Dorstens Bürgermeister appelliert: Wir müssen wie eine große Familie sein

Haushaltsrede

In seiner Haushaltsrede zeichnet Bürgermeister Tobias Stockhoff das Bild einer Stadtfamilie und appelliert an die Politiker, sich wie Stadtväter und -mütter für die Bürger einzusetzen.

Dorsten

, 20.09.2019, 13:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dorstens Bürgermeister appelliert: Wir müssen wie eine große Familie sein

Einer (oder eine kleine Gruppe) gewinnt, und alle anderen wenden sich ab? So stellt sich Bürgermeister Tobias Stockhoff die Dorstener Stadtfamilie nicht vor. © stock.adobe

Mit Zahlen geizt der Bürgermeister in seinen Haushaltsreden. Dieses Feld überlässt er dem Kämmerer. Tobias Stockhoff appelliert lieber. Im vergangenen Jahr hatte er zu Toleranz, Respekt und Menschenwürde aufgerufen, um in einem umfassenden Stadtdialog eine Antwort auf die Herausforderung der Demokratie zu suchen.

Ein Jahr später hat er sich erneut an die Politik, aber auch an die gesamte Stadt gewandt. „Je mehr wir verstehen, dass wir eine große Familie mit 76.000 Mitgliedern sind, umso erfolgreicher wird die Entwicklung unserer Stadt sein.“

„Je mehr wir verstehen, dass wir eine große Familie mit 76.000 Mitgliedern sind, umso erfolgreicher wird die Entwicklung unserer Stadt sein.“
Bürgermeister Tobias Stockhoff

Wenn die Dorstener „die Stadt“ sagen, meinen sie in der Regel die Stadtverwaltung, oft auch die Politiker. Das klingt dem Bürgermeister nach Geschäftsbeziehung, nach kritischer Geschäftsbeziehung vor allem.

Tobias Stockhoff fragte am Mittwoch in Richtung der Ratsmitglieder: „Verstehen wir uns als Stadtmütter und Stadtväter, die wie fürsorgliche Eltern in einer Familie versuchen, den Ansprüchen und Bedürfnissen gerecht zu werden, zu vermitteln, Wissen weiterzugeben, zu ermuntern, zu ermahnen, Hilfestellungen zu geben, zuzuhören, gerecht zu sein, bei Entscheidungen an unsere Kinder und deren Nachkommen zu denken?“

Aus Sicht des Bürgermeisters ist die Stadt „mehr die Großfamilie“. Auch dort kämen unterschiedliche Interessen auf den Tisch und würden diskutiert. Nur eine törichte Familie würde eine Entscheidung treffen, die nicht nachhaltig sei oder am Ende den nachfolgenden Generationen aufgebürdet werde. „In den nächsten Monaten können wir unter Beweis stellen, dass wir wie gute Eltern mit dem Familienrat nachhaltige Entscheidungen treffen wollen, ob ökologisch oder ökonomisch.“

Ein Geben und Nehmen

Auch bei der ehrenamtlichen Arbeit, die Stockhoff in den letzten Jahren forciert hat, bleibt er im Bild. „Bei größeren Familien kommt es vor, dass jede Woche ein anderes Mitglied den Rasen mäht. Wenn man das nicht möchte, dann ist vielleicht ein anderes Mitglied dazu bereit und man gibt diesem Familienmitglied etwas dafür.“

Auch bei der „Stadtfamilie“ gebe es Menschen, die ehrenamtlich (z.B. Feuerwehr) und hauptamtlich (Rathaus oder Bauhof) Arbeiten für alle übernehmen. „Unsere Aufgabe als Stadtfamilienrat ist es nun, klug zu bewerten, wie die Aufgabe erledigt wird, ob die Entschädigung angemessen ist“, sagt der „oberste Stadtvater“, der zugleich mahnt: „Vor allen Dingen müssen wir schauen, dass durch Wahlkampfgetöse nicht die Probleme bei den leiseren Stimmen untergehen und am Ende nur die lauten Stimmen am Tisch bedient werden.“

Die Haushaltsrede von Dorstens Bürgermeister kann hier nachgelesen werden.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt