Gepeinigte Frauen und Kinder: Vier Schicksale aus dem Frauenhaus Dorsten

hzFrauenhaus Dorsten

Gewalt gegen Frauen hört nicht auf. 68 Frauen suchten 2019 Schutz und Zuflucht im Frauenhaus. Vier anonymisierte Einzelschicksale zeigen, warum das Dorstener Frauenhaus wichtig ist.

Dorsten

, 21.12.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Welche Schicksale verbergen sich hinter den Zahlen, die das Frauenhaus-Team alljährlich veröffentlicht? Auf unsere Bitte hat uns das Team vier anonymisierte Fallbeispiele zur Verfügung gestellt.

Die Schilderungen im Telegrammstil könnten so oder ähnlich auf die 64 anderen Frauen zutreffen, die sich vor der Gewalt, vor den Nachstellungen oder den psychischen Misshandlungen ihrer Männer oder Lebenspartner ins Dorstener Frauenhaus geflüchtet haben.

  • Fall 1: Frau, 22 Jahre alt, ein Sohn. Lebte mehrere Monate im Frauenhaus, da sie Opfer häuslicher Gewalt war. Wegen des gemeinsamen Sohnes kam es zu Kontakten mit dem gewalttätigen Expartner. Nach wenigen Tagen Abwesenheit kehrte sie schwer misshandelt, aber ohne ihr Kind ins Frauenhaus zurück. Aus Sicherheitsgründen musste sie die Schutzeinrichtung wechseln.
  • Fall 2: Frau, 37 Jahre alt, zwei Kinder. Mietschulden, da sie ihre Wohnung wegen häuslicher Gewalt und Unterbringung im Frauenhaus verlassen musste. Sie findet wegen negativer Schufaauskunft keinen neuen Wohnraum.
  • Fall 3: Frau, 32 Jahre alt, zwangsverheiratet, zwei Kinder. Sie wurde vom Ehemann und dessen Familie wie eine Sklavin gehalten. Die Frau kämpft um das Aufenthaltsbestimmungsrecht für ihre beiden Kinder, um sich ein neues Leben aufbauen zu können.
  • Fall 4: Frau, 43 Jahre alt. Sie schaffte es nach acht Aufenthalten in verschiedenen Frauenhäusern, darunter auch Dorsten, sich von ihrem gewalttätigen Ehemann endgültig zu lösen und eine eigene Wohnung zu beziehen.

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Wie viel Leid und Demütigungen diese Frauen ertragen haben, bis sie sich entschlossen, ins Frauenhaus zu flüchten, kann man nur erahnen. Glücklicherweise ist keine dieser Frauen zu Tode gekommen.

Im Dorstener Frauenhaus sind überwiegend Frauen aus anderen Städten untergebracht. Die Adresse des Frauenhauses wird geheimgehalten zum Schutz der Bewohnerinnen. Hilfesuchende wenden sich an Tel. (02362) 41055. Das Frauenhaus Dorsten ist stets auf Spenden angewiesen, da die Zuschüsse den tatsächlichen Bedarf nicht decken. Spenden werden erbeten auf das Konto: Sparkasse Vest, IBAN: DE85 426 501 50 101 501 46 71

In Dorsten wurde vor elf Jahren eine Bewohnerin des Frauenhauses von ihrem Ehemann in der Dorstener Fußgängerzone auf bestialische Weise umgebracht. Dem Mann war es gelungen, das Handy seiner Frau zu orten. Das half ihm dabei, sie aufzuspüren und sie auf heimtückische Weise dafür zu „bestrafen“, ihn verlassen zu haben.

Frauen kommen aus anderen Städten

Das Frauenhausteam versucht, den Frauen in allen Lebenslagen beizustehen. Frauen, die hier in Dorsten Unterschlupf finden, stammen überwiegend aus anderen Städten: „Es ist üblich, um ihren Aufenthaltsort geheimhalten zu können“, sagt das Frauenhausteam. Das solle sie vor Nachstellungen ihrer Männer schützen.

Dass das Phänomen partnerschaftlicher Gewalt in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen hat und Frauenhäuser als Schutzburgen für Frauen und ihre Kinder weiterhin wichtig sind, lässt sich aus dem jüngsten Jahresbericht Partnerschaftsgewalt/Kriminalitätsstatistik ablesen, den das Bundesfrauenministerium im November 2019 präsentiert hat.

Steigerung der Straftaten um 11,5 Prozent

In den Straftatenbereichen Mord und Totschlag, Körperverletzungen, sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Bedrohung, Stalking und Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution ist die Zahl der registrierten Opfer zwischen 2014 und 2018 insgesamt um 11,5 Prozent angestiegen (2014: 126.230 Personen; 2015: 127.457 Personen; 2016: 133.080; 2017:138.893 Personen; 2018: 140.755 Personen).

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