verringerung von krankheitsbedingten Fehlzeiten Personalmehraufwendungen für Vertretungspersonal von aktuell 200.000 Euro jährlich“ verhindern helfen könnte. Auch die Digitalisierung von Arbeitsaufgaben kann zur Entlastung des Personals beitragen.

Personalrat sieht Nachbesserungsbedarf bei Digitalisierung

Der Zugang zur digitalen Technik ist aber nicht bei jedem Menschen gleich - der Personalrat sieht hier Nachbesserungsbedarf: „Eine strukturelle und personelle Konzeption und Koordination zur Erfassung des vorhandenen Digitalisierungsstaus zur Planung einer bedarfsgerechten Infrastruktur mit realistischen Zeit-, Personal- und Kostenvorgaben“, hält er in seiner Stellungnahme zum Stellenplan für ratsam.

„Wir schlagen vor, den pauschalen Abzug im Personalkostenbudget von 5 Prozent auf 7,3 Prozent zu erhöhen. Diese Einsparungen erzielen wir insbesondere durch Wiederbesetzungssperren von bis zu einem Jahr“, erläuterte Hauptamtsleiter Norbert Hörsken.

Auf die Streichung im Stellenplan hat die Verwaltung bewusst verzichtet, aber 15 bis 20 Stellen müssen über die Wiederbesetzungssperren hinaus zunächst unbesetzt bleiben, um das Finanzziel zu erreichen. Der Verwaltungsvorstand hat davon bereits acht Stellen konkret benannt. Die Verwaltung hat sich eine noch kritischere und restriktive Betrachtung der Wiederbesetzung einer Stelle vorgenommen, um die weiteren Stellen zu ermitteln: „Bei jeder Stellenbesetzung schauen wir genau hin“, so Norbert Hörsken.

Sofern die Wiederbesetzung einer Stelle negativ entschieden wurde, werden an diesen Stellen Verbrauchssperren ausgebracht. Dies wird im Stellenplan auch vermerkt. Die Stellen sind damit nicht obsolet. „Sie sind eigentlich dauerhaft notwendig, aber wir wollen uns den Spielraum erhalten, flexibel zu reagieren“, so Bürgermeister Tobias Stockhoff.

Über den Stellenplan diskutiert und entscheidet der Haupt- und Finanzausschuss in seiner Sitzung am Buß- und Betttag (Mittwoch, 20. November).

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