EPS-Plage in Dorsten fast so schlimm wie 2019 - aber anders

hzEichenprozessionsspinner

Alle reden über Corona, aber kaum jemand über den Eichenprozessionsspinner (EPS). Dabei war die Raupenplage in Dorsten fast so schlimm wie letztes Jahr - mehrere Erklärungen, eine Bilanz.

Dorsten

, 21.09.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadtverwaltung in Dorsten hat jetzt auf Anfrage bestätigt, dass der Raupenbefall gegenüber 2019 leicht zurückgegangen ist, „aber dennoch hoch war“. Dass es öffentlich kaum Beschwerden gab, hängt wohl mit der Strategie zusammen, die im Rathaus vor einem Jahr entwickelt worden war. „Das hat zu einer merklichen Entspannung geführt“, sagt Stadtsprecher Ludger Böhne.

Nur „ausgewählte“ Bäume wurden vorab behandelt

Exakt 502 Bäume sind in den vergangenen Monaten in Dorsten „behandelt“ worden. Im Jahr 2019 waren es noch 738 Bäume (2018: 367). Allerdings: Die Stadt hat klare Prioritäten gesetzt und Bäume im Außenbereich diesmal außer Acht gelassen.

„Nach Auswertung der Daten aus 2020 hat sich die Prophylaxe an neuralgischen Punkten wie Schulen, Kindertageseinrichtungen und Friedhöfen als sehr erfolgreich erwiesen“, betont Böhne nach Rücksprache mit der zuständigen Dezernentin Nina Laubenthal. „Absolut bewährt“ habe sich der „digitale Raupenmelder“.

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Auf der städtischen Homepage konnten Bürger erstmals EPS-Nester an Bäumen melden. „Die Einsatzorte konnten deshalb sehr schnell abgearbeitet werden, weil Abläufe automatisiert wurden, sodass es nur sehr wenige Beschwerden gab“, berichtet der Stadtsprecher. „Wie uns viele Bürger mehrfach gespiegelt haben, ist der Raupenmelder übersichtlich und informativ im Aufbau und die Abgabe der Meldungen einfach.“

Teil der Strategie, die Anfang des Jahres politisch abgesegnet worden war, war auch der neuerliche Einsatz von Bioziden an ausgewählten Bäumen. Arbeitsintensiv und zeitraubend sei das gewesen, so Böhne, „da jedes verfügbare Mittel alle Raupenarten absterben lässt“.

Mitglieder des Hegerings haben im Frühjahr im Barloer Busch Fallen aufgehängt, um den Eichenprozessionsspinner unschädlich zu machen.

Mitglieder des Hegerings haben im Frühjahr im Barloer Busch Fallen aufgehängt, um den Eichenprozessionsspinner unschädlich zu machen. © Hegering

Einen anderen Weg wählte der Hegering. Die Jäger aus Dorsten und Lembeck brachten zum Beispiel an den Hauptwegen des Barloer Busch sogenannte „EPS-Fallen“ und Nisthilfen für Meisen an, die als natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners gelten.

In der Summe waren es wohl die unterschiedlichen Methoden, die die EPS-Plage in diesem Jahr in Dorsten weniger schlimm erscheinen ließen.

Die Aufträge für die Absaugung der Nester wurden nach Angaben der Stadtverwaltung in diesem Jahr außerdem stadtteilbezogen ausgeschrieben, damit das Arbeitspensum für die beauftragten Unternehmen zu leisten war. „Dass der Befall in diesem Jahr weniger stark ausgefallen ist, führen wir zum Teil auch auf das Absaugen in den vergangenen Jahren zurück, aber auch auf eine entwicklungsbedingte Mortalität der Raupen“, sagt Böhne.

Probleme bereiteten die zum Teil unterschiedlichen Schlupfzeitpunkte der Larven bedingt durch Nachtfröste Anfang April. Deshalb mussten einige Bereiche mehrmals von den Firmen angefahren und bearbeitet werden.

Die „Arbeitsgruppe EPS“ im Rathaus wird die Strategie in den nächsten Monaten unter Berücksichtigung dieser Erfahrungen noch einmal durcharbeiten, gegebenenfalls anpassen und Anfang des Jahres 2021 der Politik zur Beratung vorlegen, kündigte die Stadtverwaltung an.

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