Teures Werkzeug lässt sich versilbern - Tischlerei Görg und Baustoffhandel beklaut

hzEinbruchsserie in Werkstätten

Bei Einbrüchen in die Tischlerei Görg und den benachbarten Baustoffhandel an der Baldurstraße rafften Diebe Montagnacht alles zusammen, was sich auf dem Schwarzmarkt zu Geld machen lässt.

Dorsten, Holsterhausen

, 28.05.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Beute in der Tischlerei Görg an der Baldurstraße war beträchtlich: „Der Schaden geht in den fünfstelligen Bereich“, sagte Firmeninhaber Thomas Görg am Dienstagmorgen. Mitten im von Dieben hinterlassenen Durcheinander versuchte der Firmenchef, sich einen Überblick zu verschaffen. Das war nicht einfach: Aufgebrochene Türen überall, geplünderte Werkzeug-Rollwagen, durchsuchte und geleerte Schränke und Bürocontainer.

25 Akkuschrauber, fünf Handkreissägen, daneben unzählige Kleinwerkzeuge sind definitiv futsch. Was sonst noch fehlt, das konnten Thomas Görg und sein Sohn Philip am Dienstagmorgen nicht auf die Schnelle ermitteln: „Das wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen, wenn wir bei Außeneinsätzen bestimmte Werkzeuge brauchen und sie nicht mehr vorfinden.“

Teures Werkzeug lässt sich versilbern - Tischlerei Görg und Baustoffhandel beklaut

Die Stahltür mit Rohrverstärkung hielt den Einbrechern nicht stand. © privat

Die Täter hatten eine massive, verschlossene Stahltür mit Rohrverstärkung in der Werkstatt der Tischlerei mühelos geknackt. Sie hatten allerdings professionelle Hebelwerkzeuge aus dem benachbarten Baustoffhandel Bauen + Leben Teambaucenter mitgebracht. Die Spuren dieser Hebel waren an der Stahltür deutlich zu sehen.

Auch den neben Görg liegenden Baustoffhandel (ehemals Cirkel) hatten vermutlich dieselben Täter in der Nacht heimgesucht. Firmen-Niederlassungsleiterin Yvonne Reinholz sagte, dass zwei schwere Diamantschleifer verschwunden seien, außerdem eine Reihe von Werkzeugen und eben jene Hebelwerkzeuge, die die Einbrecher für das Aufstemmen erschlossener Türen brauchen.

Teures Werkzeug lässt sich versilbern - Tischlerei Görg und Baustoffhandel beklaut

Diesen Schrank in der Tischlerei räumten die Diebe leer. © privat

Und: „Auch bei uns wurden sämtliche Türen aufgebrochen und die Räume durchsucht.“ Dabei ließen die Einbrecher neuwertige Computer links liegen. Mit geklautem Werkzeug kann man allerdings gutes Geld auf dem Schwarzmarkt machen: „Auf Ebay zum Beispiel oder auf Flohmärkten“, nennt Polizeisprecher Michael Franz einschlägige Handelsplätze für die Hehlerware.

Die Anonymität der Märkte hilft den Tätern, ihre gestohlene Ware an den Mann zu bringen. So manch ein Käufer ist zwar misstrauisch, schlägt bei Markenware und Hightech zum Schleuderpreis aber dennoch zu - und macht sich mit dem Kauf strafbar. „Wer einen Markenbohrer für den halben Preis bekommt, der zögert wohl nicht lange“, meinte Philip Görg.

Teures Werkzeug lässt sich versilbern - Tischlerei Görg und Baustoffhandel beklaut

Leer geräumt: ein Rollwagen in der Werkstatt, in dem Werkzeug aufbewahrt wurde. © privat

Offenbar hatten die Diebe überhaupt keine Sorge, dass sie bei ihrem nächtlichen Treiben erwischt werden könnten. Im Gewerbegebiet an der Baldurstraße in Holsterhausen hält sich die Mischbebauung in Grenzen. Hier wohnen nur wenige Menschen. Verkehr herrscht hier in der Nacht kaum. Die Baldurstraße ist eine Nebenstrecke und nur tagsüber wegen der Gewerbebetriebe stark frequentiert. Unter solchen Rahmenbedingungen haben professionell aufgestellte Eindringlinge eher leichtes Spiel.

Notbeleuchtung spielte Dieben in die Hände

„Unsere Firma hat eine Notbeleuchtung“, sagte Thomas Görg. So konnten sich die Unbekannten zu allem Überfluss gründlich im Firmengebäude umschauen, ohne dass sie sich verdächtig gemacht hätten. Und gründlich gingen sie zu Werke: „Bei uns waren sie wirklich überall“, stellten Thomas und Philip Görg am Dienstagmorgen fest. Ans Arbeiten war in der Frühe jedenfalls nicht zu denken: „Wir mussten erst einmal neues Werkzeug bei unserem Lieferanten in Reken bestellen. Das hat uns drei Stunden gekostet neben der Erfassung der Schäden, die die Einbrecher hinterlassen haben“, stellte Philip Görg klar.

Teures Werkzeug lässt sich versilbern - Tischlerei Görg und Baustoffhandel beklaut

Ein Zaun zwischen den Höfen der beiden Firmen wurde von den Unbekannten umgerissen. So bahnten sie sich vermutlich den Weg vom Baustoffhandel zur Tischlerei, meint Philip Görg. © Claudia Engel

Die Eindringlinge hatten sich über die Rückseite des Firmengebäudes über ein Rolltor Zugang zur Firma verschafft. Dort nahmen die Täter die hochwertige Ausstattung an sich. „Einen von einem Kollegen gekennzeichneten Schrauber haben die Diebe aber liegen gelassen“, stellten Thomas und Philip Görg fest. Die Polizei weiß auch, warum: „Derart markiertes Werkzeug wird von den Tätern nicht verkauft, sie wissen, dass Ermittler sonst den Weg zum Tatort zurückverfolgen könnten“, sagte Polizeisprecher Michael Franz auf unsere Anfrage. Trotzdem rät die Polizei zur Markierung der Werkzeuge mit Individualnummern: „Das verrät uns, wem die Werkzeuge gehören“, sagte er.

70 Einbrüche in Lagerräume, sieben in Werkstätten

Der Verkauf von Diebesgut auf Flohmärkten oder Internetplattformen scheint ein gutes Geschäft zu sein. 2018 hat die Polizei in Dorsten sieben Einbrüche in Werkstätten (zwei weniger als 2017) und 70 (26 mehr als 2017) in Fabrikations- und Lagerräume verzeichnet. Von einer Serie mag Michael Franz aber nicht sprechen: „Solche Einbrüche hat es immer schon gegeben. Mal sind es mehr, mal weniger Diebstähle.“

Hinweise zu den Einbrüchen in der Baldurstraße nimmt die Polizei unter ihrer Hotline Tel. (0800) 2361 111 entgegen.

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