Freiheitsstrafe für Diebstahl

Langericht Essen

ESSEN / DORSTEN Keine 45 Euro waren die Waren wert, die eine 31-jährige Dorstenerin im April 2008 bei zwei Ladendiebstählen „mitgehen“ ließ. „Diebstahl geringwertiger Sachen“, lautet die Bezeichnung im Strafgesetz. Dass es dafür vom Amtsgericht Dorsten neun Monaten Freiheitsstrafe setzte, ist schon ungewöhnlich. Bewährung gab es aber auch von der Berufungskammer des Landgerichts Essen nicht.

von Von Martina Ricken

, 06.07.2009, 07:47 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Sie ist krank, drogenkrank“, sagte Verteidiger Stephan Proff, „sie kann es sich nicht aussuchen.“ Seit Jahren konsumiert die Dorstenerin Heroin, obwohl sie im Methadonprogramm ist. Eine Therapie hat sie noch nicht gemacht.

Stattdessen sitzt sie in Strafhaft, weil sich die Verurteilungen wegen Diebstahls häuften. „Und bei jeder Tat wird es wohl mehr werden. Da stehen uns jedes Mal bis zu fünf Jahren zur Verfügung“, prophezeite Richter Peter Wilfinger. Er wunderte sich, dass sich die Angeklagte nicht um eine Therapie bemühte, um so nicht nur dem Gefängnis zu entgehen, sondern auch ihre Drogenabhängigkeit zu bekämpfen.Angeklagte will Therapie machen

Kämpfen scheint die 31-jährige aber nicht zu können oder zu wollen. „Ich will ja jetzt eine Therapie machen“, meinte sie matt. „Schon wegen der Kinder.“ Eine Äußerung, die den Eindruck eines reinen Lippenbekenntnisses hinterließ. Zwei Kinder hat sie, das jüngere Kind lebt bei Pflegeeltern, das ältere in einer Wohngruppe. Von ernsthaftem Willen, ihre Probleme in den Griff zu bekommen und ihr Leben zu ändern, war nicht viel zu spüren. „Motivations- und Antriebslosigkeit - mehr seh ich hier nicht“, fand der Richter unmissverständliche Worte. Das Urteil des Amtsgericht, es blieb unangetastet.

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