Dorstener Kunde beim Bäcker: „Diese Bonpflicht ist doch Tullux“

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Begeisterung sieht anders aus und verstehen können weder Kunden noch Verkäufer, was die neu eingeführte Bonpflicht bringen soll. Im Gegenteil: Sie sehen nur Nachteile.

Dorsten

, 06.01.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor dem Kiosk von Rita Dönnebrink am Westwall liegt der ein oder andere Kassenzettel. Lange liegen sie da nocht nicht, erst seitdem die neue Bonpflicht gilt.

Wenn sie gefragt wird, was sie von der Neuerung hält, antwortet sie leicht ironisch: „Läuft toll. Ich frage jeden Kunden, ob er einen Bon möchte, will aber keiner.“

Auch Kunden in der Bäckerei Schult in der Altstadt sind sich einig: „Die Kassenbonpflicht ist schrecklich“. „Richtiger Tullux“, ergänzt ein anderer Kunde die Aussage von zwei Frauen. Es sei doch beim Kauf einer Waschmaschine etwas ganz anderes, denn da wär ja dann Garantie drauf. Bei einem Brötchenkauf sei das völlig unnötig.

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Auch, dass durch die neue Bonpflicht das Finanzamt nicht betrogen werden kann, interessiert im Grunde niemanden: „Wenn einer immer beim selben Bäcker seine Brötchen holt, dann kennt man sich doch“, sagt eine Kundin, die dankend ihren Kassenbon ablehnt. Eva Poppe ist Mitarbeiterin in der Bäckerei Schult und sagt: „Ich frage jeden, aber heute hat noch kein einziger Kunde seinen Kassenbon haben wollen.“

Zettel in der Auslage weist Kunden auf unnötige Bonpflicht hin

Ein Zettel in der Auslage weist die Kunden der Bäckerei darauf hin, dass die neue Bonpflicht besteht und wie irrsinnig diese sei. Weiter heißt es, dass Kunden doch bitte den nicht gewollten Bon trotzdem mitnehmen sollen, um diesen dann später beim zuständigen Finanzamt in den Briefkasten zu stecken. Auf diese Art und Weise würde das überflüssige und schwer zersetzbare Thermopapier dann wieder bei den Richtigen landen.

„Hier liegen Tausende Zettel, die keiner will“

Auch in der Bäckerei Ernsting sieht man die Bonpflicht kritisch. Aushilfe Antonia Endemann sagt: „Man kommt sich auch ein bisschen blöd vor, wenn man für jedes Brötchen fragt, ob der Kunde einen Kassenzettel möchte.“ Hinter der Auslage würden Tausende Zettel liegen, weil niemand einen möchte.

Kunde Patrick Alflen konnte bei seinem Brötchenkauf jedenfalls gut darauf verzichten und ging ohne Kassenbon aus dem Geschäft.

Kassenbons landen auf der Straße

Darüber würde sich auch Rita Dönnebrink freuen, denn zurzeit liegen viele der ungewollten Kassenbons auf der Straße vor ihrem Kiosk. „Ich hab jetzt auch einen Kunden gefragt, der eigentlich nur sein Pfand weggebracht hat, ob er einen Kassenzettel möchte. Muss ja jetzt alles sein“, sagt Rita Dönnebrink.

Dorstener Kunde beim Bäcker: „Diese Bonpflicht ist doch Tullux“

Daniel Böhler war einer der wenigen Kunden, die den Kassenbon mitgenommen haben. © Laura Schulz-Gahmen

Letztlich konnte sich im Kiosk dann doch noch ein Kunde dazu durchringen, seinen Bon mitzunehmen. Daniel Böhler sagt: „Ich nehm ihn mal wegen der neuen Bonpflicht und so.“

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