Mutter und Sohn (13) gehen in Dorstener Schulen auf Beutezüge - das Urteil

hzGerichtsprozess

Eine Dorstener Mutter und ihr Sohn wurden von der Polizei überführt, nachdem sie immer wieder in Dorstener Schulen eingebrochen sind. Jetzt kam es vor dem Schöffengericht zum Prozess.

Dorsten

, 14.11.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine aufsehenerregende Diebstahlserie elektrisierte zwischen November 2018 und Februar 2019 die Dorstener Öffentlichkeit: Immer und immer wieder drangen damals Einbrecher in zwei Dorstener Schulgebäude ein - in die Neue Schule und die Erich-Klausener-Realschule im Schulzentrum an der Pliesterbecker Straße sowie in die Von-Ketteler-Förderschule an der Bismarckstraße.

Nicht minder schlagzeilenträchtig war die Überführung der Täter durch die Polizei im März 2019: Es stellte sich heraus, dass eine 38-jährige Mutter aus Dorsten und ihr damals 13-jähriger Sohn die Beutezüge hingelegt hatten.

Sohn nicht schuldfähig

Am Mittwoch musste sich die Frau vor dem Schöffengericht für die Einbrüche verantworten - allein. Das Kind, das inzwischen nicht mehr bei der Mutter lebt, ist nicht strafmündig, weil es bei den Straftaten noch keine 14 Jahre alt gewesen ist. 14 Einbrüche listete die Anklage der Staatsanwaltschaft auf: Lautsprecherboxen, Computerzubehör, Geld, Rucksäcke und Werkzeuge ließen die beiden mitgehen, dazu Getränke aus den Vereinsräumen des Holsterhausener Carnevals-Clubs und des Fanfarencorps, die sich im Keller des Schulzentrums befinden. Besonders perfide: Aus der Von-Ketteler-Förderschule entwendeten Mutter und Sohn nicht nur ein Dutzend Laptops, sondern auch eine EC-Karte: Damit hob die inzwischen 39-Jährige anschließend vom Konto der dortigen Schüler-Firma „Echt lecker“ 1000 Euro ab.

„Nicht Buch geführt“

Die Frau räumte die Vorwürfe in Bausch und Bogen ein. „Im Detail weiß ich es nicht mehr genau, ich habe ja nicht Buch darüber geführt“, erklärte die Dorstenerin, die vorher völlig unbescholten gelebt hatte. Im Tatzeitraum habe sie in „existenzieller Not gelebt“, begründete sie auf der Anklagebank, warum sie straffällig geworden ist. Als alleinerziehende Mutter von zwei schwierigen Jungs („die sind mir aus dem Ruder gelaufen“) sei sie mit dem Hartz IV-Geld nicht ausgekommen, habe nicht arbeiten können und deswegen Schulden gemacht.

Gebäudeschlüssel gefunden

In jener Zeit habe sie sogar in Mülleimern und in Gebüschen nach leeren Pfandflaschen gesucht, um sie zu Geld zu machen, erklärte sie. So auch im November 2018 am Schulhof an der Pliesterbecker Straße. Dort fanden Umbauarbeiten für die Sekundarschule statt. „Die Türen waren auf, da bin ich rein und habe drinnen den Schlüssel für das Gebäude gefunden“, sagte sie. Mit diesem sei sie dann alle paar Tage nachts in die Schule gelangt. Auch beim ersten Einbruch in die Von-Ketteler-Schule fielen ihr Gebäudeschlüssel in die Hände, die ihr den späteren Zugang erleichterten.

„Wollte nicht allein sein“

Warum sie überhaupt ihren Sohn auf die Beutezüge mitgenommen habe? „Der ist mir sozusagen nachgelaufen“, redete sich die Frau heraus. „Er litt damals regelmäßig unter Atemnot und hatte Angst, allein zu Hause zu bleiben.“ Bei Richterin Lisa Hinkers kam das nicht gut an. „Dafür gibt es keine Entschuldigung, Eltern sollten Vorbild sein“, erklärte sie in der Urteilsbegründung. „Was soll denn ein Kind fürs Leben mitnehmen, wenn es zusehen muss, dass seine Mutter stiehlt?“

Der Angeklagten kam zugute, dass sie nicht vorbestraft gewesen ist: So kam sie mit zwei Jahren auf Bewährung davon. Allerdings kommt nun noch eine Lawine an Schadensersatzforderungen auf sie zu: Denn der Sohnemann hatte sich bei den Einbrüchen schwer ausgetobt - und für heftige Vandalismusschäden in den Schulgebäuden und ihren Verwaltungsräumen gesorgt.

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