Elektro-Auto: Da macht auch das Tanken Spaß

Getestet

DORSTEN "Hmm, lecker!" Christian Stürmer schnuppert und verzieht ironisch das Gesicht. Die Abgase des knatternden Trabbis vor ihm stinken zum Himmel. Kein Auto für den Dorstener: Er fährt seinen Citroën Saxo mit Elektro-Antrieb gerade zur ersten öffentlichen RWE-Elektrotankstelle in NRW.

von Von Berthold Fehmer

, 10.07.2009, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die wurde in der vergangenen Woche am ADAC-Servicecenter in Mülheim an der Ruhr eröffnet. Auf dem Weg dorthin erzählt der 36-Jährige von seiner ersten Begegnung mit einem Elektro-Auto. "Das war ein magischer Moment." Für 10 000 Euro kaufte Stürmer sich vor einem Jahr sein jetziges Auto. Ein Gebrauchtfahrzeug. Seitdem ist Stürmer 30 000 Kilometer damit gefahren. Und zahlt pro 100 Kilometer zwei Euro Stromkosten. Dass sein Saxo nur rund 100 Kilometern mit einer Batterieladung schafft, hat Stürmer nicht davon abgehalten, sogar nach Barcelona zu fahren. "Strom gibt´s überall", sagt er. Und findet es dennoch gut, dass RWE ein flächendeckendes Netz von Elektrotankstellen plant.

Ratlosigkeit an der "Tank"-Säule

In Mülheim angekommen, löst sich Stürmers Begeisterung beim Anschließen des Drehstromsteckers an die "Tank-Säule" in Ratlosigkeit auf. Denn der Strom will nicht fließen. Ein Vergleich der Stecker ergibt, dass an der Säule einige Kontakte zusätzlich vorhanden sind, die die Tanksäule für das Fahrzeug freischalten. Stürmers Stecker hat diese Kontakte nicht. Ein Anruf bei RWE und man verspricht, ein passendes Kabel noch im Laufe des Tages vorbei zu bringen.

Das dauert Stürmer zu lange. Mit gerade Mal 20 Prozent Batterieladung könnte er aber auch nicht zurück nach Dorsten fahren. Jetzt hilft das Navigationsgerät. Darin sind Auflade-Möglichkeiten in Hülle und Fülle einprogrammiert - unter anderem bei einem Elektrofahrzeug-Besitzer wenige Kilometer entfernt. Hier kann Stürmer die Ladegeräte anschließen. Während der Saxo lädt, trägt Stürmer sich ins Gästebuch des ihm völlig unbekannten Elektro-Verbündeten ein. Und wirft 1,50 Euro in die kleine Gelddose. "Eigentlich habe ich ja nur für einen Euro getankt."Motor ist nicht zu hören

Für die Rückfahrt soll nun der Verfasser dieser Zeilen hinters Steuer. "Jetzt den Schlüssel drehen", fordert Stürmer auf: "Und losfahren!" "Aber der ist doch gar nicht an?" "Doch!" Tatsächlich: Bis auf das Anspringen einer Kühlwasserpumpe hört man wirklich nichts.

Besonders "sportlich", das merkt man bereits nach wenigen Kilometern, fährt sich der Saxo nicht gerade. Kein Wunder bei 30 PS. Auch eine Schaltung gibt es nicht. Um wütenden Hup-Orgien hinter sich zu entgehen, ist der Wagen jedoch schnell genug. Da könnte man glatt vergessen, dass man in einem Elektro-Auto sitzt.Sparsamer Modus auf den letzten Kilometern

Wäre da nicht die Batterieanzeige, die sich auf dem Weg durch Oberhausen, Bottrop und Kirchhellen wieder dramatisch der Null nähert. Doch Stürmer bleibt gelassen. "Da ist noch eine Reserve einkalkuliert." Auf den letzten Kilometern schaltet sich der Elektro-Antrieb in einen sparsameren Modus. Richtig beschleunigen ist jetzt nicht mehr drin.

Zum Aufladen daheim hat Stürmer einen Vertrag mit einem Ökostrom-Anbieter geschlossen. "Konsequent", findet er das. Als "Öko" würde er sich wohl trotzdem nicht bezeichnen. "Ich lasse Leute lieber mit dem Auto Probefahren, als ihnen davon zu erzählen. Ich bin kein Missionar."

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