Geld vom Land: Schienenbusse in Dorsten sind „Kulturgut auf Gleisen“

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63.000 Euro vom Land für Reparaturen gibt’s für die Schienenbusse in Dorsten: Die „roten Brummer“ sind somit „Kulturgut“. Der Verein „OnWheels“ hat nun einen Nutzungsvertrag mit dem Inhaber.

Dorsten

, 22.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die „Roten Brummer“, wie sie wegen ihrer sonoren Fahrgeräusche genannt wurden, galten in den 1950er- und 60er-Jahren als „Retter der Nebenbahnen“. Denn die Fahrzeuge aus der „Waggonfabrik Uerdingen“ ersetzten damals den teuren und personalintensiven Schienenbetrieb mit Dampflokomotiven. Doch auch die kleinen Strecken wurden nach und nach stillgelegt, die „Schienenbusse“ hatten keine Arbeit mehr, die letzten Exemplare wurden 1980 ausgemustert.

Was blieb, waren Erinnerungen. Doch einige Eisenbahnfreunde haben sich Exemplare der Schienenbusse als museale Oldtimer gesichert. Dazu gehören auch die drei Dorstener Fahrzeuge, die das „Revier-Sprinter-Team“ um Inhaber Rainer Plichta seit rund 25 Jahren für Nostalgiefahrten ab den Bahnhöfen in Dorsten und Umgebung nutzt.

Der Schienenbus in der Werkstatt des Bahnbetriebes Bugdoll

Der Schienenbus in der Werkstatt des Bahnbetriebes Bugdoll © Privat

Jetzt haben es zwei dieser Schienenbusse amtlich: Sie gelten quasi als „verkehrshistorisches Kulturgut auf Gleisen“ - damit einher geht eine finanzielle Förderung seitens des Landes. Gut 63.000 Euro gab es - dank tatkräftiger Unterstützung von Stadt und Windor - von der Bezirksregierung Münster für die Dorstener Eisenbahnfreunde „OnWheels“.

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Eisenbahnfreunde bekommen NRW-Förderung für Schienenbusse

Diese hatten dafür im Vorfeld für die nächsten zehn Jahre einen Nutzungsvertrag für die Schienenbusse mit deren Besitzer Rainer Plichta abgeschlossen.

Gleisstrang wird saniert

Mit dem Geld sollen sowohl die Fahrzeuge als auch der 700 Meter Süd-Gleisstrang der städtischen Hafenbahn, der allein für den Betrieb der in einer Halle im Industriegebiet Dorsten-Ost untergebrachten Schienenbusse nötig ist, auf Vordermann gebracht werden. „30 Prozent müssen wir selbst an Eigenanteilen aufbringen, zwei Drittel davon durch Arbeitsleitungen“, sagt Manfred Diekenbrock, Vorsitzender von „OnWheels“.

Mit der Landesförderung kann Rainer Plichta „die Fahrzeuge reparieren lassen, die ansonsten nicht durch den TÜV kommen würden“, wie er sagt. Außerdem hat er nun nach „25-jährigem Auf und Ab“ mehr Planungssicherheit, da die Eisenbahnfreunde OnWheels künftig regelmäßige Sonderfahrten mit dem Schienenbus abhalten und dafür auch andere Anbieter mit ins Boot resp. „in den Bus“ holen wollen.

Freuen sich über die Landesförderung für den Schienenbus: Inhaber Rainer Plichta, Hartmut Ulbrich und Manfred Diekenbrock (Vorstand OnWheels) und Denis Möller (Revier-Sprinter-Team).

Freuen sich über die Landesförderung für den Schienenbus: Inhaber Rainer Plichta, Hartmut Ulbrich und Manfred Diekenbrock (Vorstand OnWheels) und Denis Möller (Revier-Sprinter-Team). © Michael Klein

Und die Eisenbahnfreunde? Haben ein neues Betätigungsfeld für ihr Hobby, dürfen bei den Instandsetzungsarbeiten mitwerkeln und sorgen mit ihrer Arbeitskraft auf dem südlichen Schienenstrang der Hafenbahn mit dafür, dass diese qua Förderbedingung für diese nächsten zehn Jahre gesichert ist.

Neue Betriebserlaubnis

Die drei Dorstener Schienenbusse - zwei Motorfahrzeuge und ein Steuerwagen - stammen aus den Baujahren 1959 und 1961. Die beiden Motorfahrzeuge benötigen eine neue Betriebserlaubnis, damit sie nach Ende der Corona-Beschränkungen wieder „auf Achse“ gehen können. Die nötigen Arbeiten sollen in den Dorstener Werkstätten der Gleis-Fachfirma Bugdoll und der Nordwestbahn erfolgen.

Die Instandsetzungsarbeiten haben begonnen.

Die Instandsetzungsarbeiten haben begonnen. © Privat

Während zertifizierte Fachleute für die sicherheitsrelevanten Bauteile (Brems-Zylinder, Druckbehälter etc.) zuständig sein werden, kommen ehrenamtliche Helfer vor allem bei den Vorarbeiten, für Montage- und Reinigungsarbeiten zum Einsatz.

Mit „10 bis 15 Mitarbeitern und 1000 Arbeitsstunden“, rechnen die Beteiligten, dazu noch 300 Arbeitsstunden, die beim Freischneiden der Gleisstrecke und des Einbaus von Schwellen aufgebracht werden müssen.

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Rainer Plichta hofft vor allem, dass die Fahrzeuge beim Tourismuskonzept, das die Stadt gerade erarbeitet, „stärkeres Gewicht bekommen werden“. Denn die Teilnehmer seiner Touren, die oft auch auf alten Güterbahnstrecken verkehren, seien immer schwer begeistert.

Nicht der heutige Standard

Zwar entsprechen die Fahrzeuge bei Weitem nicht dem üblichen Standard heutiger Nahverkehrszüge. Aber gerade deswegen erlauben sie den Fahrgästen einen lebendigen Einblick in deutsche Eisenbahngeschichte. Ein Kulturgut auf Gleisen halt.

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