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Für Autist Jovan war die Dorstener Kita Pusteblume die Rettung

hzFamilienzentrum Pusteblume

Seit 30 Jahren bietet das Dorstener Familienzentrum Pusteblume behinderten und nicht behinderten Kindern einen Raum zum Wachsen. Jovan Savic war einer von ihnen.

Dorsten

, 19.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Bevor Jovan Savic vor rund 13 Jahren im Integrativen Familienzentrum Pusteblume an der Reiherstraße 87 ankommen durfte, hatte er bereits einen langen und schwierigen Weg hinter sich. Jovan ist Autist und fand erst mit fünf Jahren in der Einrichtung, die am 25. Mai ihren 30. Geburtstag feiert, einen Ort, wo er dazu gehören durfte.

Seine Mutter, Tanja Savic, erinnert sich noch gut an diese schwierige Zeit. Denn mit drei Jahren war ihr heute 18-jähriger Sohn zunächst in einen Regelkindergarten gekommen. Nach einem Jahr sei dort nichts mehr gegangen. „Dann hatte ich ihn ein Jahr zu Hause. Wir haben keinen Platz gefunden, keiner wollte ihn haben. Unsere Not war groß, denn für Jovans Entwicklung war es wichtig, eine Kita zu besuchen“, erzählt Mutter Tanja.

Durch die Pusteblume erhielt die Mutter viel Unterstützung

Dann bekam Jovan einen Platz in der Dorstener Pusteblume. „Am Anfang stand ich ohne Hilfe da, wusste auch nicht viel über Autismus. In der Pusteblume hat man mir die Augen geöffnet und ich habe sehr viel Unterstützung bekommen“, sagt Savic.

Bis dahin hatte Jovan kaum gesprochen und auch kaum Kontakte zu anderen Kindern geknüpft. Nach einiger Zeit in der Pusteblume sprach er auf einmal sein erstes Wort („Flugzeug“) und lernte, mit anderen Kindern umzugehen. „Hier konnte er Kind sein, hat sich wohlgefühlt und einfach dazu gehört“, so seine Mutter.

Kita schlug die Haldenwangschule für Jovan vor

Durch Kita-Leiterin Gisela Petzel bekam sie Kontakt zum Autismuszentrum in Bottrop, ihr Sohn wurde logopädisch und heilpädagogisch betreut. Als nach zwei Jahren die Wahl der richtigen Schule für Jovan anstand, half ihr das Kita-Team bei der Entscheidung. Sie rieten der heute 40-Jährigen zur Haldenwangschule.

„Ich wollte mein Kind erst nicht auf eine Schule für behinderte Kinder geben, habe aber auf den Rat der Kita gehört und es nicht bereut“, erzählt Tanja Savic, die gemeinsam mit ihrem Mann ein Restaurant führt. Noch heute geht der 18-Jährige auf die Haldenwangschule und ist dort zufrieden. In den nächsten Jahren wird er wahrscheinlich in eine Behindertenwerkstatt in Recklinghausen-Süd wechseln.

Für Autist Jovan war die Dorstener Kita Pusteblume die Rettung

Mit einem von der fünfjährigen Ida gemalten Bild lädt das Integrative Familienzentrum Pusteblume zum Familienfest ein. © Jakob Meyer

Kita-Leiterin Gisela Petzel freut sich immer, positives Feedback von Ehemaligen zu bekommen. Wenn die Kita am 25. Mai ab 14.30 Uhr ihr 30-jähriges Bestehen feiert, würde sie sich freuen, viele Ehemalige an der Reiherstraße begrüßen zu können. Sie selbst ist seit 1990 in der Einrichtung.

Heute besuchen 64 behinderte und nicht behinderte Kinder die Einrichtung

Gegründet wurde das Familienzentrum 1988 auf Initiative der Dorstener Lebenshilfe, damals jedoch noch unter der Trägerschaft der Stadt Dorsten. Gestartet wurde mit 55 Kindern, zehn davon mit einer Behinderung, verteilt auf zwei integrative und eine Regelgruppe. Zum Vergleich: Heute gibt es vier integrative Gruppen. Diese werden von 64 Kindern besucht, davon haben 19 eine Behinderung.

„Das war damals ein Modellprojekt in Dorsten und die Plätze reichten schnell nicht mehr aus“, erzählt Petzel. Von Anfang wurden die Kinder bei Bedarf von einer Physiotherapeutin sowie einer Logopädin vor Ort betreut. 1994 übernahm die Lebenshilfe selbst die Trägerschaft und erweiterte die Kita um eine Gruppe. Seitdem unterstützen auch eine Ergotherapeutin und eine Motopädin das Team aus Pädagogen und Heilpädagogen.

Niederschwelliges Angebot für die Familien

Seit 2008 nimmt die Einrichtung nicht nur Kinder ab zwei Jahren auf, sondern wurde auch als Familienzentrum zertifiziert. So arbeitet die Kita unter anderem mit der Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, der Ehe-, Familien- und Lebensberatung, dem Lebenshilfecenter, der Frühförderstelle sowie der Mobilen Jugendhilfe zusammen. „Da die zu uns ins Haus kommen, schaffen wir so ein niederschwelliges Angebot ganz auf die einzelnen Familien abgestimmt“, so Petzel.

Für Autist Jovan war die Dorstener Kita Pusteblume die Rettung

Ein Tagesplan mit Bildern und Gebärden erleichtert den Kita-Kindern den Überblick. © Manuela Hollstegge

In den vergangenen Jahren hat sich äußerlich einiges in der Einrichtung verändert. So wurden Flur und Außenbereich komplett neu gestaltet. Gisela Petzel sind aber besonders die methodischen Veränderungen wichtig. „Wir arbeiten jetzt mit der unterstützten Kommunikation - das heißt, dass alle Kinder Gebärden und Symbole lernen“, erklärt sie. Aber auch die Umsetzung von Partizipation und Teilhabe im Kita-Alltag gehört zu den wichtigen Veränderungen in der Einrichtung.

„Die Kinder sollen demokratische Grundwerte kennenlernen und dürfen bei uns daher viel selbst entscheiden. Das geht von der nicht angezogenen Jacke über den Gruppenausflug bis hin zu Kinderkonferenzen“, erklärt die Leiterin.

  • Den 30. Geburtstag feiert die Einrichtung am 25. Mai (Samstag). Von 10.30 bis 12.30 Uhr wird intern mit Musik, einer Sandmalerin und Canapés der Haldenwangschule gefeiert.
  • Ab 14.30 Uhr startet das für alle offene Familienfest mit Lichtprojekt, Kreativbereich, Krabbelburg, Rikscha-Touren, Luftballon-Künstler, Hüpfburg, verschiedenen Auftritten und jeder Menge Essen und Trinken.
  • Kontakt zur Pusteblume gibt es unter Tel. (02362) 44 73 3 bzw. per E-Mail an: Pusteblume@Lebenshilfe-Dorsten.de
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