Sozialpfarrer prangern „Dienstgemeinschaft“ an: nationalsozialistisch

hzDorstener Sozialpfarrer

Sozialpfarrer möchten die „Dienstgemeinschaft“ aus dem kirchlichen Arbeitsrecht getilgt wissen. Sie sei eine nationalsozialistische Begrifflichkeit, sagt der Dorstener Hans-Udo Schneider.

von Dienste

Dorsten

, 05.07.2020, 11:51 Uhr / Lesedauer: 1 min

Mehrere Sozialpfarrer und Sozialwissenschaftler, darunter der ehemalige Dorstener Sozialpfarrer Dr. Hans-Udo Schneider, fordern, den in den Kirchen benutzten Begriff „Dienstgemeinschaft“ abzuschaffen.

Dieses Wort, das unter anderem im kirchlichen Arbeitsrecht verwendet wird, sei „kein theologischer Begriff, sondern stamme aus der antigewerkschaftlichen Arbeitsgesetzgebung der Nationalsozialisten“, schreiben die Theologen und Wissenschaftler in einer Eingabe an die Evangelische Kirche von Westfalen.

Landeskirchenamt prüft die Eingabe

Ein Sprecher der westfälischen Landeskirche sagte auf Anfrage des evangelischen Pressedienstes epd, das Landeskirchenamt in Bielefeld prüfe die Eingabe. Hans-Udo Schneider sagt: „Die Kirchenleitung hält sich bedeckt. Auf Anfrage bestätigt sie zwar den Eingang unserer Eingabe, lehnt aber jegliche Stellungnahme ab.“

In dem Papier fordern die Verfasser die Landeskirche auf, den Begriff „Dienstgemeinschaft“ in Kirche und Diakonie aufzugeben und aus allen einschlägigen Gesetzen, Verlautbarungen und offiziellen Äußerungen in Kirche und Diakonie zu entfernen.

Ihren Forschungen zufolge sei das Wort „Dienstgemeinschaft“ eine Neukonstruktion des Nationalsozialismus gewesen mit einem exklusiven Ursprung im nationalsozialistischen Arbeitsrecht, schreiben die ehemaligen Sozialpfarrer Wolfgang Belitz, Jürgen Klute und Hans-Udo Schneider sowie der Sozialwissenschaftler Walter Wendt-Kleinberg.

Gesetz stammt aus dem Jahr 1934

Erst von dort aus sei das Wort in den kirchlichen Raum gelangt und dort bis heute geblieben, hieß es. Die Autoren verweisen auf „Das Gesetz zur Ordnung der Arbeit in öffentlichen Betrieben und Verwaltungen“ von 1934, in dem es heißt, die Beschäftigen hätten dem „Führer“ die „in der Dienstgemeinschaft begründete Treue“ zu halten.

Die evangelische Kirche habe im Jahr 1938 die Tarifordnungen des öffentlichen Dienstes per Kirchengesetz übernommen.

Trotz Ende des Nationalsozialismus weitergeführt

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft sei der Begriff „wie selbstverständlich“ weitergeführt worden. Zwar wende sich die heutige evangelische Kirche gegen Neonazismus und Rassismus. Das bleibe jedoch unvollständig, wenn ein nationalsozialistischer Begriff weiter benutzt und fortgeschrieben werde.


Schlagworte:
Lesen Sie jetzt