Experten-Appell: Nicht nachlassen und die Kurve weiter flach halten

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Dass in Dorsten nur noch 24 Menschen akut mit dem Coronavirus infiziert sind, ist kein Anlass für Entwarnung. Experten warnen vor der unbekannten Dunkelziffer und der steigenden Sterberate.

Dorsten

, 22.04.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Dorsten gibt es derzeit 24 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus. Von den insgesamt seit Ausbruch der Krankheit und Beginn der Meldepflicht 146 durch Test bestätigten Infizierten sind nämlich inzwischen 119 wieder genesen. Drei Menschen sind an Covid 19 gestorben.

In Haltern ist derzeit nur bei acht Menschen eine Infektion nachgewiesen. Ist die Corona-Gefahr also gebannt? „Auf gar keinen Fall“, hieß es in dieser Woche beim Kreis Recklinghausen. Vor allem aufgrund der schwer einzuschätzenden Dunkelziffer (Expertenmeinungen schwanken in ihren Schätzungen zwischen zwei- bis sechsmal mehr Infektionen als den bekannten) sei aus der Zahl der aktuell Infizierten keine Entwarnung abzuleiten. Wie Kreis-Pressesprecher Jochem Manz auf Nachfrage mitteilte, eigne sich die Zahl nicht einmal zur besseren Nachverfolgung von Infektionsketten oder ähnlichen Erkenntnissen.

Fallzahlen und Reproduktionsrate müssen sinken

In der Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag (21. April) zeigte sich Prof. Dr. Lars Schaade zwar erfreut über sinkende Fallzahlen, ließ aber keinen Zweifel dran, dass „die Zahlen der Neu-Infektionen nicht ansteigen dürfen“, man also keineswegs auf der sicheren Seite sei. Solange weder Impfstoff noch Medikamente gegen Covid 19 zur Verfügung stünden, sei die Pandemie nur mit niedrigen Fallzahlen bei einer gleichzeitigen Reproduktionsrate unter 1 auszuhalten. Selbst wenn in Deutschland keine neuen Fälle mehr gemeldet würden, sei es jederzeit möglich, das Virus wieder aus dem Ausland einzuschleppen.

Die Reproduktionszahl benennt, wie viele Menschen ein Infizierter mit dem Coronavirus ansteckt. Wenn es in Deutschland gar keine Maßnahmen geben würde und sich das Virus ungehemmt verbreiten könnte, läge die Ansteckungsrate von Covid 19 verschiedenen Studien zufolge wohl zwischen 2,4 bis 3,3: Ein Erkrankter würde also mehr als zwei bis drei weitere Menschen anstecken, diese wiederum jeweils drei weitere und so weiter. Deshalb gilt weiter das Motto „Flatten the curve“ (Haltet die Kurve flach). Das RKI und auch Kanzlerin Angela Merkel haben wiederholt betont, der Wert müsse dauerhaft unter eins liegen, damit die Epidemie eingedämmt wird.

Zahl der Todesfälle steigt auch im Kreis Recklinghausen

Deutschland hat nach Angaben des RKI zurzeit 173 Infizierte pro 100.000 Einwohner. Im Kreis Recklinghausen sind es 145. Allerdings steigt auch hier die Zahl der Todesfälle. Waren es am 15. April noch sechs, ist die Zahl bis zum 22. April auf 16 angestiegen. Damit liegt der Kreis im bundesweiten Trend, denn nach Auskunft des RKI steigen die Todesfälle überall. Im Mittel überleben in Deutschland 3,2 Prozent der Infizierten die Krankheit nicht.

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