Die Polizei fand in dem Wagen Haschisch und Marihuana in Beuteln, insgesamt mehr als vier Kilo. © dpa
Gerichtsprozess

Drogendeal vor einer Kirche in Dorsten: Dicke Überraschung vor Gericht

Bei einer Fahndung entdeckte die Polizei in Dorsten bei einer Autokontrolle zufällig 4,5 Kilo Drogen. Bei der juristischen Aufarbeitung vor Gericht gab es jetzt eine dicke Überraschung.

Es war ein Oktober-Abend im vergangenen Jahr, als ein Räuber in Holsterhausen sein Unwesen trieb. Bei der Fahndung nach dem Mann kam den Beamten der Polizeiwache Dorsten ein in der Dunkelheit auf dem Parkplatz der Bonifatiuskirche stehender Passat verdächtig vor. Ein echter Treffer: Bei der Kontrolle gingen den Polizisten zwei andere kriminelle Fische ins Netz.

Der Zufallsfund hatte es in sich: Als die Beamten den Wagen durchsuchten, fanden sie auf und hinter der Rückbank drei schwarze Müllsäcke mit Marihuana, Gesamtgewicht: vier Kilogramm. Dazu ein 350-Gramm-Paket Haschisch.

Mit dem Rad gekommen

Während der Fahrzeughalter, ein in Gronau lebender 40-jähriger Syrer, so von dem „Polizeibesuch“ überrascht wurde, dass er wie angewurzelt an seinem Wagen stehen blieb, konnte der andere Fahrzeuginsasse flüchten.

Ein handelte sich um einen in Dorsten wohnenden Mann. Er war damals mit dem Fahrrad zum Parkplatz gekommen, ließ das Gefährt aber dort zurück. Später wurde der 29-Jährige ermittelt.

Doch war der 29-Jährige tatsächlich der Auftraggeber einer großen Drogenübergabe, wie der Syrer im März 2021 in einem ersten Prozess dem Dorstener Schöffengericht weisgemacht hatte? Das musste das Gericht am Mittwoch (25.8.) jetzt bei einem weiteren Termin klären.

„Komplett gelogen“

Der Syrer hatte vor fünf Monaten eine zweijährige Bewährungsstrafe bekommen, weil er reuevoll unter Tränen ausgesagt hatte, er habe nie etwas mit Drogen zu tun gehabt und sei lediglich als „Kurierfahrer“ beteiligt gewesen. Doch am Mittwoch die dicke Überraschung: Es stellte sich heraus, dass sich das Geschehen ganz anders abgespielt hatte, als der 40-Jährige seinerzeit zu Protokoll gab. „Er hat komplett gelogen“, so die Staatsanwältin.

Wieder kam dabei „Kommissar Zufall“ zu Hilfe. Denn die mit dem Fall nicht betraute Staatsanwältin nahm sich am Abend vor der aktuellen Verhandlung die gesamte Akte zur Vorbereitung vor – und bemerkte, dass sich darin nachträglich beigefügte neuere Ermittlungsergebnisse der Polizei befanden, die bislang nicht berücksichtigt worden waren.

Fingerabdrücke

Darunter ein Chatverlauf mit Fotos, der zweifelsfrei beweist, dass der Syrer mehr als nur Fahrer war. Außerdem waren später nicht nur seine Fingerabdrücke auf den Drogenbehältern in den Beuteln entdeckt worden. Sondern auch die eines weiteren Haupttäters aus Gronau, der nun auch angeklagt werden wird, wie die Staatsanwältin ankündigte.

Und der 29-Jährige aus Dorsten? Er versicherte glaubhaft, dass er an dem Oktober-Abend 2020 für sich und einen Freund nur 50 Gramm Marihuana von dem Gronauer kaufen wollte. Doch dazu kam es gar nicht, weil die Beamten plötzlich aufgetaucht waren. So kam er jetzt mit einer Geldstrafe (720 Euro) glimpflich davon.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.