Frau am Schloss Lembeck mit Auto überrollt: Jetzt redet der Angeklagte

hzLandgericht Essen

Nach dem tödlichen Ehedrama auf dem Parkplatz von Schloss Lembeck redet der Angeklagte nun doch. Die Richter bleiben jedoch skeptisch.

Lembeck/ Essen

, 07.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Damit hatten auch die Richter nicht gerechnet: Im Mordprozess um das tödliche Ehedrama auf dem Parkplatz von Schloss Lembeck hat der Angeklagte sein Schweigen am Freitag doch noch gebrochen. Von einem Geständnis kann aber keine Rede sein.

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„Es gab zwar ein Rumpeln, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich jemanden überfahren habe“, sagte der 79-Jährige den Richtern am Essener Schwurgericht. „Meine Frau hat sich wohl an der Beifahrertür festgehalten, dann hat sie losgelassen und ist wohl vors Auto gefallen.“

Keinen Zentimeter rückwärts gefahren

Genau diese Version halten Gericht und Staatsanwaltschaft allerdings für extrem unwahrscheinlich. Laut Anklage hat der Bochumer seine Frau zunächst beim Anfahren zu Fall gebracht, dann zurückgesetzt und sie dabei absichtlich überfahren.

Von dieser Version will der 79-Jährige allerdings nichts wissen: „Überfahren als sie am Boden lag? Tausendprozentig nein!“ Er sei auch keinen Zentimeter rückwärts gefahren. Geschockt war er nach eigenen Angaben natürlich schon: „Meine Frau lag am Boden, auf dem Bauch, den Arm ausgestreckt. Ich habe sie ein bisschen angehoben, alles war voller Blut.“

Reifenabdruck auf der Jacke

Die Polizei hatte später auf der Jacke der 65-Jährigen den Abdruck eines Autoreifens feststellen können – von der Schulter bis zur Hüfte. Die 65-Jährige muss bereits auf dem Bauch gelegen haben, als sie überfahren wurde. Und zwar mit dem rechten Hinterrad. Die Beamten hatten dafür einen besonderen Test gemacht. „Wir haben die Hinterreifen mit Druckerschwärze eingerieben und abgerollt, da konnte man die Spuren vergleichen“, sagte einer der Ermittler als Zeuge vor Gericht.

Kalt und abgezockt?

Der Angeklagte hatte an jenem 30. September 2018 selbst die Polizei gerufen und außerdem zwei Motorradfahrer um Hilfe gebeten. „Ich war total aufgeregt“, sagte der 79-Jährige den Richtern. „Ich habe das mit meinem Handy erst überhaupt nicht hingekriegt.“ Zeugen haben den Bochumer hingegen als völlig kalt und abgezockt beschrieben. Für seine Frau kam jede Hilfe zu spät.

"Da muss man richtig Gas geben"

Fakt ist: Es gibt große Zweifel an der Aussage des Angeklagten. „Das man nicht mitkriegt, dass man einen menschlichen Körper überfährt, das kann nicht sein“, sagte Richter Martin Hahnemann im Prozess. „Da muss man ja auch ein bisschen Gas geben.“

Der Angeklagte hatte sich mit seiner Geliebten am Schloss getroffen, war dort von seiner Ehefrau überrascht worden. Ihr hatte er erzählt, dass er zu einem Flohmarkt fahre. Der Prozess wird fortgesetzt.

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