Michael Gerdes schaffte erneut den Einzug in den Bundestag. Der Sozialdemokrat aus Bottrop ist seit 2009 auch für Dorsten in Berlin. © Sylvia Wendland
Bundestagswahl 2021

Gerdes feiert einen klaren Sieg, Volmering tröstet sich mit Dorsten

Michael Gerdes und seine SPD sind der Wahlsieger im „Dorstener“ Wahlkreis 125. Der Bottroper siegte mit deutlichem Vorsprung. Für den geschlagenen Sven Volmering blieb nur ein Trostpflaster.

Da soll doch noch mal einer sagen, die Sozialdemokratie ist tot!“ Knapp zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale war Michael Gerdes noch nicht nach einer ausgelassenen Feier zumute. Dennoch wurde er von Parteifreunden aus Bottrop, Gladbeck und Dorsten im Matthiashaus im Bottroper Stadtteil Ebel mit großem Applaus empfangen.

Etwa die Hälfte der Stimmbezirke war zu diesem Zeitpunkt ausgezählt. „Dorsten verhagelt uns ein bisschen das Ergebnis“, meinte Gerdes, allerdings holten die Sozialdemokraten auch hier die meisten Zweitstimmen.

Für den Bund prognostizierte Gerdes langwierige Koalitionsverhandlungen, die er sich unter der Führung von Olaf Scholz erhofft. Eine Große Koalition steht auf seiner persönlichen Wunschliste übrigens nicht.

Da ist er vollkommen einig mit seinem Bottroper Vorgänger im Bundestag, Dr. Dieter Grasedieck. Der hatte am Morgen an seinem Wahllokal in Kirchhellen gegenüber der Dorstener Zeitung bereits geäußert, dass er sich auf keinen Fall eine erneute Große Koalition wünsche.

Mit Applaus wurden Michael Gerdes und seine Frau Heike am Abend von Parteifreunden in Bottrop empfangen. Nach Dorsten kam er am Wahlabend nicht mehr.
Mit Applaus wurden Michael Gerdes und seine Frau Heike am Abend von Parteifreunden in Bottrop empfangen. Nach Dorsten kam er am Wahlabend nicht mehr. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

Gerdes‘ ärgster Mitbewerber Sven Volmering (CDU) war am Abend merklich enttäuscht von der klaren Niederlage. „Angesichts der Umstände bin ich zufrieden, dass ich wenigstens noch Dorsten gewonnen habe“, sagte er. Der Vorsprung fiel mit 2,3 Prozentpunkten aber deutlich geringer aus als vor vier Jahren. In Bottrop und Gladbeck war der Christdemokrat chancenlos.

Volmering sieht sich als Leidtragender des Bundestrends („Das große Wasser hat das kleine mitgezogen“), seine Partei habe auf den falschen Kanzlerkandidaten gesetzt. „Die CDU hatte einen Kanzlerkandidaten, dem die Menschen nicht vertraut haben. Die Bevölkerung wollte Markus Söder.“

Zu seiner politischen Zukunft wollte sich Volmering in der Stunde der Niederlage nicht äußern. Viermal ist er im Wahlkreis 125 angetreten, viermal verlor er, kam aber 2013 über die Landesliste nach Berlin. Auf diese Liste hatte sich Volmering diesmal gar nicht erst setzen lassen.

Grüne und FDP feiern Zugewinne

Zufrieden waren die Grünen und die FDP, die deutliche Zuwächse bei Erst- und Zweitstimmen gegenüber 2017 verzeichneten. Auch Lisa Ellermann (Die Linke) war mit dem Resultat ihrer ersten Kandidatur einverstanden. Das Dorstener AfD-Ratsmitglied Bernd Oesing hatte sich nach eigenen Angaben mehr Stimmen für seine Partei erhofft.

Der Wahltag in Dorsten hatte für Wahlleiter Klaus Ihling mit „Sand im Getriebe“ begonnen. „Zwei Wahlvorsteher haben sich am Samstag nach 22 Uhr aus Krankheitsgründen abgemeldet“, berichtete Ihling, der nach 38 Jahren zum letzten Mal eine Wahl in Dorsten organisierte. Das Personal der Stadtverwaltung wurde daraufhin kurzfristig umgeschichtet, alle Wahllokale konnten dann pünktlich am nächsten Morgen öffnen.

Zur Mittagszeit hatten bereits mehr als 50 Prozent der Wahlberechtigten ihre Kreuzchen gemacht, am Ende waren es fast 78 Prozent. Für Klaus Ihling endete gegen 22 Uhr ein langer Wahltag, den der Bürgermeister ihm mit einem Geschenkkorb als Abschiedsgeschenk versüßt hatte.

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Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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