Ein Plakat sagt mehr als 1000 Worte

Dorsten "In Zeiten des Wandels vollzieht sich auch immer ein künstlerischer Wandel", so Karlheinz Strötzel (Foto), Vorsitzender des Waslala-Freundeskreises.

07.11.2007 / Lesedauer: 2 min

Und solche Zeiten hat es in Nicaragua reichlich gegeben - davon zeugen die Infotafeln und Plakate, die seit Oktober im Forum der VHS hängen.

Eigentlich sollte es am Dienstagabend eine Führung durch diese Plakat-Ausstellung geben, abgerundet von einem Experten-Vortrag. Doch die Führung lohnte sich nicht, außer ein paar Freundeskreis-Mitgliedern war niemand erschienen. Altbekannte Gesichter, altbekannte Gespräche. "Nicaragua sagt den jungen Leuten heute nichts mehr", erklärte Karsten Hackländer, Referent vom Informationsbüro Nicaragua in Wuppertal, später in seinem Vortrag. Das Land sei in den Medien kaum präsent und allenfalls als "Bananenrepublik in Mittelamerika" im Gedächtnis.

Erinnerungen

Das bedauert der Freundeskreis "Waslala" nach 20 Jahren intensiver Städtepartnerschaft natürlich. Der Vereinsvorsitzende verbindet mit einem Plakat sogar persönliche Erinnerungen: Es zeigt einen Kreis von sich anfassenden Menschen, in dessen Mitte zwei geöffnete Hände sind, um die herum der Schriftzug "Nicaragua libre" steht. Der Grafiker Wiliam Agudelo entwarf es im Materialaustausch mit Karlheinz Strötzel.

Die Exponate stammen vom Informationsbüro Nicaragua und aus der Sammlung von Luise Scherf (Ehefrau von Bremens Alt-Bürgermeister), die in jungen Jahren im revolutionären Nicaragua als Kaffeepflückerin arbeitete.

Einfache Sprache

"Die Bildsprache ist einfach" erklärt Karlheinz Strötzel die Plakatästhetik. Das einfache Volk soll die prägnanten Botschaften der verschiedenen Kampagnen sofort verstehen - und das am besten ohne Worte. Denn wie fordert ein Plakat? "Muerte al Analfabetismo"! Was frei übersetzt so viel bedeutet wie "Tod dem Analphabetismus!". Noch Ende der 70er Jahre konnte die Hälfte der nicaraguanischen Bevölkerung weder lesen noch schreiben.

Die Plakate bilden mit den kräftigen Farben, populistischen Motiven und einprägsamen Slogans die interessante Bildchronik eines Landes, das von zahlreichen Umwälzungen geprägt ist. Einen Wandel hätte Nicaragua also auch in der deutschen Beachtung und Betrachtung verdient. AR

Die Ausstellung wird noch bis Ende November im Forum der VHS zu besichtigen sein. Eintritt kostet sie nicht.

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