Kind (12) angefahren: Autofahrerin macht sich nach einem „Na, alles klar?“ aus dem Staub

hzFahrerflucht nach Unfall

„Na, alles klar?“ Diese Frage gönnte eine Autofahrerin einem zwölfjährigen Mädchen am Montagnachmittag noch, nachdem sie es am Vosskamp angefahren hatte. Dann war die Frau auch schon weg.

Dorsten

, 10.12.2019, 13:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine noch unbekannte Autofahrerin hat am Montagnachmittag gegen 16.30 Uhr eine zwölfjährige Fußgängerin am Vosskamp in Höhe des Südwalls in der Dorstener Altstadt mit ihrem Auto angefahren und verletzt. Die Frau im schwarzen Auto ließ das Fenster herunter und fragte das Kind: „Na, alles klar?“ Und dann war sie auch schon auf und davon, ohne sich um die leicht verletzte Zwölfjährige zu kümmern. Dieses Verhalten sei nicht akzeptabel, sagt die Polizei auf Anfrage.

Autofahrer sollten unbedingt warten, bis die Polizei kommt

„Wenn Kinder mit im Spiel sind, sollten Autofahrer unbedingt warten und die Polizei informieren, dass es einen Unfall gegeben hat“, so Polizeisprecher Andreas Lesch. Denn Kinder antworteten im ersten Schock oder weil sie sich vielleicht selbst für den Unfall verantwortlich fühlten, mit einem „nichts passiert“. „Im Nachhinein stellt sich dann aber erfahrungsgemäß heraus, dass das Kind beim Zusammenstoß mit dem Auto doch verletzt worden ist“, so Lesch.

Autofahrer sollten deshalb an Ort und Stelle bleiben, sich um das Kind kümmern und die Polizei informieren, „auch wenn auf den ersten Blick ja nichts passiert ist“. Termindruck oder der Eindruck, dass ja alles in Ordnung sei, dürfe nicht dazu führen, dass eine Unfallflucht begangen wird.

Autofahrerin fuhr schwarzen Wagen und ist etwa 40 Jahre alt

Die unbekannte Autofahrerin von Montag soll etwa 40 Jahre alt sein, hat lange, glatte, grau-blonde Haare und fuhr ein schwarzes Auto. Als sie mit dem Wagen nach rechts in den Vosskamp einbog, erwischte sie das Kind mit ihrem Fahrzeug. Die Polizei bittet um Zeugenhinweise, um die Fahrerin zu ermitteln: Tel. (0800) 2361 111.

Kein Einzelfall, wie Polizeiberichte aus jüngerer Vergangenheit zeigen. In Schermbeck waren am 27. November eine neunjährige Radfahrerin und eine zunächst unbekannte Autofahrerin auf der Freudenbergstraße in Richtung Mittelstraße unterwegs. Die Frau im Auto bog nach rechts in die Schloßstraße ab. Das Mädchen wollte weiter geradeaus fahren. Dabei kam es zum Zusammenstoß.

Die Fahrerin stieg kurz aus und sprach mit dem Mädchen, setzte dann aber ihre Fahrt fort. Nach ersten Veröffentlichungen meldete sich die Frau am Abend des Ereignisses selbst auf der nächsten Polizeiwache.

Kind auf Motorhaube gefallen und dann auf den Boden

Im Juni stießen auf dem Willy-Brandt-Ring in Höhe des Ostgrabens ein Auto und ein 13-jähriger Radfahrer zusammen. Der Junge war auf dem Gehweg in Richtung Mercaden unterwegs, der Autofahrer fuhr auf den Gehweg und übersah das Kind. Das Kind fiel auf die Motorhaube, dann auf den Gehweg. Auch in diesem Fall fragte der Autofahrer, ob alles in Ordnung sei und entfernte sich dann von der Unfallstelle.

Unfallfluchten sind keine Kavaliersdelikte

Unfallfluchten, zumal mit Personenschaden, sind keine Kavaliersdelikte. Die Verrohung der Sitten im Straßenverkehr ist ein zunehmendes Phänomen - das bestätigt die Polizei. „Einige Autofahrer warten augenscheinlich nicht gerne, bis die Polizei kommt und stellen die Kollegen dann zur Rede“, sagt Andreas Lesch. Das Verständnis für die längere Wartezeit tendiere gegen Null.

„Wir priorisieren Unfälle und dann kann es passieren, dass Unfallbeteiligte auf der Liste nach hinten rutschen“, erklärt Lesch. Bei Personenschäden aber sei die Polizei sofort zur Stelle. Zeitnot oder Termindruck sind jedenfalls keine Entschuldigung dafür, ein hilfloses und verletztes Kind allein am Unfallort zurückzulassen.

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