Nadine Gelissen, Leiterin der Kita Arche, freut sich über die gute Kommunikation mit den Eltern. © Anke Klapsing-Reich
Eingeschränkter Kita-Betrieb

Dorstener Kitas: Lob für Eltern, Kritik an „Wischi-Waschi“-Politik

Eltern sollen ihre Kinder zu Hause betreuen und nicht in die Kita schicken. Das klappt in Dorsten ziemlich gut. Eine Kita-Leiterin kritisiert die unklaren Vorgaben der Landesregierung.

Die Kindertagesstätten in Dorsten laufen momentan im eingeschränkten Pandemiebetrieb. Eltern sind angehalten, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen.

85 Kinder besuchen im Normalbetrieb die Kita St. Agatha. „Im Moment haben wir keine 30 Kinder im Haus“, erklärt Leiterin Claudia Jägering. Allerdings sei die Zahl von Tag zu Tag unterschiedlich. „Die Eltern sind aufgefordert, verantwortungsvoll zu entscheiden. Sie setzen das ganz gut um“, findet die Leiterin.

Reduzierte Zeiten helfen Kitas bei Organisation

Alle Mitarbeiter bleiben im Dienst, kümmern sich aber vermehrt auch um Aufgaben abseits der Kinderbetreuung, etwa Vor- und Nachbereitung oder Online-Seminare. Die Betreuungszeiten werden weitgehend um zehn Stunden reduziert. „Das hilft, die Kinder müssen ja in den Gruppen bleiben“, meint die Kindergärtnerin. „Bei uns funktioniert es ganz gut“, fasst sie zusammen. Fraglich sei eher, wie alles zu Hause in den Familien klappt. „Die Situation geht an die Substanz von vielen“, stellt Claudia Jägering fest.

In die Holsterhausener Kita Hand in Hand kommen aktuell nur acht bis zehn statt sonst 54 Kinder. Leiterin Stephanie Schonebeck überrascht das nicht. „Unsere Eltern haben auch im ersten Lockdown sehr darauf geachtet, die Kinder zu Hause zu betreuen“, berichtet sie. Die Kita habe alle Eltern angerufen und persönlich nachgefragt. Jede Woche werde diese Abfrage erneuert. Mitarbeiter, die zur Risikogruppe zählen, können ebenso zu Hause bleiben wie Erzieherinnen, die selbst Kinder haben. Die Erzieherinnen werden den Gruppen fest zugeordnet.

Unsicherheit und unklare Vorgaben stören Kita-Leiterin

Kritik übt Stephanie Schonebeck an der Politik der Landesregierung: „NRW ist das einzige Bundesland, das wischi-waschi macht. Herr Stamp hat einen Appell formuliert, wir hätten uns mehr Klarheit gewünscht.“ Eine Schließung der Kitas wäre aus ihrer Sicht die beste Lösung gewesen. Die Eltern, die entscheiden müssen, würden unter Druck gesetzt.

Stephanie Schonebeck kritisiert die Politik der Landesregierung.
Stephanie Schonebeck kritisiert die Politik der Landesregierung. © Archiv © Archiv

Auch die Kitas würden sich in ständiger Unsicherheit befinden. „Wir sind immer der Situation ausgesetzt, mit den Eltern zu diskutieren“, beklagt Stephanie Schonebeck. Auch die Vorgaben an die Arbeitgeber bezüglich Homeoffice und zusätzlicher Krankheitstage seien nicht klar geregelt und würden deshalb nicht immer umgesetzt.

Eltern überraschen Stadt positiv

Die Stadt Dorsten als Trägerin von elf Kitas im ganzen Stadtgebiet erklärt auf Anfrage, dass in allen städtischen Einrichtungen „sehr viel weniger Kinder in festen Gruppen“ betreut werden. Von der Reaktion der Eltern sei man insgesamt positiv überrascht. „Viele Eltern folgen dem Appell, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen, um dem Infektionsgeschehen entgegenzuwirken. Die Stadt Dorsten weiß diesen Beitrag von Eltern sehr zu schätzen“, betont die Stadt.

Bei angespannter Personallage wird die wöchentliche Betreuungszeit generell um zehn Stunden gekürzt. In bestimmten Fällen, die die Coronabetreuungsverordnung regelt, könne davon abgewichen werden. Dies bedeute höhere Flexibilität, erfordere aber auch höheren Planungs- und Abstimmungsaufwand, um die verkürzten Betreuungszeiten in Einklang mit dem jeweiligen Bedarf zu bringen.

Mehr Personal am Nachmittag nötig

Nadine Gelissen, Leiterin der Kita Arche, lobt vor allem die hervorragende Kommunikation mit den Eltern. Unmittelbar nach der Pressekonferenz der Landesregierung habe sie bereits erste Rückmeldungen erhalten, ob Kinder kommen oder nicht. „Innerhalb von 24 Stunden hatte ich für alle 80 Kinder eine Rückmeldung. Wahnsinn, wie gut und zeitnah das läuft“, freut sich Nadine Gelissen.

Etwas weniger als 40 Kinder werden im Schnitt am Tag noch in der Arche betreut. Die Leiterin hatte zuvor mit mehr gerechnet. „Mit unserer langen Betreuungszeit richten wir uns vor allem an Eltern, die voll berufstätig sind“, erklärt sie. Sie ziehe den Hut vor dem Engagement der Eltern. Die reduzierten Zeiten seien vor allem am Nachmittag von Vorteil. Sonst habe man dort immer Gruppen zusammengelegt, in Corona-Zeiten benötige man aber auch zu dieser Zeit mehr Personal.

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