Alfred Glowania befürwortet eine mögliche Corona-Impfung in Hausarztpraxen. © Claudia Engel
Hausärzte und Impfung

Dorstener Hausärzte würden sich über Corona-Impfung in Praxen freuen

Alle befragten Dorstener Hausärzte befürworten es, eine Corona-Impfung in ihrer Praxis anzubieten. Für Gesprächsstoff sorgt ihre eigene Position in der Impfpriorisierung.

Bald beginnt die Impfung in den Impfzentren der Kreise. Immer wieder wird bereits diskutiert, auch in den Hausarztpraxen Angebote zur Impfung zu schaffen. In Mecklenburg-Vorpommern wird das teilweise bereits umgesetzt. Wie beurteilen die Dorstener Hausärzte die Lage?

„Logistisch wäre es von unserer Seite überhaupt kein Problem, vor Ort zu impfen“, stellt Dr. Stefan Tisborn fest. Er hat als Impfarzt bereits im AWO-Seniorenzentrum in Wulfen-Barkenberg geimpft und einige Erfahrungen mit dem Impfstoff gesammelt.

„Der Biontech-Impfstoff ist immerhin zweieinhalb Tage in jedem Kühlschrank aufzubewahren“, erklärt Stefan Tisborn. Allerdings gibt er zu bedenken, dass die Lieferung des Impfstoffes hohe Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor Kriminellen erfordere, was eher gegen eine dezentrale Impfung sprechen könnte.

Impfung vor Ort einfacher für Patienten

„Wenn der Impfstoff normal lagerbar ist, würden wir gerne impfen. Das ist für die Patienten viel einfacher“, meint auch Dr. Helmut Strickling. Alle anderen Impfungen würde er ja schließlich auch in seiner Praxis an der Borkener Straße durchführen.

Alfred Glowania, Facharzt im Medizinischen Versorgungszentrum, würde eine Impfung vor Ort auch begrüßen. „Das Problem ist im Moment der Impfstoff selbst. Mit einer großen Struktur, wie bei uns, wären wir in der Lage, alle Stadtteile abzudecken“, argumentiert Alfred Glowania. In einer zentralen Datenbank könne man zudem die Informationen zu allen Patienten sammeln.

Logistik müsste geklärt werden

Dr. Jan-Gerrit Voigt zählte in der Mehrzahl der Altenheime zum mobilen Impfteam. Für ihn ist eine dezentrale Impfung vor allem eine Frage der Logistik. „Man braucht die Räumlichkeiten, um ausreichend Patienten zu impfen. Innerhalb von vier Stunden müsste man 100 Patienten irgendwie durchschleusen, das könnte für die Praxen teilweise zum Problem werden“, überlegt er. Grundsätzlich könnte eine Impfung an mehreren Orten aus seiner Sicht patientenorientierter ablaufen, vielleicht seien Schwerpunktpraxen eine gute Lösung.

Dr. Jan-Gerrit Voigt, hier ein Archiv-Foto, zählte in der Mehrzahl der Altenheime zum mobilen Impfteam. © Manuela Hollstegge (A) © Manuela Hollstegge (A)

Hausärzte kennen Impftermin noch nicht: Ein Skandal?

Die relativ späte Impfung von Hausärzten, die nicht im Impfeinsatz sind, und ihren Mitarbeitern verärgert manchen Dorstener Arzt. „Ich finde, das ist ein Skandal. Wir wissen noch gar nicht, wann wir drankommen. Das ist bedenklich“, findet Helmut Strickling deutliche Worte. Schließlich machen er und seine Mitarbeiter Corona-Abstriche draußen vor der Praxis und haben bei Besuchen im Altenheim und bei Hausbesuchen Kontakt mit Risikopatienten.

„Es gibt genug Gründe dafür, dass im hausärztlichen Bereich eine Priorisierung stattfinden müsste“, meint auch Stefan Tisborn. Denn der ständige Kontakt mit potenziellen Covid-19-Kranken erhöhe das Infektionsrisiko für alle Seiten. „Wir haben tagtäglich mit Covid-19-Patienten und sehr alten Menschen zu tun. Darüber hinaus sind wir potenzielle Überträger. In meinen Augen ist die späte Impfung nicht gut“, argumentiert der Arzt.

Etwas weniger verärgert reagiert Alfred Glowania: „Das ist nicht ganz schlimm. Bei uns Ärzten ist die Immunabwehr ständig auf Trab, das ist anders als bei anderen Patienten.“ Deshalb seien selbst bei einer Infektion milde Krankheitsverläufe zu erwarten. „Eine Impfung wäre natürlich besser“, stellt er klar.

Gerade ältere Ärzte und Praxismitarbeiter ab 50 Jahren, die mit vielen Covid-19-Patienten zu tun haben, müssten aus Sicht von Jan-Gerrit Voigt geschützt werden. „Viele Kollegen gehen in Altenheimen ein und aus, in Spitzenzeiten hatten wir bis zu 20 Covid-19-Patienten pro Woche. Ich finde es auch unserem Pflegepersonal gegenüber problematisch, ihnen keine Impfung anzubieten“, betont er.

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