Forderung: Dorsten soll Kunst im öffentlichen Raum besser pflegen

hzKunst-Diskussion

Wie geht Dorsten mit Kunstwerken im öffentlichen Raum um? Könnte viel besser sein, wird kritisiert. Nicht nur bei der umstrittenen und beschmierten Edelstahl-Skulptur am Recklinghäuser Tor.

Dorsten

, 12.07.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer wieder mal gibt es Kritik, wie in Dorsten mit Kunst im öffentlichen Raum umgegangen wird. Der Tisa-Brunnen mit seinen Relief-Arbeiten - lange stiefmütterlich behandelt, nun abgebaut. Das „Granatapfel“-Kunstwerk am Franziskanerkloster - seines Wasserspiels und seines runden Beckens beraubt. Die Bronze-Skulptur an der Essener Straße - seit Wochen mit Farbe beschmiert. Wie auch die Skulptur am St. Ursula-Gymnasium, das Bauhaus-Graffitti in der Bauhaus-Stiege und so weiter und so fort.

Verheerendes Aussehen

Besonders schlimm sieht seit langer Zeit die Edelstahlskulptur am Recklinghäuser Tor aus: 2001 machte die Sparkasse Vest die Groß-Plastik der Stadt anlässlich der 750-Jahr-Feier Dorstens zum Geschenk. Das Kunstwerk des Bildhauers Martin Steiner symbolisiert die Deutsche Einheit - sieht aber inzwischen verheerend aus, ist mit gesprayten Schriftzügen über und über verunstaltet.

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Mitglieder der FDP Dorsten hatten vor ein paar Wochen versucht, die in der Dorstener Bevölkerung umstrittene Skulptur zu reinigen - mit überschaubarem Erfolg. Jetzt hat die FDP dieses zudem gerne auch noch als Fahrradabstellplatz zweckentfremdete Kunstwerk zum Anlass genommen, eine politische Diskussion anzustoßen.

FDP-Antrag

In einem Antrag an den Rat der Stadt forderte die liberale Fraktion unlängst, in Dorsten „der Kunst und den Kulturgütern im öffentlichen Raum mehr Wertschätzung“ entgegenzubringen. Denn: „Kultur ist die Grundlage unseres gesellschaftlichen Miteinanders“, heißt es in dem Antrag.

Hinweise zu den Werken

Die Stadt wird darin aufgefordert, das Kunstwerk am Recklinghäuser Tor in einen gepflegten Zustand zu versetzen und eine Informationstafel anzubringen. Dies soll unter Einplanung der dafür notwendigen Haushaltsmittel auf alle Denkmäler in der Stadt ausgeweitet werden, samt Hinweisen zu den einzelnen Kunstwerken auf der städtischen Internet-Seite.

Die Figuren an der Essener Straße sind bereits seit Wochen mit Farbe beschmiert.

Die Figuren an der Essener Straße sind bereits seit Wochen mit Farbe beschmiert. © Michael Klein

Bürgermeister Tobias Stockhoff verwies in der jüngsten Ratssitzung auf die Regelungen der Nachhaltigkeitssatzung: Mittel im Etat seien nicht vorgesehen, würde man Geld für solche Maßnahmen aufwenden, müsste dies an anderer Etat-Stelle kompensiert werden. Gleichwohl äußerte er „grundsätzliche Sympathie für den Antrag“.

Nach kurzer Diskussion fasste der Rat einstimmig folgenden Beschluss: Der FDP-Antrag wird zunächst an den „Beirat für Kunst im öffentlichen

Raum“ sowie nach der Kommunalwahl an den dann für Kultur zuständigen Ausschuss verwiesen. Die Verwaltung soll dafür eine Sitzungsvorlage erarbeiten.

Vielleicht wird diese dann auch eine Liste enthalten, wo überall in Dorsten künstlerische Werke im öffentlichen Raum zu sehen sind - auch das gehört zu einer Würdigung dazu. Denn im Gegensatz zu den Denkmälern gibt es eine ähnliche detaillierte und umfassende Übersicht für Kunstwerke nicht. Lediglich einen Wikipedia-Eintrag im Internet, der aber unvollständig ist.

Breit gefächert

Immerhin lässt der Eintrag erkennen, wie breit gefächert in Dorsten die Kunst im öffentlichen Raum ist: von der Metall-Skulptur am Segelflugplatz über die Säule „Zueinander -Miteinander“ vor dem Rathaus-Eingang bis hin zur Waschbeton-Figur „Die Gebärende“ von Antonio Filippin an der Drüppelstraße in Holsterhausen. Und von der Marienfigur aus dem 19. Jahrhundert an einem Hausgiebel am Marktplatz über den „Esel“ von Rainer Kuehn an der Gahlener Straße bis hin zum Kriegerdenkmal mit der Jünglings-Skulptur an der Halterner Straße in Hervest und die Street-Art-Arbeit „Hurry up, boy“ im unteren Bereich des Bahnhofs Dorsten.

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Aber es gibt noch mehr Kunst jeglicher Couleur zu entdecken, wenn man sich offenen Auges durch Dorsten bewegt: Wandmalereien, immer mal wieder Tisa-Werke, Relikte aus dem Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 wie die Kohlenstele am Bootshaus oder die Bürgerskulptur am Handwerkshof in Barkenberg.

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