Dreiste Diebstähle mit Zigaretten-Abzocke an Tankstellen in Dorsten

hzGerichtsprozess

Er zog wochenlang von Tankstelle zu Tankstelle in Dorsten, um dort mit einer dreisten Diebstahlsmasche Zigarettenstangen mitgehen zu lassen. Jetzt steht ein 34-jähriger dafür vor Gericht.

Dorsten

, 29.10.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

150 bis 200 Euro brauchte der 34-jährige Angeklagte jeden Tag, um seine Drogensucht zu befriedigen: für Heroin, für Kokain. Deswegen stahl er unentwegt, seit 2008 heißt es für ihn immer wieder „Haft rein, Haft raus“, erklärte der Mann jetzt vor dem Dorstener Schöffengericht.

Dort muss er sich verantworten, weil er Anfang des Jahres in Dorsten sechs Wochen lang Tankstelle um Tankstelle abklapperte, um dort seinen „Zigarettentrick“ abzuziehen - der ihm beim Wiederverkauf der Beute einen vierstelligen Euro-Betrag einbrachte.

Die „Abzock-Tour“ des geständigen Raesfelders, der aus der Haft vorgeführt wurde, war immer ähnlich. Der 34-Jährige brachte das Personal dazu, diverse Tabakwaren auf die Theke legen. Einen Teil davon ließ er in günstigen Momenten in Mantel oder Tasche verschwinden. Meist eine Stange Zigaretten, dazu bis zu 15 einzelne Schachteln.

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Den Angestellten schwindelte er vor, er müsse eben schnell zu seinem Auto, weil er dort seine EC-Karte liegen gelassen habe. Dann brauste er, ohne zu zahlen, davon. Am 9. Februar klappte der Trick in der Tankstelle an der Hervester Straße in Wulfen allerdings nicht - da dem dortigen Angestellten diese Vorgehensweise aufgrund einer Tat einen Monat zuvor bekannt war.

Als Schwarzfahrer unterwegs

Die gleiche Masche wendete er zudem in ein, zwei Supermärkten an. Weiterer Anklagevorwurf: Wochenlang war er als Schwarzfahrer auf der Bahnstrecke zwischen Dorsten und Wanne-Eickel unterwegs. Die Kontrolleure erwischten den Mann gleicht achtmal, als er ohne gültigen Fahrausweis unterwegs gewesen ist.

Warum der Raesfelder damals so oft in Dorsten unterwegs war, wollte Richterin Lisa Hinkers wissen. „Ich habe hier so meine Bekannten“, erklärte der Angeklagte vieldeutig.

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Und auf die Frage der Richterin, wie er ansonsten in der Zeit bis zu seiner neuerlichen Verhaftung im April 2020 zu Geld gekommen sei, verwiesen der Angeklagte und seine Anwältin auf ein Urteil des Amtsgerichts Borken vom September.

Da kassierte der Raesfelder nämlich eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten, weil er von November 2019 bis April 2020 im Raum Borken rund 20 schwere Diebstähle begangen hatte, bei denen er zum Teil eine Waffe mitgeführt hatte.

Therapieplatz in Aussicht

In Anbetracht des Borkener Urteils regten Anwältin und Richterin an, das Verfahren bezüglich der Dorstener Vorwürfe einzustellen. So hätte der Angeklagte - der seit Monaten clean ist, wie er sagt - die Chance, im Dezember einen stationären Drogenentzug zu beginnen.

Denn die Therapie bekommt er nur, wenn nicht mehr als zwei Jahre Reststrafe für ihn zu erwarten sind, das Gericht in Dorsten also nichts mehr draufschlägt. Die Staatsanwalt will die Anregung nun prüfen.

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