Zwei Wölfe und zwei Welpen: Eine Dorstenerin ist sich sicher, dass in der Hohen Mark eine Wolfsfamilie heimisch geworden ist. © picture alliance/dpa
In der Hohen Mark

Dorstenerin warnt: Wolfsfamilie und Welpen im Wald gesichtet

Wie wahrscheinlich ist es, einen Wolf im Wald zu treffen? Hoch, sagt eine Dorstenerin. Sie traut sich nach unheimlichen Begegnungen in der Hohen Mark nur noch bewaffnet in den Wald.

Es war ein schöner Sommertag 2020, als Sabine Grafe mit ihrem Rhodesian Ridgeback, einem jagdlich ausgebildeten Hund, und ihrem Riesenschnauzer einen Ausflug in die Hohe Mark unternahm. Beide Hunde folgen ihrer Besitzerin auf dem Fuß. Doch plötzlich stellten sich die Nackenhaare ihrer vierbeinigen Begleiter auf. Beide Hunde erstarrten: „Etwa 20 Meter entfernt stand ein Wolfsrüde mitten auf dem Hauptweg an der Napoleonsbuche. Er hob den Kopf und schaute uns an.“

Für Sabine Grafe war diese unheimliche Begegnung am 9. Juli 2020 ein Riesenschreck. „Ich hatte große Angst um meine beiden Hunde. Beide würden mich bei einem Angriff verteidigen. Gegen einen Wolf hätten sie aber keine Chance“, sagt sie. Für sie und ihre vierbeinigen Begleiter ging dieses unvermittelte Zusammentreffen glimpflich aus: „Ich habe mich umgedreht und bin langsam davongegangen. Das hätte aber auch ins Auge gehen können“, sagt sie heute.

Sabine Grafe kennt sich gut in Natur und Umwelt aus. Die Hundehalterin wohnt naturnah in Dorsten, mit ihrem Mann hat sie ein Jagdrevier in Hessen. Sie hat ein Pferd und ein Fohlen in der Erler Heide auf einer Weide stehen. Seit Wölfin Gloria ihr Unwesen in diesem Revier treibt, sorgt sich die Dorstenerin um ihre Pferde.

Wölfe geraten beim Angriff auf Fressbeute in Blutrausch

Denn was Wölfe anrichten können, verfolgt sie bei den Attacken von Wölfin Gloria und ihrem Rudel in Schermbeck sehr genau: „Wölfe sind keine Kuscheltiere, sondern Raubtiere. Sie geraten bei einem Angriff auf andere Tiere in einen Blutrausch und fressen sie bei lebendigem Leib an“, sagt sie.

Dass nun auch ein Wolfsrüde in der Hohen Mark herumläuft, erfüllt sie mit großem Unbehagen. Zumal es bei ihr nicht nur bei einer Begegnung geblieben ist. Bei einem weiteren Spaziergang in der Nähe des RVR-Forstbetriebshofes in Lembeck am 14. Januar kreuzten zwei Wolfswelpen ihren Weg tief im Wald: „Sie liefen von links nach rechts an mir vorbei und ich meine auch, ihre Mutter gesehen zu haben“, sagt die Dorstenerin.

Ein weiblicher Wolfswelpe in einem Park in der Lüneburger Heide: Zwei Welpen auf dem Weg zu deren Mutter sind der Dorstenerin in Lembeck begegnet. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Ihre Beobachtungen hat sie sowohl dem Revierförster Michael Reidemeister als auch den Wolfsberatern der Biologischen Station in Lembeck gemeldet. Beide Beteiligten haben Spuren eines Wolfes in der Hohen Mark gesichtet: „Aufnahmen von Trittsiegeln habe ich zur Verfügung gestellt. Das sind eindeutig Fußspuren eines Wolfes“, weiß Sabine Grafe.

Ein Kadaverfund am Feuerwachturm in der Hohen Mark manifestiert zusätzlich die Annahme, dass in der Hohe Mark Wölfe heimisch geworden sind. „Das gefundene Rehwild hatte die typischen Reißspuren eines Wolfes.“

Kein Verständnis für die Verherrlichung des Raubtiers

Sabine Grafe hat kein Verständnis für die Wolfsbefürworter, die das Raubtier verherrlichen. „Wölfe sind faszinierende Tiere. Sie gehören dorthin, wo sie viel Platz haben und nicht in ein so kleines Waldrevier wie die Hohe Mark. In der Nähe von Menschen und Nutztierhaltungen haben sie nichts zu suchen.“ Dass nun neben dem Rudel von Gloria ein weiteres in der Nachbarschaft heimisch geworden ist, findet sie angsteinflößend. „Das sind acht Wölfe“, sagt sie.

Dass sie sich mit ihrer Meinung viele Feinde macht, ist Sabine Grafe gleichgültig: „Es wird nicht lange dauern, dann fällt der Wolf Hunde oder auch Menschen an.“ Ein Zwei-Meter-Zaun sei für einen ausgewachsenen Wolf kein Hindernis. Das hat sie in einem Film gesehen, der einen Wolf beim Überklettern eines Zaunes zeigt. „Deshalb bringen auch die Maßnahmen für Weidetiere nichts“, so Grafe.

Immer bewaffnet auf dem Weg in den Wald

Sabine Grafe geht seit den Begegnungen mit dem Wolf und seinen Welpen nur noch bewaffnet in den Wald, da sie Inhaberin eines kleinen Waffenscheins ist: „Ich habe eine Schreckschusspistole und Pfefferspray dabei.“

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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