Pfarrer Rüdiger verspricht seiner neuen Gemeinde 30 gemeinsame Jahre

hzSt. Agatha Dorsten

Der Pfarrer strahlt, die Gemeinde applaudiert begeistert: Markiert die erste Sonntagsmesse in St. Agatha mit Dr. Stephan Rüdiger den Beginn einer wunderbaren Beziehung?

Dorsten

, 01.03.2020, 18:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er wird alt sein, gebrechlich und konservativ.“ Der Pfarreirat von St. Agatha setzte nach dem Weggang von Pfarrer Ulrich Franke keine großen Hoffnungen in die Auswahl des pastoralen Personals im Bistum Münster. So berichtete es die Vorsitzende Claudia Esser am Sonntag, als die Gemeinde ihren neuen Pfarrer begrüßte. Und angesichts des strahlenden, fitten Mittvierzigers am Altar hatte sie damit gleich die Lacher auf ihrer Seite.

Überhaupt wurde viel gelacht in der Festmesse zu Ehren von Dr. Stephan Rüdiger, der schon beim Amtsantritt eine Menge Humor bewies. „Wir müssen reden“, habe der Personalreferent des Bistums bei einem Anruf an Rüdigers Wirkungsstätte in Borken ernst gesagt und ihn zum Bistumssitz einbestellt. Dort habe man ihm drei Versetzungsangebote unterbreitet, von denen zwei keine allzu große Begeisterung hervorgerufen hätten. Anders die Stelle in Dorsten: Wenngleich ihm die Aussicht auf die großen Fußstapfen von Pfarrer Franke nach 25 Jahren in St. Agatha Respekt eingeflößt habe, habe er sich schnell entschieden: „Ich freu‘ mich und ich mach‘ das!“

Große Freude auf beiden Seiten

Als er sich dann bei den Gremien von St. Agatha vorstellte, war auch dort die Freude groß: Entsprach der vor 45 Jahren in Buer-Erle geborene Kandidat doch so gar nicht dem befürchteten Profil „alt, gebrechlich, konservativ“. So kam es, dass die vakante Pfarrstelle beinahe schneller wieder besetzt worden wäre, als die Pfarrer-Wohnung renoviert werden konnte. Dafür gab es ein dickes Lob des Kirchenvorstandes an die Bistumsbürokratie.

In der Pfarrkirche im Stadtzentrum wurden sogar die Stehplätze knapp, als Pfarrer Rüdiger im Beisein zahlreicher Pfarrerkollegen beider Konfessionen, der Fahnenabordnungen vieler Vereine und Verbände und der kraftvollen Kirchenmusik von St. Agatha seine erste Messe las.

Einführung von Pfarrer Dr. Stephan Rüdiger in St. Agatha

Viele Verbände der Gemeinde schickten ihre Fahnenabordnungen zur feierlichen Einführungsmesse. © Petra Berkenbusch

Der Seelsorger begrüßte in seiner Predigt nicht zur seine „ganze Verwandtschaft“ und zahlreiche Weggefährten seines 20-jährigen Wirkens als Ordensmann, sondern verriet bei seinen Ausführungen zum Evangelium über die Versuchungen, denen Jesus beim Fasten in der Wüste ausgesetzt wird, einiges über sich und seinen theologischen Werdegang.

Donnernder Applaus für die erste Predigt

Das dauerte einige Zeit, für die Stephan Rüdiger sich am Ende bei seiner Gemeinde entschuldigte: „Ich verspreche Ihnen, das war die längste Predigt, die ich in den 30 Jahren als Pfarrer von Dorsten gehalten habe.“ Nicht zum einzigen Mal hallte donnernder Applaus durchs Kirchenschiff.

Beifall bekam auch Bürgermeister Tobias Stockhoff, der den neuen Pfarrer mit fünf Geschenken begrüßte: eine grüne Schützenkrawatte, ein Buch über die Ökumene, eins über kommunale Intelligenz, ein Spielzeugtraktor als Symbol für die Landwirtschaft und eine Mettwurst bereiten den Pfarrer auf das Geschehen in „seinen“ fünf Stadtteilen vor. Und eine Einladung zum Wurstjagen kann er nun kaum noch ablehnen.

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