Attacke auf EPS startet am Montag in Dorsten an ausgewählten Orten

hzEichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner hat im letzten Jahr viele Menschen und Tiere in Dorsten über Monate gequält. Ab Montag wird vorgesorgt, doch viele Betroffene müssen sich noch gedulden.

Dorsten

, 23.04.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Viele Wochen haben Madeleine und Wolfgang Tripptrap und ihre Nachbarn an der Barkenberger Allee in den letzten Jahren gelitten. Juckreiz, Atemnot - „das war ganz schlimm“, sagt Madeleine Tripptrap. Entlang des Weges hinter ihrem Garten stehen mehrere Eichen, die voll waren mit Nestern des Eichenprozessionsspinners (EPS). „Manchmal sind die Härchen bis in den Hausflur geweht worden“, erinnert sich die Barkenbergerin.

Unterschriften in der Nacharschaft gesammelt

Ihre Hilferufe wurden aber lange nicht erhört, „obwohl die Bäume auf öffentlicher Fläche stehen“, sagt Wolfgang Tripptrap, der frühere Leiter der Gesamtschule Wulfen. Also haben die Eheleute Anfang des Jahres Unterschriften in der Nachbarschaft gesammelt und der Stadtverwaltung einen Brief geschrieben. Tenor: „Bitte denken Sie in diesem Jahr frühzeitig daran, die Raupen zu bekämpfen.“

Die Eichenprozessionsspinner haben in den letzten Jahren für viele Probleme in Dorsten gesorgt.

Die Eichenprozessionsspinner haben in den letzten Jahren für viele Probleme in Dorsten gesorgt. So auch an der Barkenberger Allee. Hier haben sich einige Anwohner zusammengetan und sich gemeinsam an die Stadt gewand, u.a. Madeleine und Wolfgang Tripptrap, Helga Trogemann (r.) und Jochen Werres (l.). © Guido Bludau

So schlimm wie 2019 war die Raupen-Plage noch nie in Dorsten. Über 1000-mal wurden dem Ordnungsamt Plätze gemeldet, an denen der giftige Eichenprozessionsspinner (EPS) gesichtet wurde. „Die Zahl hat sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt“, sagt Christoph Fortmann. Besonders übel war es in Wulfen, Hervest, Holsterhausen und der Feldmark.

Dorsten ist nun besser vorbereitet

Ungewiss, wie es 2020 wird. Ein trockener August und ein milder Winter lassen aber die Vermutung zu, dass der Eichenprozessionsspinner sich möglicherweise wieder „prächtig“ entwickelt. „Niemand sollte glauben, dass dieses natürliche Phänomen vollständig in den Griff zu bekommen ist“, meinte Dezernentin Nina Laubenthal schon vor Monaten. Aber die Stadtverwaltung ist nach eigenem Bekunden diesmal besser vorbereitet.

„Niemand sollte glauben, dass dieses natürliche Phänomen vollständig in den Griff zu bekommen ist.“
Nina Laubenthal

Im Rathaus wurde in den letzten Monaten zum Beispiel eine Kartierungssoftware mit dem Namen „Der Raupenmelder“ entwickelt. Über den normalen PC-Webbrowser und via Smartphone sollen die Bürger einen Befall melden können und müssen nicht mehr zwingend im Ordnungsamt anrufen. Noch ist der Service aber nicht freigeschaltet, denn es geht in den kommenden Wochen erst einmal um Prävention.

Am Montag startet die Prävention

Ab Montag (27. April) werden Bäume auf städtischen Grundstücken besprüht, bestätigte die Stadtverwaltung auf Anfrage. Eichen im Umfeld von Schulen und Kindergärten stehen ebenso wie die an Spielplätzen und Friedhöfen ganz oben auf der Prioritätenliste.

Deshalb wurden bereits am Samstag (25. April) mithilfe eines Hubsteigers die Baumbestände im Bereich von Schulen und Friedhöfen mit Mitteln gegen die EPS-Raupen behandelt. Dazu wurden gleich mehrere Zweiertrupps der Stadtgärtnerei im Stadtgebiet eingesetzt. So unter anderem an der B 58 in Wulfen im Bereich der Montessorischule.

Die Stadt begann am Wochenende bereits mit der Bekämpfung der Raupen entlang der B 58.

Die Stadt begann am Wochenende bereits mit der Bekämpfung der Raupen entlang der B 58. © Guido Bludau

Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Jetzt beginnen die Raupen aus den Eiern zu schlüpfen, ihre giftigen Brennhaare entwickeln sich aber erst in einigen Wochen.

Gespritzt wird in Dorsten generell ein Biozid namens „Foray ES“, das nach bisherigen Erkenntnissen den höchsten Wirkungsgrad hat und nur gegen freifressende Schmetterlingsraupen wirkt. „Es gibt noch viele andere Methoden, die aber zum Teil noch nicht ausreichend erprobt sind“, sagt Andreas Fuest (Grünflächenamt).

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Zwei Testgebiete für alternative Methoden

Trotzdem richtet die Stadtverwaltung zwei Testgebiete ein, um alternative Methoden auszuprobieren: Auf dem Friedhof Schultenfeld (mehr als 100 Eichen) in Wulfen-Barkenberg kommt das Präparat „Tp-Nema“ zum Einsatz. Es ist deutlich teurer als andere Mittel, hat angeblich keine Auswirkungen auf andere Raupenarten, soll aber nur begrenzt tauglich sein.

An Kreisstraßen

Nistkästen und Bio-Spritze

Der Kreis Recklinghausen wollte ab Mittwoch rund 300 Eichen an Kreisstraßen vorbeugend besprühen, u.a. an der Lembecker Straße/Lippramsdorfer Straße, an der Bestener Straße und An der Wienbecke. Wegen anhaltend starker Winde soll nun am Freitag damit begonnen werden. Zum Besprühen wird eine sogenannte Turbinenspritze verwendet, die das Biozid zielgenau auf die Blätter sprüht. Bereits im Januar hatte der Bauhof zudem Nistkästen an 100 Kreisbäumen angebracht, damit Meise und Co. ebenfalls den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner aufnehmen.

Im Barloer Busch wird mit Unterstützung des Hegerings eine sogenannte „EPS-Falle“ getestet. Das sind kleine Beutel mit Duftstoffen, die an Bäumen angebracht werden und sich in der Sonne auf 70 Grad aufheizen. Die Eichenprozessionsspinner wandern blindlings hinein, ihre giftigen Härchen werden unschädlich gemacht.

Bessere Kommunikation mit Bürgern

Die Stadtverwaltung lockert darüber hinaus die Vorgaben für Privateigentümer. Sie dürfen in den nächsten Monaten auf eigene Kosten Nistkästen für natürliche Feinde der Raupen und EPS-Fallen aufhängen, städtische Bäume in der Nachbarschaft ihrer Gärten besprühen oder Raupen entfernen lassen. „Das muss aber vorher mit der Grünflächenabteilung abgesprochen werden“, betont Nina Laubenthal.

Im vergangenen Jahr gab es diese Möglichkeit nicht. Die Nachbarn an der Barkenberger Allee hoffen, dass ihnen schnell geholfen wird, wenn sie sich melden. Am besten schon, bevor es zu spät ist.

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