Die Dorstener stehen zusammen und organisieren Hilfe in der schwierigen Zeit der Pandemie

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Während die einen krank oder besorgt zu Hause das Abflauen der Corona-Infektionskurve abwarten, beweisen viele gesunde Menschen große Hilfsbereitschaft. Dorsten steht zusammen.

Dorsten

, 18.03.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Benjamin Ebbert und sein Mann arbeiten in Nachtschicht, tagsüber müssen sie nicht aus dem Haus. Als sie jetzt im Freundeskreis Hilfe bei der Kinderbetreuung anboten, kam ihnen in Gesprächen schnell in den Sinn, dass es auch in anderen Bereichen ganz viel dringenden Hilfebedarf gibt.

„Wer geht mit dem Hund Gassi, wenn Herrchen oder Frauchen das Haus nicht verlassen dürfen? Wer kauft für kranke Menschen ein?“ Ruckzuck war die Idee geboren und die Facebook-Gruppe „Dorsten hilft - Corona 2020“ gegründet. Das geschah in der Nacht zu Freitag und bisher hat die Gruppe schon 400 Mitglieder. Und die haben sich auch schon geholfen.

Ruckzuck ist der Einkaufswunsch erfüllt

Das funktioniert dann zum Beispiel so: „Wer wäre denn bereit für einen Einkauf heute Mittag in der Dorstener Innenstadt? Die Einkaufsliste ist vom Aldi?“ Wenige Minuten später gibt es schon die erste Antwort: „Könnte ich machen.“ Und kurz danach kann Ebbert schon vermelden, dass die Angelegenheit bereits erledigt ist.

So stellt sich auch die Jugendgruppe der Dorstener Ditib-Moschee ihr neues Angebot vor, das sie erst am Dienstag ins Leben gerufen hat.

Jugendvorstand Ismet Talha Kaynak berichtet, dass auch die bis zu 70 männlichen und rund 40 weiblichen Mitglieder der Jugendgruppe aufgrund der Corona-Vorschriften ihre gemeinsamen sozialen Aktivitäten einstellen mussten. Um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, sei die Moschee derzeit ganz geschlossen - auch zum Beten.

Jugend der Ditib-Gemeinde hat ein Hilfsangebot auf die Beine gestellt.

Auch die jungen Erwachsenen der Dorstener Ditib-Gemeinde haben ein Hilfsangebot auf die Beine gestellt. © Petra Berkenbusch

„Da haben wir überlegt, dass wir uns mit dieser Hilfsaktion nützlich machen könnten.“ Angeboten wird Hilfe beim Einkaufen, beim Tragen von Taschen und Tüten. „Wir sind für Euch da, egal welche Herkunft, Glaube oder Sprache“, versichern die Jugendlichen und haben nach wenigen Stunden auch schon die ersten Dienste erledigt. Ismet Talha Kayak: „Einer erkrankten Frau haben wir zum Beispiel schon etwas aus der Apotheke besorgt.“ Die Ditib-Jugend wohne im ganzen Stadtgebiet, da sei schnelle Hilfe in fast allen Stadtteilen möglich.

Hilfe per Telefon oder via Facebook anfordern

Benjamin und Rene Ebbert haben inzwischen neben der Facebook-Gruppe auch ein Hilfe-Telefon eingerichtet. „Schließlich sind ja nicht alle Menschen, die Hilfe brauchen, im Internet unterwegs.“ Wenn die jetzt zwischen 10 und 17 Uhr die Rufnummer (02866) 1879107 anwählen, geraten sie per Rufumleitung an ein Gruppenmitglied, das dann im persönlichen Freundeskreis Hilfe organisiert. Benjamin Ebbert: „So wollen wir eine gewisse Sicherheit gewährleisten.“

In der Facebook-Gruppe dagegen sollen sich Nachfrage und Angebot möglichst selbstständig vernetzen, ohne dass die Administratoren vermittelnd eingreifen müssen. Deshalb hat Ebbert gleich zu Beginn Regeln und Empfehlungen formuliert. Unter anderem: „Erstkontakt bitte als Kommentar unter dem Post, um unseriöse Angebote per PN auszuschließen. Bitte schreibt ein wenig miteinander oder noch besser, telefoniert vorher. Wenn Ihr danach kein gutes Gefühl habt, und Ihr lieber den Helfenden oder den Suchenden nicht treffen möchte, teilt das der Person bitte mit.“

Weiter heißt es auch: „Bei Gassi-Runden lasst Euch mindestens den Personalausweis der helfenden Person zeigen, vielleicht sogar mit Einverständnis als Pfand solange halten. Wenn Kinder bei der Gassi-Runde mit sollen, nehmt sie nicht mit zur Übergabe oder sorgt für ausreichenden Abstand. Bitte vermeidet Körperkontakt und haltet die Übergabe kurz.“

Auch die Caritas hat ein Angebot organisiert

Auch der Caritasverband organisiert in Kooperation mit den Caritasgruppen der Pfarrgemeinden eine Einkaufshilfe für Menschen, die sich in der nächsten Zeit in Quarantäne begeben müssen und niemanden in ihrem Umfeld haben, der für sie einen Einkauf oder einen Apothekengang erledigen kann. Der Mahlzeitendienst „Essen auf Rädern“ steht dieser Personengruppe ebenfalls zur Verfügung. Die zentrale Rufnummer für beide Angebote ist: Tel. (02362) 918700.

Die Pfarrcaritas der Pfarrgemeinde St. Paulus bietet in Kooperation mit Edeka Honsel (Zechengelände) eine Einkaufshilfe für die nächsten Wochen der Corona-Krise an. Dieses Angebot kann von Personen in Hervest wahrgenommen werden, die nicht selber einkaufen gehen dürfen (Quarantäne) oder können. Bedürftige Personen können sich ab sofort im Pfarrbüro St. Josef unter Tel. (02362) 71177 melden. Die Bezahlung des Einkaufs und die weiteren Formalitäten werden dann am Telefon erklärt. Gern können auch andere Besorgungen zum Beispiel Gang zur Apotheke dabei übernommen werden.

Auch die Dorstener Zeitung unterstützt private Nachbarschaftshilfen. Hier finden Sie unser Formular.

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