Graffiti-Sprayer haben in den vergangenen Wochen in Dorsten ihr Unwesen getrieben. Einen Tatverdächtigen hat die Polizei gestellt - er hat sich ziemlich dumm und dreist verhalten.

Dorsten

, 12.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Der eine sprüht farbige bildliche Symbole auf Mauern und Häuserwände, der andere schmiert einen Schriftzug als persönliche Revier-Markierung auf öffentliche Schilder, Türen und Bänke. Mindestens zwei Graffiti-Sprayer haben in den vergangenen Wochen verstärkt in Dorsten ihr Unwesen getrieben und dabei erhebliche Sachschäden angerichtet. Ein Tatverdächtiger wurde jetzt überführt – weil er sich selten dämlich angestellt hat.

Skizzenbuch

Informationen unserer Zeitung zufolge ist es ein 17-Jähriger aus Dorsten, der vor allem für die in Hervest zu beobachtenden Verunstaltungen verantwortlich ist. Ihm kam die Polizei vor ein paar Wochen auf die Schliche, weil er in einem Dorstener Jugendzentrum sein „Skizzenbuch“ liegen gelassen hatte, in dem er auch Fotos seiner Machwerke gesammelt hatte.

Besonders dreist: In dem Jugendzentrum leistete der Jugendliche Sozialstunden ab. Zu diesen war er gerichtlich verdonnert worden, weil er bereits zuvor beim illegalen Sprayen erwischt worden war. Die Polizei bestätigte, dass ein Tatverdächtiger ermittelt worden ist, wollte aber aus ermittlungstaktischen Gründen keine näheren Angaben machen, wie er überführt wurde.

In Hervest unterwegs

Die Skizzen und Fotos in dem Buch lassen nach den uns vorliegenden Informationen darauf schließen, dass der Tatverdächtige das gesamte Umfeld des Hervester Begegnungszentrums „Das Leo“ besudelt hat. Auf Wänden und Pflaster, auf Mülleimern und Bänken finden sich die grünen Symbole und Farbflächen, aber auch an der benachbarten Discounter-Filiale und weiteren Gebäuden in der Umgebung.

Die Machart der Graffitti legen den Verdacht nahe, dass der Tatverdächtige womöglich auch für Schmierereien an der Zechenbahnbrücke und an einem Schulgebäude verantwortlich sein könnte. „Wir haben vier Geschädigte angeschrieben“, so ein Polizeisprecher. Weitere Ermittlungen zu diesbezüglichen Anzeigen seien nicht nötig. „Wir sind sicher, den Täter gefunden zu haben.“

Stadt will Regressanprüche prüfen

Das Hervester „Leo“ ist in städtischem Besitz. Deswegen könnten auf den Tatverdächtigen, so er denn vom Gericht schuldig gesprochen wird, Schadensersatzansprüche seitens der Stadt zukommen. „Normalerweise dokumentieren wir solche Sachbeschädigungen nicht groß, weil es so viele sind“, so Stadtsprecher Ludger Böhne. Aber da in diesem Falle ein Tatverdächtiger namentlich bekannt sei, wolle die Stadt nach Abschluss des Justizverfahrens und einem dementsprechenden Urteil prüfen, inwieweit der Beschuldigte in Regress genommen werden kann.

Graffiti-Schmierer in Dorsten erwischt - weil er sich selten dämlich angestellt hat

Die Dreamz-Schriftzüge finden sich überall in der Altstadt. © Michael Klein

Noch keine Erkenntnisse gibt es im Fall der unlängst in der Dorstener Altstadt festgestellten Schmiereien. Wie kürzlich berichtet, hatten ein oder mehrere unbekannte Täter die gerade erst aufgestellten Mülleimer und Bänke in der neu gestalteten Lippestraße mit Farbe beschmiert. Und zwar immer mit dem Schriftzug „Dreamz“. Die Stadt kündigte vor einer Woche in einer Pressemitteilung an, Strafanzeige zu erstatten. „Das ist noch nicht geschehen, sie geht aber heute noch an die Polizei raus“, so Ludger Böhne am Freitag (12. Juli).

Frische Dreamz-Schriftzüge

Wer aufmerksam durch die Altstadt geht, findet „Dreamz“-Schrifzüge an allen möglichen Stellen: auf der Eingangstafel des Vestischen Studieninstituts am Alten Postweg, auf Werbeschildern in der Fußgängerzone, auf den in einem Schüler-Wettbewerb gestalteten Bänken im Schölzbachtal, auf Baustellen-Absperrbaken und so weiter.

52 Anzeigen im Vorjahr

Nach Angaben der Polizei gibt es aber derzeit in Dorsten keine erhöhte Tendenz bei den Strafanzeigen wegen Graffiti-Schmiereien. Laut Kriminalstatistik für das Jahr 2018 gab es in den vergangenen Jahren meist zwischen 50 und 80 solcher Anzeigen in der Lippestadt, im vergangenen Jahr waren es 52, im Vorjahr 76. Kreisweit wurden 563 Fällen gezählt, womit der Vorjahreswert um 61 Taten überschritten wurde.

Nur etwa acht Prozent der Taten wurden im Vorjahr aufgeklärt - was vor allem damit zu tun hat, dass Sprayer vor allem im Dunkeln der Nacht tätig sind. Augenzeugen sind deswegen rar. Die Polizei setzt deshalb auf die Mithilfe von „Ohrenzeugen“: Wer nachts das typische Klackern hört, das die Kugeln in den Spraydosen beim Schütteln machen, solle die Dorstener Polizeiwache informieren.

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