Dorsten hat entschieden - und vor allem zwei Parteien haben nach der Europawahl gejubelt. Die Analyse zeigt, wo sie besonders stark waren.

Dorsten

, 27.05.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Raunen ging durch die spärlichen Reihen der Politiker im Ratssaal, als das Ergebnis eines Wahlbezirkes im Gemeinschaftshaus Wulfen auf die Leinwand kam. Die AfD war dort mit 24,7 Prozent der Stimmen stärkste Partei geworden, auch im Paul-Spiegel-Berufskolleg holten die Rechtspopulisten am Sonntag die meisten Stimmen.

Schwache Wahlbeteiligung hilft der AfD

Auffällig: In beiden Wahlbezirken war die Wahlbeteiligung schwach. In dem Barkenberger Bezirk machten nicht mal 30 Prozent der Stimmberechtigten ihr Kreuzchen, im Berufskolleg waren es keine 40 Prozent. Es bestätigte sich hier, dass die Rechten dort am stärksten profitieren, wo die Menschen nicht zur Wahl gehen. Insgesamt war die Wahlbeteiligung in Dorsten aber deutlich höher als 2014.

„Die vielen Gespräche mit den Wählern haben sich offenbar gelohnt.“
Susanne Fraund (Grüne)

Mit 10 Prozent der Stimmen kam die AfD in Dorsten auf das erwartete Ergebnis und wird auch bei der Kommunalwahl 2020 eine Rolle spielen. Ob die Grünen dann ihr Ergebnis von Sonntag werden wiederholen können? 19 Prozent holte die Partei in Dorsten und verdreifachte fast ihr Ergebnis von 2014. Sie gewann zwar keinen Stimmbezirk, aber in Holsterhausen (Antoniusschule) über 25 Prozent der Stimmen und lag in zwei Barkenberger Bezirken sogar vor der CDU.

Fraktionsvorsitzende Susanne Fraund glaubt, den Grund zu kennen: „Die vielen Gespräche mit den Wählern haben sich offenbar gelohnt“, sagte sie am Abend. „Das Ergebnis zeigt, dass die Menschen honorieren, dass wir uns für Inhalte stark machen und nicht Personen in den Vordergrund stellen.“ Das werden in Dorsten vermutlich alle Parteien für sich reklamieren.

SPD bleibt zweitstärkste Kraft in Dorsten - aber knapp

Die Grünen sind der SPD in Dorsten nahe gekommen, konnten sie als zweitstärkste Kraft jedoch nicht ablösen. 15 Prozentpunkte verloren die Sozialdemokraten gegenüber 2014, für den Fraktionsvorsitzenden Friedhelm Fragemann war das „grottenschlecht“. Die Partei sei völlig zerstritten und schaffe es nicht, deutlich zu machen, wofür sie stehe. Ob er damit auch den eigenen Stadtverband meinte, blieb offen.

„Die Partei ist völlig zerstritten und schaffte es nicht, deutlich zu machen, wofür sie steht.“
Friedhelm Fragemann (SPD)

Die SPD entschied am Sonntag lediglich neun der 57 Wahlbezirke für sich - in Hervest, Wulfen-Barkenberg und Holsterhausen. Das sind im Wesentlichen die alten Hochburgen der Sozialdemokratie in Dorsten, doch die Vorherrschaft bröckelt hier nicht nur wegen der AfD.

Die allermeisten Stimmbezirke gingen an die CDU. Im Norden der Stadt war sie gewohnt stark, aber schwächer als früher. Dort blieb die AfD im deutlich einstelligen Bereich. Die Christdemokraten büßten gegen 2014 mehr als acht Prozentpunkte ein. Das ist etwas mehr als im Bundesdurchschnitt und mag ein Warnsignal für die Kommunalwahl sein für die Bürgermeister-Partei.

Denn niemand wird bestreiten können, dass Bundes- und Landespolitik auch Auswirkungen auf kommunale Wahlergebnisse haben.

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