Freizeit-Kanuten entdecken seltenen „Schatz“ in der Lippe bei Dorsten

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Dieser Geburtstagsausflug bleibt drei Dorstenern unvergessen: Bei einer Kanutour auf der Lippe finden sie auf dem Grund eine Rarität, für die sich jetzt sogar die Wissenschaft interessiert.

Dorsten

, 28.09.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Kanutour auf der Lippe, für das Geburtstagskind und seine beiden besten Freunde. Nicole Kesici war klar: Über ihr Geschenk zum 43. Lebensjahr würde sich Ehemann Sami tierisch freuen. Doch dass sich der Ausflug zu einem echten Abenteuer entwickeln würde, dessen spannende Geschichte die drei Dorstener sicher noch lange erzählen werden? „Das hätte ich vorher nie im Leben gedacht“, sagt sie.

Denn Sami Kesici, Holger Schlieper und Michael Ziske haben von ihrem Ausflug am 19. September einen echten Schatz mitgebracht. In einer Lippeschleife kurz vor der Grenze zu Gahlen, vom Ufer aus nicht zugänglich, entdeckten die Freizeit-Kanuten die Umrisse eines alten Schiffsankers auf dem Grund des Flusses.

Niedriger Wasserstand

Lediglich 50 Zentimeter tief unter der Wasseroberfläche und nur leicht vom Schlick bedeckt. Gut 1,60 Meter lang, um die 50 Kilogramm schwer. Dass die drei Dorstener das Metallteil überhaupt haben entdecken können, hängt mit der jüngsten Trockenheit zusammen. Denn der Wasserstand der Lippe war auch an dem Tag ungewöhnlich niedrig.

Das Trio auf dem Wasser (v.l.): Michael Ziske, Holger Schlieper und Sami Kesici

Das Trio auf dem Wasser (v.l.): Michael Ziske, Holger Schlieper und Sami Kesici © Privat

„Zuerst wollten wir nur Fotos machen, doch dann haben wir das schwere Teil aus dem Wasser herausgeholt und ins Boot gepackt“, erzählt Sami Kesici. „Wir wollten den Anker in unsere Gärten stellen und uns jeden Monat abwechseln.“

„Ein kapitaler Fang“

Doch dazu wird es nicht kommen. Die Dorstener Finder sind stolz darauf, dass nun sogar die Wissenschaft ein Auge auf ihre „Ausbeute“ geworfen hat: „Ein kapitaler Fang“, urteilt Dr. Christoph Grünewald, leitender Archäologe beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster.

Nachdem die drei Ausflügler ihr Ziel in Schermbeck erreicht hatten und dort vom Bootsverleiher-Team in Empfang genommen wurde, entschlossen sie sich, den zuständigen Behörden von ihrer Entdeckung zu berichten. Zunächst den Lippeverband, der informierte die LWL-Archäologen.

Seit 100 Jahren keine Schiffe mehr

Dr. Christoph Grünewald spricht von einer „Seltenheit“. Denn Schifffahrt auf der Lippe hat es seit 100 Jahren nicht mehr gegeben. „Nur bis Anfang des 20. Jahrhunderts“, sagt er. Ihm liegt ein Foto eines Sandkahns aus der Zeit um 1910 vor. Er hat inzwischen nachgelesen, dass es bislang überhaupt nur zwei solcher Ankerfunde aus der Lippe gibt (einer übrigens aus dem Bereich Haus Hagenbeck unweit der jetzigen Fundstelle), die aber bislang keinem Schiffstyp zwingend zuzuordnen seien.

Der Anker beim Abtransport

Der Anker beim Abtransport © Privat

Die weiteren Untersuchungen, was es mit dem Anker auf sich hat, wie alt er ist, übernimmt nun ein Experte des LWL-Industriemuseums „Schiffshebewerk Henrichenburg“. „Dieses Fundstück ist ein Zeugnis der Binnenschifffahrt auf der Lippe“, sagt Museumsleiter Dr. Arnulf Siebeneicker. „Sollten die Finder ihr Einverständnis geben, werden wir den Anker dauerhaft in die Sammlung der Westfälischen Industriemuseen auf der Zeche Zollern in Dortmund aufnehmen.“

„Schöne Patina“

Er weist auf die „schöne Patina“ hin, die der Anker im Laufe der langen Zeit auf dem Lippe-Grund angenommen hat. „So wie er jetzt aussieht, kann man sich ihn durchaus in einer Sonderausstellung zu einem passenden Thema vorstellen.“

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Dass die drei Dorstener ihren Anker dem LWL-Museum vermachen, steht für sie außer Frage. „Ein kleiner Finderlohn als Ausgleich wäre aber nicht schlecht“, sagt Sami Kesici mit einem Lachen. Denn das Trio hatte schon kurz vor dem Ankerfund ein weiteres Abenteuer erlebt.

Mit dem Boot gekentert

Da auf der Wildwasserstrecke unter der A 31-Brücke ein Kanuten-Wettkampf stattfand, musste ihr Boot die Fluss-Seite wechseln. Die drei kenterten dabei aber vor den Augen der Zuschauer und landeten allesamt im Wasser: ein Handy halb kaputt, und die Sonnenbrille sowie die Jacke des Geburtstagskindes verschwanden in den Lippestrudeln. Wer weiß, wer diese Teile in 100 Jahren auf dem Grund der Lippe findet ...

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