Ein Mann und seine Vision: Eine Aussichtsplattform für den Förderturm

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Es ist ein Wahrzeichen von Dorsten - und soll zum oben öffentlich begehbaren Aussichtspunkt werden. Das ist die Vision von Architekt Axel Steinau. Doch wie realistisch sind seine Pläne?

Dorsten

, 06.10.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser Mann hat eine Vision. Bei der Vorstellung seiner Idee hat er dafür auf der jüngsten Hervestkonferenz jedenfalls viel Zustimmung bekommen. Denn Axel Steinau möchte auf dem Hervester Zechengelände den höchsten innerstädtischen Aussichtspunkt in Dorsten verwirklichen. Mit einem Aufzug sollen die Besucher die Plattform auf dem Fördergerüst von Fürst Leopold erreichen können. „Bei schönem Wetter könnte man von hier aus bis nach Essen blicken“, sagt er.

Axel Steinau ist vom Fach. Als Architekt betreibt er in der Dorstener Innenstadt ein gemeinsames Büro mit seinem Kollegen Christian Loer - beide haben beispielsweise das Soziokulturelle Zentrum „Das Leo“ quasi zu Füßen des denkmalgeschützten Fördergerüsts entworfen.

„Wird wohl Jahre dauern“

Der „Visionär“ weiß von Berufs wegen, dass er mit seinem Wunschtraum dicke Bretter bohren muss. „Das wird wohl ein paar Jahre dauern, bis aus der Aussichtsplattform etwas wird.“ Klar ist für ihn: „Das geht nur in enger Zusammenarbeit mit der Industriestiftung Denkmalpflege.“

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Denn die ist (wie auch bei der benachbarten Maschinenhalle) Eigentümerin des Bauwerks - und hat es unlängst mit gut 2 Millionen Euro Landesmitteln von Grund auf renovieren und mit einem neuen Farbanstrich versehen lassen.

„30 Leute gleichzeitig“

Der Stiftung gehört auch das Fördergerüst am Malakoff-Turm der Zeche Prosper Haniel in Bottrop - quasi das „Vorbild“ für die Dorstener Idee. „30 Leute gleichzeitig“ sollen nach Vorstellungen von Steinau oben Platz finden. Den Metallboden müsste man dafür vergrößern, auch damit die Besucher rund um die großen Räder laufen können. Nötig sei zudem eine Einhausung, um die Menschen vor Wind und Wetter zu schützen.

Ein Projekt, das sehr teuer werden würde. Auf 200.00 bis 500.000 Euro schätzt er die Kosten. „Je nachdem, ob es eine einfache oder eine große Lösung geben würde.“

Vorbild für die Idee ist die Aussichtsplattform der Zeche Prosper II in Bottrop.

Vorbild für die Idee ist die Aussichtsplattform der Zeche Prosper II in Bottrop. © Schneider / Industriestiftung

Auf- und Abstieg müssten barrierefrei sein, „ohne dies käme man nicht an Fördermittel“, sagt Steinau. Dies sei nur durch einen Aufzug denkbar, „den müsste ein Investor betreiben, der für die Benutzung Geld einnimmt, um Kosten und Wartung zu refinanzieren.“

„Mit Abstand zum Gerüst“

Ein solcher Aufzug müsste mit etwas Abstand zum Gerüst errichtet werden, damit die Denkmalschutzbehörden weniger Probleme mit dem Projekt hätten. Aber vor dem Denkmalschutz ist Axel Steinau nicht bange: „Beim Minarett der Hervester Moschee im alten Postgebäude haben wir auch jahrelang Kämpfe ausfechten müssen - und am Ende hat es geklappt.“

Der Architekt sieht sich nur als Anstifter. Die Geschichte „ehrenamtlich als Einzelperson“ durchzuziehen, sei nicht möglich. Aber vielleicht der Bergbauverein, in dem Axel Steinau Mitglied ist?

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Wohl nicht, denn Vereinsvorsitzender Gerd Schute sieht den Verstoß kritisch: „Natürlich wäre es gut gewesen, wenn ein solches Projekt im Vorhinein machbar gewesen wäre“, sagt er. „Aber auch unabhängig vom Denkmalschutz ist das Ganze finanziell jetzt überhaupt nicht mehr realistisch.“

„Sehr, sehr kompliziert“

Auch die Stiftung für Industriedenkmalpflege macht dem „Visionär“ aus Dorsten nur wenig Hoffnung. Pressesprecherin Dr. Marita Pfeiffer: „Es ist immer schön, wenn sich Menschen Gedanken machen und man soll auch Träume haben“, sagt sie. Aber die Pläne würden „einen sehr großen Eingriff“ in das Denkmal bedeuten, „das wäre alles wahnsinnig aufwändig und sehr, sehr kompliziert“.

„Keine Priorität“

Eine solche Idee habe „unter den jetzigen Bedingungen“ keine Priorität: „Wir sind überhaupt schon froh, dass die Restaurierung dieses Bauwerks gefördert worden ist und bald auch die Beleuchtung dafür kommt, denn andere Fördergerüste stehen schon viel länger in der Warteschleife.“

Für Axel Steinau aber steht außer Frage: „Ein solches Denkmal ohne einen praktischen Nutzen ist eine Verschwendung von Möglichkeiten.“

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