Grundschullehrerin soll Schüler im Unterricht gegen den Kopf geschlagen haben: Freispruch

hzGerichtsprozess

Es war ein schlimmer Verdacht: Eine Lehrerin einer Grundschule in Dorsten soll während des Unterrichts einen Schüler gegen den Kopf geschlagen haben. Doch die Anklage fiel in sich zusammen.

Dorsten

, 21.01.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es waren zwei äußerst unangenehme Termine für die Grundschullehrerin aus Dorsten. Denn die Pädagogin fand sich an zwei Verhandlungstagen im Dorstener Amtsgericht vor dem Strafrichter wieder. Sie war wegen Körperverletzung angeklagt - ein siebenjähriger Schüler einer Dorstener Grundschule hatte zu Hause erzählt, dass ihn die Lehrerin vor versammelter Klasse geschlagen hätte.

Eltern gingen zur Polizei

Die Eltern waren daraufhin zur Polizei gegangen und hatten Strafanzeige erstattet. Das Geschehen, das diese strafrechtlichen Kreise gezogen hat, soll sich am 5. Juli 2018 während des Unterrichts abgespielt haben. Die Angeklagte hatte an dem Tag vertretungsweise den Unterricht für die Klassenlehrerin übernommen. In der Unterrichtsstunde sollten sich die Kinder mit einer Gemeinschaftsaufgabe beschäftigen. Ein Schüler jedoch blätterte stattdessen in seinem Sammelheft mit Panini-Stickern.

„In strengem Ton“

Die Pädagogin sagte aus, sie habe den Jungen lediglich in strengem Ton darauf hingewiesen, dass er das Heft zurück in seinen Tornister stecken solle. Der Junge indes behauptete, die Lehrerin habe ihm das Sammelheft gegen den Kopf geschlagen. Schulleiterin und Klassenlehrerin haben daraufhin Gespräche mit der ganzen Klasse geführt.

Demnach „hat keiner einen Schlag gesehen“, erklärte die Klassenlehrerin am Dienstag. Und das vermeintliche Opfer? „Der Schüler wollte uns nicht zeigen, wo und wie er geschlagen wurde, sondern sagte nur, es habe nicht wehgetan.“ Mit der angeklagten Kollegin habe es jedenfalls in all den Jahren keinen solchen Vorfall gegeben.

„Erhebliche Abweichungen“

Einige Mitschüler des Jungen waren aber von der Staatsanwaltschaft als Belastungszeugen aufgeboten worden. Der Anwalt wies jedoch in seinem Schlussvortrag darauf hin, dass es hinsichtlich der Aussagen der Schüler bei der Polizei und vor Gericht „erhebliche Abweichungen“ gegeben habe.

Auch die Staatsanwältin erklärte in ihrem Plädoyer, dass sich die Vorwürfe nach der gerichtlichen Anhörung von Mitschülern nicht bewahrheitet hätten. „Diese Zeugen haben höchst unterschiedliche Geschichten erzählt, die Aussagen der Angeklagten aber waren glaubhaft“, war die Vertreterin der Anklage schließlich von der Unschuld der Lehrerin überzeugt.

Große Erleichterung

Und wie der Verteidiger und die Staatsanwältin äußerte auch der Richter am Schlusspunkt des Verfahrens die Vermutung, diese Mitschüler hätten vor ihrem Verhandlungstermin miteinander darüber gesprochen, was man vor Gericht erzählt. Und so fiel schließlich nach und nach die Anklage in sich zusammen. Am Ende: ein glatter Freispruch. Die Erleichterung darüber war Schulleiterin, Klassenlehrerin und der in den schlimmen Verdacht geratenen Pädagogin deutlich anzusehen.

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