Die Polizei fischt häufig zufällig Fahrer heraus, die trotz Führerscheinentzug auf der Straße unterwegs sind. Unser Symbolbild zeigt eine typische Anhaltesituation. © picture alliance / dpa
Unfallfluchten

Dorstener fährt nach Führerscheinentzug weiter – Zeuge ist entsetzt

Ein Spediteur ist empört: Mehrfach hat er einen Dorstener beobachtet, wie dieser trotz seines Führerscheinentzuges Fahrzeuge steuerte. „Der gehört nicht auf die Straße“, sagt der Zeuge.

Sie waren mal Arbeitskollegen. Jetzt ist der Gelsenkirchener Spediteur aber gar nicht mehr gut auf seinen ehemaligen Kollegen aus Dorsten zu sprechen. „Der gehört nicht mehr auf die Straße“, sagt er. Anlass für seine Empörung ist, dass der Dorstener Berufskraftfahrer 2017 und 2019 anderenorts Unfallfluchten begangen haben soll. Einmal sei sogar ein Kind verletzt worden.

Der Flüchtige konnte ermittelt werden und wurde vor Gericht zitiert. Ein Amtsgericht in Kleve habe daraufhin angeordnet, dass dem Dorstener wegen der begangenen Unfallfluchten der Führerschein für zwei Jahre entzogen wird. „Nach dem zweiten Unfall ist noch drauf gesattelt worden. Das hat den Mann aber nicht gehindert, munter weiter zu fahren“, so der Zeuge.

Der Augenzeuge hat Anzeige erstattet

Er selbst habe den Dorstener bei einer solchen unerlaubten Fahrt beobachtet und Anzeige bei der Polizei erstattet. „Die Staatsanwaltschaft Essen hat daraufhin ermittelt“ – das belegt der Augenzeuge anhand eines Aktenzeichens der Justiz.

Auf Nachfrage sagte Pressestaatsanwältin Anette Milk in Essen, dass zu solchen Verfahren grundsätzlich keine Auskünfte erteilt werden. „Das ist eine alltägliche Sache. Wir wollen natürlich nicht, dass Leute nach einem Führerscheinentzug weiter durch die Gegend fahren. Aber die Polizei kann sie nicht 24 Stunden am Tag kontrollieren.“ Die Frage sei auch immer, ob man dem Verdächtigen eine solche Fahrt überhaupt nachweisen könne.

Kommissar Zufall gibt den Ausschlag

Die Polizei in Recklinghausen bestätigt, dass es Zufällen zu verdanken ist, wenn ein Fahrer ohne Fahrerlaubnis erwischt wird. Sprecherin Annette Achenbach: „2020 wurden in den elf Städten der Kreispolizeibehörde Recklinghausen 2.197 Anzeigen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis geschrieben. Das waren etwas mehr als in 2019 (2.080).“ Und: „Darunter fallen auch die Fahrer, die von Gerichten zu Führerscheinentzug verurteilt worden sind.“

Unfallflucht, Trunkenheitsfahrt, grob verkehrswidriges Verhalten

Führerscheinentzug und Fahren ohne Fahrerlaubnis sind unterschiedliche Tatbestände, erläutert der Dorstener Amtsgerichtsdirektor Stephan-Robert Hillebrand auf Nachfrage. „Wer ohne Fahrerlaubnis fährt, hat vielleicht eine. Oder er hat die Erlaubnis nicht speziell für das Fahrzeug, mit dem er unterwegs war“, so Hillebrand. Das treffe vielfach zu, wenn Mofafahrer mit frisierten Zweirädern unterwegs seien. Ein Führerscheinentzug werde von den Gerichten indes immer dann angeordnet, wenn dem Fahrer eine Trunkenheitsfahrt, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort oder grob verkehrswidriges Verhalten nachgewiesen werden konnte.

2017 und dann noch 2019 war das bei dem Dorstener der Fall. Er machte sich beispielsweise nach dem Unfall im November 2019 auf der Emmericher Straße in Kleve aus dem Staub, nachdem er mit seinem Lkw einen Bus gerammt hatte. Als die Polizei am Unfallort eintraf, war der Dorstener weg. Der Busfahrer klagte über Verletzungen. Auch ein Kind im Bus soll verletzt worden sein.

Staatsanwaltschaft klappte Ermittlungsakte zu

Dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Mann ohne Führerschein eingestellt hat, nimmt der Zeuge nicht hin. Er hat nach eigenen Angaben fristgerecht Beschwerde eingelegt. Weitere Zeugen wurden von ihm benannt, die den Dorstener mutmaßlich während seiner gerichtlich verhängten Sperrfrist bei Fahrten gesehen haben.

Auf Nachfrage der Redaktion sagt der Zeuge, dass er kein persönliches Interesse an der Strafverfolgung seines ehemaligen Kollegen habe und auch keine offenen Rechnungen: „Es geht darum, dass so einer nicht mehr in den Verkehr gehört. Wer andere gefährdet, muss von der Straße runter.“

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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