Dorsten wird Hochschul-Standort und Modellstadt für flexibles Lernen

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Tim Brüggemann und Luca Schlotmann vor einem Schild
Tim Brüggemann (l.) und Luca Schlotmann haben die Zusammenarbeit von Dorstener Campus und der Fachhochschule des Mittelstands entwickelt. © Stefan Diebäcker
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Manchmal sind es Zufälle, die Menschen zueinander führen. So war es bei Luca Schlotmann und Prof. Dr. Tim Brüggemann. Der eine ist Zahnarzt, der andere sein Patient. Der eine hat das Projekt „Dorstener Campus“ im ehemaligen „Toom“-Gebäude initiiert, der andere suchte einen Standort, um eine neue Form von flexiblem Lernen zu erproben.

Denn Tim Brüggemann ist nicht nur Vizepräsident der privaten Fachhochschule des Mittelstands (FHM, Bielefeld), sondern auch Bildungsforscher. In Dorsten glaubt er den idealen Standort gefunden zu haben für ein innovatives Bildungskonzept. „Es gibt einen deutlichen Wunsch nach flexiblen Angeboten“, bestätigte Brüggemann am Mittwoch. Lebensbegleitend oder berufsbegleitend studieren – das soll ab Ende 2023 auch in Dorsten möglich sein.

Fernuni mit Präsenzangeboten

Die Hälfte aller Studierenden der FHM befinden sich laut Brüggemann mittlerweile im Fernstudium. Der „virtuelle Campus“ boomt, „aber es gibt auch den Wunsch nach persönlicher Betreuung, nach gut erreichbaren Lernorten“, sagt er. „Wir versuchen, das Beste aus beiden Welten in Dorsten zu kombinieren. Das gibt es noch nicht.“

Im sogenannten „Flex-Studium“ soll es „echte Menschen“ geben, die die Studenten betreuen, die Vorträge halten, bei Bedarf Hilfe bei Hausarbeiten geben. „Campus-Feeling“, nennt das der Bildungsprofessor, der in Raesfeld-Erle lebt. Der Dorstener Campus scheint Brüggemann nicht nur vom Namen her der ideale Ort zu sein. „Wo man eines Tages toll arbeiten kann, kann man auch toll lernen.“

Luca Schlotmann, Tim Brüggemann und Tobias Stockhoff vor einem Hinweisschild zum Dorstener Campus.
Der Dorstener Campus soll im kommenden Jahr eröffnen. Die Baugenehmigung hatte Bürgermeister Tobias Stockhoff zum Vor-Ort-Termin am Mittwoch allerdings noch nicht mitgebracht. © Stefan Diebäcker

Die Fachhochschule hat Standorte u.a. in Berlin, Hannover und Köln, „aber der Mittelstand ist vor allem in ländlichen Regionen, in der Fläche, hier“. Wer sich nach einer Lehre weiterbilden, qualifizieren oder eben studieren möchte, muss ab Ende 2023 nicht mehr zwingend in die großen Städte, sondern findet auch in Dorsten Möglichkeiten, hoffen die Initiatoren. Das helfe den Studenten, aber auch den Unternehmen. „Wir wollen fester Bestandteil der Bildungslandschaft in Dorsten sein.“

Unternehmen müssen in Bildung investieren

Für Luca Schlotmann erfüllt sich mit der Kooperation „ein Traum“. Er betont den Wert auch für die Dorstener Wirtschaft. „Das Projekt klappt nur, wenn die lokale Wirtschaft es unterstützt.“ Schlotmann denkt an ein „Rahmenprogramm mit hochwertigen Inhalten“, an Veranstaltungen für Unternehmer der Region, an Seminare für Mitarbeiter. „Es ist wichtig für unseren lokalen Standort, dass hiesige Unternehmen in Bildung investieren.“ Am Campus könne das „modular, individuell auf das Unternehmen zugeschnitten“ erfolgen.

Bürgermeister Tobias Stockhoff freut sich, dass Dorsten Standort einer Fachhochschule wird. Er sprach von einer „spannenden Möglichkeit“ für die Dorstener Wirtschaft. „Natürlich ist es ein Problem, wenn jemand für Seminare oder Qualifizierungen nach Köln oder Bielefeld fahren muss. Da geht viel Arbeitszeit und Freizeit verloren. Wenn man das vor Ort machen kann, fällt die Entscheidung sicherlich leichter.“

Die Fachhochschule des Mittelstands hat derzeit etwa 6.000 Studierende. 96 Prozent der Absolventen sind einen Monat nach dem Abschluss im Job oder in einem weiteren Studium. Mehr als 11.000 Männer und Frauen haben dort bereits ihren Abschluss gemacht, die FH hat rund 100 Professoren.

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