Die meisten Dorstener Kinder, die vor zwei Wochen eingeschult wurden, hatten keine Schuleingangsuntersuchung. Das ist nicht immer unproblematisch. © Manuela Hollstegge
Einschulung

Dorstener Lehrer sehen fehlende Eingangsuntersuchungen mit Sorge

Im Vorfeld des neuen Schuljahres wurde Pandemie-bedingt nur bei wenigen Dorstener Kindern die Eingangsuntersuchung durchgeführt. Nicht unproblematisch - finden Kreis und Dorstener Lehrer.

Viele Dorstener i-Dötzchen haben das Innere ihrer Schule sowie ihren Klassenraum zum ersten Mal am Tag der Einschulung gesehen. Schulspiel oder Kennenlernstunde, Tag der offenen Tür – vieles davon fiel der Pandemie zum Opfer. Auch die Schuleingangsuntersuchungen fanden oft nicht statt. Dorstener Lehrer sehen das mit Sorge.

„Ich finde diese Eingangsuntersuchungen sehr wichtig, um ein zweites Gegenüber zu haben. Da sitzt ein Arzt, der nach einem standardisierten Vorgehen die Kinder unter die Lupe nimmt – auch gesundheitlich und nicht aus dem Blickwinkel eines Pädagogen“, sagt Ulrike Goliath von der Grünen Schule.

Zwar hätten die Lehrer ihrer Schule trotz Corona die Kinder im Vorfeld in ihren Kitas besuchen können, „aber da sehen wir die Kinder in ihrem vertrauten Umfeld. Die Erzieher sind geprägt vom Miteinander mit den Kindern und wir sind oftmals geprägt vom Familiennamen, da braucht man sich gar nichts vormachen.“

Fachärztliches Gutachten hat ein anderes Gewicht

Das fachärztliche Gutachten sei aber nicht nur für die Einschulung wichtig, auch für die Eltern habe es oftmals ein ganz anderes Gewicht, wenn ein Arzt bei einem Kind eine Auffälligkeit feststelle. Auch, um Förderungen wie Logo- oder Ergotherapie auf den Weg zu bringen, sowie zur Feststellung von sonderpädagogischem Förderbedarf sei das Gutachten wichtig. Gleiches gelte, wenn es später darum gehe, ob ein Kind länger in der Schuleingangsphase bleiben solle.

Im Kreis Recklinghausen haben nur in knapp 30 Prozent der Fälle Schuleingangsuntersuchungen stattgefunden. (Symbolbild) © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Zudem gebe es immer noch Kinder, die auch im letzten Jahr vor der Einschulung keine Kita besuchen würden, und die bis dahin daher auch noch überhaupt nicht in ihrer Entwicklung eingeschätzt werden konnten. „Von den 58 Neulingen an unserer Schule war das bei sechs oder sieben Kindern der Fall“, so Goliath.

Dass die Schuleingangsuntersuchungen wichtig sind, das bestätigt auch Kreissprecherin Lena Heimers. „Die Schuleingangsuntersuchung ist ein wichtiges Instrument, um den Kindern einen möglichst guten Start zu ermöglichen.“ Gerade in Zeiten der Pandemie sei es wahrscheinlich, dass mehr Kinder als sonst zusätzliche Unterstützung benötigen würden.

Mitarbeiter mussten bei der Pandemiebekämpfung helfen

Dennoch sind im Vorfeld des gerade begonnen Schuljahres nur 1.576 von insgesamt 5.700 Kindern im Kreis Recklinghausen untersucht worden. Das lag vor allem daran, dass Mitarbeiter, die für die Untersuchungen zuständig sind, im Bereich Infektionsschutz und Pandemiebekämpfung eingesetzt werden mussten.

„Ob letztlich in den letzten Monaten eine Schuleingangsuntersuchung stattgefunden hat, lag unter anderem im Ermessen von Schulen und Kindergärten“, erklärt Heimers. Bei Auffälligkeiten konnten diese – nach Rücksprache mit den Eltern – den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD) des Kreises um eine Untersuchung zur Überprüfung des Entwicklungsstandes des Kindes bitten.

Lehrer müssen bei Erstklässlern jetzt ganz genau hinsehen

Diese Möglichkeit besteht auch weiterhin. „Für die Schulen bedeutet das, dass die Lehrkräfte ihre Schüler noch aufmerksamer beobachten sollten, um Fördernotwendigkeiten zu erkennen und dann auch zu melden“, erklärt die Kreissprecherin.

Das sieht auch Herbert Rentmeister, Schulleiter der Dorstener Agatha-Schule, so: „Für die Grundschullehrer kommt das jetzt noch on top.“ Besorgten Eltern gibt er jedoch auch mit auf den Weg: „Vertrauen Sie auf die Lehrkräfte. Die kriegen das schon hin!“ In 90 Prozent der Fälle sei bei den regulären Einschulungsuntersuchungen eh alles in Ordnung.

„Aber diese – für besorgte Eltern oft ganz wichtige Rückmeldung – fehlt jetzt in vielen Fällen“, so Rentmeister. Zudem sieht er es kritisch, dass die Reihenuntersuchung der großen Masse der Kinder und die Erhebung wichtiger statistischer Daten bereits im zweiten Jahr ausbleibe. „Diese Daten wären aber für Ministerien und andere Institutionen wichtig für ihre Planung.“

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Redaktion Dorsten
Ich bin gebürtige Dorstenerin, lebe und arbeite hier. Dorsten und vor allem die Menschen der Stadt liegen mir sehr am Herzen. Wichtig sind mir jedoch auch die Kirchhellener. Seit mehreren Jahren darf ich über den kleinen Ort berichten und fühle mich daher sehr mit dem Dorf verbunden. Menschen und ihre Geschichten, Bildung und Erziehung – das sind Themen, die mir wichtig sind. Und das liegt nicht nur daran, dass ich zweifache Mutter bin.
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