Front gegen Dauer-Abbau des Stadtbrunnens auf dem Marktplatz wächst

hzTisa-Brunnen

Der beliebte Tisa-Brunnen auf dem Marktplatz ist derzeit eingemottet. Was aus ihm wird, ist noch unklar. Nun haben sich zwei wichtige Akteure mit einer klaren Meinung zu Wort gemeldet.

Dorsten

, 19.05.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Künstlerin Tisa von der Schulenburg (Schwester Paula) blickt auf dem undatierten Schwarzweiß-Bild auf den Marktplatz-Brunnen, deren Seiten-Reliefarbeiten sie selbst entworfen und gebaut hat. Es ist Winter, ihr Kunstwerk wurde damals in den kalten Monaten mit Grünsträuchern bepflanzt.

Was Dorstens inzwischen verstorbene Ehrenbürgerin wohl empfinden würde, wenn sie wüsste, dass der Brunnen inzwischen übergangsweise abgebaut wurde und einer ungewissen Zukunft harrt?

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„Sie wäre emotional bewegt, ihre wichtigen Werke lagen ihr immer sehr am Herzen“, ist sich Schwester Barbara sicher. Die 80-jährige Ordensfrau kümmert sich im Ursulinen-Kloster seit Jahren um den in der ehemaligen Tisa-Werkstatt im Usrulinen-Gymnasium gelagerten Nachlass der Künstlerin.

Der 1962 von der Kreissparkasse als Geschenk an die Stadt vergebene Auftrag für den Brunnen sei Tisa sehr wichtig gewesen, betont Schwester Barbara: „Sie hat damals eigens verlangt, dass sie ihn in aller Freiheit gestalten könne, wie sie wolle.“

Vorne rechts, wo die Tische und Bänke stehen, ist der alte und vielleicht bald auch erneute Standort des Tisa-Brunnens.

Vorne rechts, wo die Tische und Bänke stehen, ist der alte und vielleicht bald auch neue Standort des Tisa-Brunnens. © Michael Klein

Inzwischen hat der Zahn der Zeit kräftig an den Tisa-Reliefs, die in Schrift und Bildern wichtige Ereignisse und Persönlichkeiten aus Dorstens Historie darstellen, genagt. Eine Sanierung wäre mit mindestens 100.000 Euro sehr kostspielig.

Diskussion angestoßen

Aus diesem Grund hat die Stadt anlässlich des aktuellen Marktplatzumbaus eine öffentliche Diskussion darüber initiiert, was den zukünftigen Standort des Brunnens angeht: Marktplatz, Zechengelände, anderer Standort in der Stadt oder Komplettabbau, bei dem die Reliefplatten am St.-Ursula-Kloster oder am Tisa-Archiv befestigt würden.

Insbesondere die „Tisa-von-der-Schulenburg-Stiftung“ hätte ein Interesse daran, dass der Brunnen zum Eingangsbereich des künftigen Tisa-Archivs neben dem Förderturm der Zeche Fürst Leopold im Stadtteil Hervest versetzt wird. Die Künstlerin war dem Bergbau sehr verbunden, Sponsoren aus dem RAG-Umfeld stünden bereit.

Ursprünglich waren die Relief-Figuren sehr plastisch, später verwitterten sie mehr und mehr.

Ursprünglich waren die Relief-Figuren sehr plastisch, später verwitterten sie mehr und mehr. © Privat

Doch damit wären Schwester Barbara und die verbliebenen Ursulinen-Schwestern überhaupt nicht einverstanden. „Das Werk erzählt die Dorstener Geschichte und muss deshalb auf dem Marktplatz bleiben“, fordert sie. Deswegen kämen auch weitere Alternativ-Standort-Optionen für sie nicht infrage.

Unterstützung erhält sie dabei vom Dorstener Kunstverein. „Mit diesem Kunstwerk, das am Ort der alten Pferdetränke steht, können sich die Dorstener Bürger wie mit keinem anderen identifizieren“, sagt Vorsitzender Peter Schwanenberg. „Zudem ist es neben dem Ehrenmal das zweite große Werk in Dorsten, das in aller Öffentlichkeit den Stellenwert der Künstlerin Tisa zeigt.“

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Schwanenberg ist sehr überrascht von den alten Brunnen-Fotos, die im Tisa-Keller der Ursulinen schlummern. „Ich wusste nicht, wie profilstark die Relief-Figuren ursprünglich aussahen und wie plastisch sie gewirkt haben.“

Schwester Barbara (Ursulinen-Kloster) und Peter Schwanenberg (Dorstener Kunstverein). Die Steinplatte ist ein 60 Jahre altes Originalstück, das Tisa nicht für den Brunnen verwendet hat.

Schwester Barbara (Ursulinen-Kloster) und Peter Schwanenberg (Dorstener Kunstverein): Die Steinplatte ist ein 60 Jahre altes Originalstück, das Tisa nicht für den Brunnen verwendet hat. © Michael Klein

Derzeit lagern die verwitterten, verwaschenen und teils abgestoßenen Brunnenplatten in der Werkstatt des Dorstener Steinbildhauers Rainer Kuehn. Er wartet auf einen Auftrag der Stadt, ob und wann er sie restaurieren soll. Tisas Original-Skizzen und -Entwürfe gibt es nicht mehr, „wir wissen nicht mal, wo Tisa damals an den Werken gearbeitet hat und wo das Material herstammt“, so Schwester Barbara.

Schon immer war der Tisa-Brunnen ein beliebtes Wahrzeichen für die Dorstener.

Schon immer war der Tisa-Brunnen ein beliebtes Wahrzeichen für die Dorstener. © Privat

Eine Entscheidung über den Standort des Brunnen wird fallen, nachdem der „Beirat für Kunst im öffentlichen Raum“ zu seiner Sitzung im Juni zusammengetreten sein wird. Derzeit ist die Brunnenfläche zugepflastert, Stühle und Tische einer Marktplatz-Gastronomie stehen darauf. Technik und Fundament liegen weiterhin im Boden, können bei Bedarf wieder installiert werden.

Von der Stadt enttäuscht

Nichtsdestotrotz ist Schwester Barbara enttäuscht von der Stadt: „Wir Ursulinen sind weder informiert worden, dass der Brunnen abgebaut wird, noch um unsere Meinung zum künftigen Standort gebeten worden.“

Wer zur Zukunft des Tisa-Brunnens Hinweise, Anregungen oder Ideen hat, kann der Stadt eine kurze E-Mail schreiben an baudezernat@dorsten.de .
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