Dorstener kämpfen für mongolische Familie

hzAsylantrag abgelehnt

Nach vier Jahren ist der Asylantrag einer mongolischen Familie abgelehnt worden. In Dorsten regt sich Unverständnis und Widerstand gegen die Entscheidung. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Dorsten

, 05.12.2018, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

In sechs Tagen soll Soronzonbold Ankhbayar im Ausländeramt der Stadt Dorsten die sogenannte „freiwillige Rückführung“ unterschreiben. Dann wäre die Rückkehr in die Heimat besiegelt. Der Vater von drei Kindern, der wegen der besseren Bildungschancen vor vier Jahren nach Deutschland gekommen war, erfährt in denvergangenen Tagen viel Solidarität.

Fast 900 Unterstützer bei Online-Petition

Jarga (12) ist das älteste von drei Kindern, ein guter Schüler am Gymnasium Petrinum und Basketballer bei der BG Dorsten. Dirk Berger, der Vater eines Mannschaftskameraden, hat jetzt eine Online-Petition gestartet, die bis Dienstagabend fast 900 Menschen unterzeichnet hatten. „Gebt Jarga und seinen Geschwistern eine Chance auf eine gute Schulbildung“, lautet die Forderung, die an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages gerichtet ist.

Auch am Gymnasium Petrinum, wo Jarga die sechste Klasse besucht, gibt es Unterstützung. Rektor Markus Westhoff und sein Kollege Herbert Rentmeister von der Agathaschule hoffen, dass Regierungspräsidentin Dorothee Feller auf ihren Brief reagiert und ihren Einfluss geltend machen kann. Die Schülerverwaltung hat am Mittwoch ein weiteres Gespräch mit Westhoff und möchte ebenfalls helfen.

Ehemalige Lehrer sind erschüttert

„Ich bin erschüttert über die bevorstehende Abschiebung der Familie Ankhbayar“, sagt Marianne Holzwarth. Die Lehrerin an der Agathaschule hat Jarga einige Zeit unterrichtet und meint: „Er ist ein sehr motiviertes und intelligentes Kind. Genau das, was wir in Deutschland nun wirklich brauchen.“ Die achtjährige Od-Jargal wird inzwischen dort unterrichtet. Das jüngste Kind der Familie, 21 Monate alt, wurde in Dorsten geboren.

Uwe Stadler, ehemaliger Lehrer an der Gesamtschule Wulfen, erinnert sich an einen Schüler, der Anfang der 1990er-Jahre dem Bürgerkrieg in Jugoslawien entkam und bei seinem Onkel in Dorsten aufgenommen wurde. „Versuchsweise nahm er an den Kursen unseres 11. Jahrgangs teil, nach drei Jahren machte er ein glänzendes Abitur. Folgerichtig begann er anschließend an der Ruhruniversität Bochum das Studium der Physik“, sagt Uwe Stadler.

Die Eltern, früher an der Universität Dubrovnik tätig, kamen später nach Dorsten. „Die deutschen Behörden konnten ihnen aber keine Bleibeperspektive geben“, erinnert sich der ehemalige Gesamtschul-Lehrer. „So ging die Familie in die USA, um dort ihre Laufbahnen fortzusetzen.“

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