Einem Takt auf der Spur

Dorsten Einen Klaviernachmittag mit Wolfgang Manz erlebten die Besucher am Sonntag im Forum der VHS. Mit zahlreichen Beispielstücken berühmter Komponisten illustrierte der Nürnberger Musikprofessor die Geschichte des Dreiviertel-Taktes vom Barock bis zur Spätromantik.

19.11.2007 / Lesedauer: 2 min

Der Nachmittag reiche bei Weitem nicht aus, um alle wichtigen Vertreter der Gattung zu berücksichtigen, bedauerte Wolfgang Manz. Schließlich gab es viele Musiker, die im Laufe der Jahrhunderte die Gattung des Dreiviertel-Takts von ihren Vorgängern übernahmen und ihren eigenen kreativen Ideen entsprechend abwandelten und um neue Aspekte ergänzten.

Bachs Menuette

Manz eröffnete sein Programm "Vom Menuett bis zum Konzertwalzer - Die Entwicklung einer Tanzform" mit zwei Menuetten aus Johann Sebastian Bachs Französischen Suiten. Bach hatte die Tanzform des Menuetts aus dem französischen Gesellschaftstanz adaptiert, der sich besonders am Hofe Ludwig XI großer Beliebtheit erfreute. In der Klassik nahm sich Joseph Haydn für seine Sonate in h-moll Hob.XV! 32 wiederum Bachs Menuette zum Vorbild, um seine eigene Interpretation der Musikform zu schaffen. Sie ist wesentlich dunkler und "man ahnt" - so Manz - "hierbei schon die Nähe Beethovens." Neben dem Musikgeschmack der unterschiedlichen Epochen, war für die Entwicklung des Dreiviertel-Taktes aber auch die Entwicklung der Musikinstrumente prägend. Wurden die Stücke bis dato für das Cembalo geschrieben, bedeutete die Erfindung des Hammerflügels die Eröffnung völlig neuer musikalischer Wege.

Dramatische Akzente

Manz illustrierte dies mit seiner Wahl der jeweils 3. Sätze aus Beethovens Sonaten op. 2/3 C-Dur mit Trio und op. 22 B-Dur mit Trio. Unter dem aufkommenden Subjektivismus Beethovens, er gilt als Wegbereiter der Romantik, wird das Menuett um dramatische Akzente und Konflikte erweitert, wie Manz eindrucksvoll demonstrierte. Nach Franz Schuberts Deutschem Tanz und den 10 Ländlern aus D 366 sowie Franz Lists von Schubert adaptierte Soiree de Vienne Nr.6 (1852), folgte mit Frédéric Chopin ein Komponist, der erstmals den Typus des Konzertwalzer hervorbrachte. Chopin erweiterte die Gattung des Dreivierteltaktes um Elemente der slawischen Volksmusik.

Manz schloss den interessanten Abend mit einer grandiosen Darbietung von Franz Liszt technisch schwierigem Mephisto-Walzer Nr.1 A-Dur. Die Bravo-Rufe aus dem Publikum waren mehr als verdient. EK

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