Großzügige Spenden haben Wohnungslosen ein Stück ihrer Würde zurückgegeben

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Bargeld, Lebensmittel, Kleidung - die Wohnungslosenhilfe hat in diesem Jahr viele dringend gebrauchte Spenden bekommen. Ein Herzenswunsch der Klienten blieb jedoch unerfüllt: Rouladen.

Dorsten

, 19.12.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie haben frisch geduscht und sich schick gemacht. Dann sind sie alle zusammen zum Feiern nach Lembeck gefahren. Ute und Martin Böhmer hatten die Klienten der Dorstener Wohnungslosenhilfe zum Weihnachtsessen in ihr Bistro eingeladen. An weiß gedeckten, weihnachtlich dekorierten Tischen wurde Grünkohl serviert. „Das war für unsere Klienten schon etwas ganz Besonderes“, erzählen die Sozialarbeiterinnen Vanessa Greef-Groß und Lena Reinmuth. „Und für uns eine der schönsten Veranstaltungen des Jahres.“

Die eventuell schon an Heiligabend getoppt werden kann. Denn Ute und Martin Böhmer, die bisher den gestifteten Grünkohl immer zur Wohnungslosen-Beratung an der Borkener Straße gebracht hatten, hat die Bewirtung der Wohnungslosen so gut gefallen, dass sie spontan eine Einladung zum Heiligabend-Frühstück ausgesprochen haben. „Wenn sich genug Leute in die Teilnehmer-Liste eintragen“, sagt Vanessa Greef-Groß, Leiterin der Beratungsstelle, „werden wir an unserem freien Tag mit ihnen morgens nach Lembeck fahren.“

Spendenbereitschaft war 2019 größer als sonst

Die Initiative von Familie Böhmer ist nicht die einzige Spende, die die Sozialarbeiterinnen in diesem Jahr positiv überrascht und sehr erfreut hat. Erst neulich hat ein privater Post bei Facebook eine Riesen-Resonanz erzielt. Greef-Groß: „Ich habe samstags gepostet, dass wir dringend Spenden brauchen und montags standen die Leute mit Kleidung und Lebensmitteln vor der Tür.“ Unter anderem stiftete der Schalker-Fanclub Heinitours 19 Kartons mit Kleidung und 1000 Euro in bar, die auf der Weihnachtsfeier gesammelt worden waren. Eine Dorstener Flugbegleiterin und ihre Tochter packten zusätzlich etwa 30 kleine Überraschungs-Päckchen.

Großzügige Spenden haben Wohnungslosen ein Stück ihrer Würde zurückgegeben

An der Pinnwand hängt die Liste fürs Heiligabend-Frühstück. Lena Reinmuth (l.), Vanessa Greef-Groß und ein Besucher hoffen auf zahlreiche Teilnehmer. © Petra Berkenbusch

Auch wenn ihre Klienten vorgeben, mit Weihnachten „nichts am Hut zu haben“, haben die Sozialarbeiterinnen einen Weihnachtsbaum in der Tagesstätte aufgestellt. Und auch die Geschenke und der Besuch des Cafés Böhmer werden gern angenommen. „Für viele ist es einfach leichter, das Thema Weihnachten gar nicht an sich ranzulassen“, weiß Vanessa Greef-Groß. Gerade die Feiertage am Ende des Jahres erinnern viele Wohnungslose an bessere Zeiten, an solche mit Familie, Arbeit, Wohnung. An solche mit weniger Alkohol oder Drogen.

271 Klienten haben sich 2019 Rat geholt bei der Wohnungslosenhilfe

Das gilt für viele der 271 Klienten, die die Beratungsstelle bisher in diesem Jahr aufgesucht haben. Manche kommen fast täglich, andere nur wenige Male. „Wir fangen auf und leiten weiter“, skizziert Vanessa Greef-Groß in Kurzform die Aufgabe der vom Landschaftsverband, der Stadt und der Evangelischen Kirche getragenen Einrichtung im DRK-Haus an der Borkener Straße.

In der Beratungsstelle können die Klienten, in der Mehrzahl übrigens Männer, duschen, Wäsche waschen, die Kleidung wechseln. In der großen Wohnküche gibt‘s Frühstück, mittags eine warme Mahlzeit (meist aus der Dose), Kaffee und Zuwendung. Wenn gewünscht, auch Hilfe bei der Unterkunftssuche oder im Kontakt mit Ämtern.

In Dorsten fehlt ein Angebot für betreutes Wohnen

Es gibt in Dorsten zwei städtische Unterkünfte, die die Sozialarbeiterinnen ihre Klienten empfehlen können: Eine für alleinstehende Wohnungslose, die tagsüber schließt und in der weder Hunde noch Alkohol erlaubt sind, und eine für zwangsgeräumte Familien. Dennoch gibt es Menschen, die draußen leben und schlafen. Und es gab auch schon den ersten Unterkühlungsfall in diesem Winter.

Ein ambulantes betreutes Wohnen würden die Sozialarbeiterinnnen sich wünschen. Wer lange auf der Straße gelebt hat, kommt oft gar nicht mehr alleine zurecht, braucht übergangsweise noch viel Hilfe im Alltag. Und kann vielleicht die Einsamkeit einer Wohnung nur für sich allein gar nicht gut ertragen.

Bitte nicht wegsehen und hilflose Personen melden

An die Dorstener Bürger appelliert das Team der Beratungsstelle, nicht wegzugucken. „Wenn jemand irgendwo auf der Bank liegt und einen hilflosen Eindruck macht, kann man Polizei oder Feuerwehr benachrichtigen, wenn man nicht selbst Kontakt zu dem Menschen aufnehmen möchte“, bittet Vanessa Greef-Groß. Und Lena Reinmuth bittet darum, in der Spendenbereitschaft nicht nachzulassen. Denn die Beratungsstelle habe nur einen ganz kleinen eigenen Etat, der kaum dafür reiche, das tägliche Frühstück und Mittagessen zu finanzieren.

Ein „Sonderwunsch“ vieler Klienten dreht sich übrigens auch ums Mittagessen.

Großzügige Spenden haben Wohnungslosen ein Stück ihrer Würde zurückgegeben

Rouladen, ganz klassisch, sind ein Herzenswunsch der Wohnungslosen. Wer erfüllt ihnen diesen Wunsch? © picture alliance / dpa-tmn

Wer spendiert den Wohnungslosen ein Rouladen-Essen?

Einmal pro Woche steht in der Beratungsstelle frische Küche statt Konservenkost auf dem Plan. Aber einen ganz großen Wunsch ihrer Klienten konnten die Mitarbeiterinnen bisher nicht erfüllen: „Die würden so gern einmal Rouladen essen, so richtig klassisch-bürgerlich. Das kriegen wir hier aber nicht hin.“

Rund 20 Portionen wären ideal. Ob die aus einer privaten Küche kommen oder aus einem Restaurant oder von einem Caterer - egal.

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Wer den Wohnungslosen diesen Wunsch erfüllen möchte, kann sich telefonisch unter Tel. (02362) 69718 an die Beratungsstelle wenden oder per E-Mail an ihre Leiterin: Vanessa.Greef@kk-ekvw.de
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